20.01.2016 14:19

Knackeboul

«In der Schweiz ist das Bünzlitum überall»

David Kohler, wie Knackeboul bürgerlich heisst, mag nicht so recht in ein Rap-Raster passen. Will er auch gar nicht.

von
Lucien Esseiva

Knackeboul «Abundzue» / <i>(Quelle: Youtube/<a href="https://www.youtube.com/watch?v=iRjepO8MlGM&feature=youtu.be">Knackeboul</a>)</i>

Wie soll ich dich nennen? David, Knack, Knackeboul?

Die meisten Freunde aus Bern und auch meine Freundin sagen mir Dävu. In Zürich bin ich einfach der Knack. Wenn man mich besser kennt, darf man selber entscheiden, wie man mich nennt. Knäckebrot find ich hingegen nicht so lustig.

Du bist Journalist, Comedian, Kommentator und Rapper. Verzettelst du dich mit all den Jobs nicht ein bisschen?

Natürlich, aber das ist ein Luxusproblem. Ich will mich nicht auf einen Bereich versteifen, weil ich alles gerne mache. Schlimmer wäre es doch, wenn ich nicht wüsste, was mir Spass macht.

Dir wird in der Rap-Szene oft mangelnde Glaubwürdigkeit vorgeworfen. Woran liegt das?

Den Schweizern ist die Kultur des Multitaskings fremd. In Amerika ist das ganz anders. Dort gibt es verschiedene Beispiele von Persönlichkeiten, die Sachen ausserhalb ihrer Kernkompetenz machen und deswegen nicht angezweifelt werden. In der Schweiz ist das Bünzlitum überall – auch in der Hip-Hop-Szene.

Wünschst du dir mehr Akzeptanz?

Ich wünsche mir mehr Rap-affines Publikum. 80 Prozent der Schweizer Rapper schätzen mich und wissen, dass ich was kann. Das Publikum hat das noch nicht ganz begriffen.

Hast du ein Imageproblem?

Was ich immer wieder erlebe: Leute kommen zu mir und fragen, wer meine Beats macht. Ich mache die Beats! Oder man wundert sich, weil ich so gut freestylen kann. Auch das mache ich schon immer. Kein Wunder also, dass ich gut darin bin.

Mit welchem Klischee über dich möchtest du aufräumen?

Ich bin kein Gutmensch, ich bin auch nicht bescheiden, ich bin nicht verklemmt und auch kein Hippie. Ich bin ein Genussmensch, der gern mal blöde Sachen sagt. Ich habe einen derben Humor und rege mich über ganz viele Sachen auf.

Dein neues Album «Knacktracks» ist von den Melodien bis zu den Texten ziemlich schwer verdaulich. Woran liegt das?

Natürlich hätte ich kommerzielle Tracks machen können, die alle verstehen. Doch irgendwie ist mir meine Musik heilig – darum wird meine Kunst wohl nie anders klingen.

Das Album klingt stellenweise fast schwermütig. Woran liegt das?

Vielleicht habe ich auch da wieder ein Imageproblem, denn eigentlich lache ich sehr gern und tue gerne blöd. Aber ich mache mir gleichzeitig auch viele Gedanken, die ganze Zeit, darum klingt das Album auch so.

Wie wichtig ist dir eine gute Chartplatzierung?

Als ich mich entschieden habe, das Album selber zu produzieren und zu vertreiben, habe ich auch akzeptiert, dass Charts keine grosse Rolle für mich spielen werden. Aber klar: So sehr ich einen Hit möchte, so sehr möchte ich auch keinen.

Was wäre der Fluch an einem Hit?

Es muss schrecklich sein, wenn du nur auf diesen einen Hit reduziert wirst und das Publikum nur diesen einen Song hören will.

Junge Schweizer Rapper wie Mimiks rappen über Koks und Nutten und trotzdem sagst du, dass du sie bewunderst.

Ich hatte in meiner Musik immer eine gewisse Moralvorstellung, das kommt von meiner Erziehung. Seit zwei Jahren mache ich einen Wandel durch. Mit dieser neuen Einstellung dürfte ich auch mal sagen, dass ich auf dem WC kokse, obwohl ich das nicht mache. Musik muss nicht immer eine tiefgründige Message haben.

Knackebouls Album «Knacktracks» ist ab sofort im Handel erhältlich.

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