Waldbrandgefahr und Ernteausfälle: In der Schweiz ist es so trocken wie fast noch nie
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Waldbrandgefahr und ErnteausfälleIn der Schweiz ist es so trocken wie fast noch nie

Fehlender Niederschlag und hohe Temperaturen sorgen derzeit für einen der trockensten Sommeranfänge der letzten 30 Jahre. Den Bauern geht der Salat ein.

von
viv
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Bauer Simon Forster hat Existenzängste. Grund: Seit April hat es fast nicht mehr geregnet.

Bauer Simon Forster hat Existenzängste. Grund: Seit April hat es fast nicht mehr geregnet.

Simon Forster
Es ist einer der trockensten Sommeranfänge der letzten 30 Jahre.

Es ist einer der trockensten Sommeranfänge der letzten 30 Jahre.

Simon Forster

Die Gewitter in dieser Woche sind nur ein Tropfen auf den heissen Stein: In der Schweiz ist es derzeit extrem trocken, die Pegelstände der meisten Flüsse und Seen sind tief: «Wir erleben derzeit eine der trockensten Perioden der letzten 30 Jahre. Wenn das so weitergeht, dann schliessen wir in diesem Sommer zu den trockenen Hitzesommern von 2003 und 2015 auf», sagt Gebirgshydrologe Manfred Stähli von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL, der an einem Forschungsprojekt zur frühen Erkennung von Trockenheit in der Schweiz beteiligt ist.

Auch Stephan Bader von Meteo Schweiz sagt: «Regen war in der Schweiz von April bis Juni Mangelware.» Im Juni habe es teilweise nur 20 bis 40 Prozent der normalen Niederschlagsmengen gegeben. Erstaunlich: «In den Zentral- und Ostalpen war es regional der zweit- bis fünfttrockenste Juni seit Messbeginn 1864», so Bader.

Grundwasserversorgung in Gefahr?

Die allgemeine Trockenheit sei schliesslich eine Kombination aus fehlendem Regen und hoher Verdunstung als Folge der hohen Temperatur, die in den letzten drei Monaten herrschten. Zusätzlich habe trockene Bisenluft in den letzten Tagen die Austrocknung beschleunigt.

Laut Gebirgshydrologe Stähli hat diese seltene Situation gravierende Folgen: «Aufgrund der trockenen Böden ist die Waldbrandgefahr erhöht.» Doch das ist nicht das Einzige. Obwohl die Wasserspeicher noch gut gefüllt sind, droht der Schweiz bei einer fortschreitenden Austrocknung sogar ein Mangel an Grundwasser. «Wenn dieses in den nächsten Wochen im gleichen Stil zurückgeht, dann müssen sich Gemüseproduzenten fragen, wie sie die Bewässerung aufrechterhalten können», so Stähli. Von einem generellen Grundwassermangel sei man allerdings noch weit entfernt.

Bauern stark betroffen

Landwirte bekommen die Folgen der langen Trockenperiode allerdings schon jetzt zu spüren. Die Situation sei «angespannt», sagt Sandra Helfenstein, Sprecherin des Bauernverbands: «Alle hoffen, dass es bald genug regnet.» Im Moment würden Landwirte ihre gefährdete Kulturen durch Gewässer oder Trinkwasser bewässern. «So ist beispielsweise die Salaternte zurückgegangen», so Helfenstein. Das hat meist Folgen auf die Verkaufspreise: «Je weniger Ware vorhanden ist, desto wertvoller wird diese.»

Sie möchte den Ball aber dennoch flach halten. «Wenn man in der Natur arbeitet, dann ist es normal, dass es die Ernten einmal besser und einmal schlechter ausfallen», so Helfenstein.

Dramatischer sieht es Landwirt Simon Forster aus Stettfurt TG, für den die aktuelle Situation existenzbedrohend sei. Schon jetzt beklagt er Verluste. «Tag für Tag sehe ich, wie der Pegel des Flusses, aus dem ich Wasser beziehe, sinkt», so Forster. Wenn es so weitergeht, muss auch er auf Trinkwasser zurückgreifen. Das koste ihn drei- bis fünfmal so viel wie sonst. Und: «Auch davon können die Gemeinden nicht unbegrenzte Mengen zur Verfügung stellen.» 200'000 Liter Wasser pro Stunde benötigt er für seine Felder.

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