Aktualisiert 23.06.2015 17:03

Reaktion auf Obamas Rede«In der Schweiz ists illegal, keine Waffe zu besitzen»

Nach dem Attentat in Charleston plädierte Barack Obama – einmal mehr – für schärfere Waffengesetze. Reaktionen zeigen: Er hat allen Grund zur Frustration.

von
gux

Barack Obama spricht nach der Tragödie von Charleston: «Die USA müssen sich ernsthaft damit auseinandersetzen, dass diese Form der massenhaften Gewalt in anderen entwickelten Ländern nicht vorkommt.»

So verdrossen sieht man Barack Obama selten. Kein Wunder: Der US-Präsident musste gestern die Nation über einen tödlichen Amoklauf informieren – es ist die 14. Erklärung, die Barack Obama in seiner bislang sechsjährigen Amtszeit zu einer solchen Tat abgab. Er sagte es gestern selbst: «Zu oft habe ich ans Mikrofon treten müssen, um die Opfer jener zu betrauern, die sich ohne Probleme eine Waffe beschaffen konnten.»

Bekanntlich ohne Erfolg: Der Senat lehnt eine derartige Verschärfung genauso ab wie Kompromisse für eine strengere Überprüfung von Waffenkäufern. Denn in den USA ist das Recht auf Waffenbesitz in der Verfassung verbrieft. Schätzungen zufolge befinden sich rund 300 Millionen Schusswaffen in Privatbesitz.

«Was für ein Haufen Sch*** von unserem Esel-Kapitän»

Weitaus mehr US-Bürger werden im eigenen Land erschossen als bei Kriegseinsätzen im Ausland. «Irgendwann werden wir uns als Land mit der Tatsache auseinandersetzen müssen, dass diese Art der Massengewalt in anderen hochentwickelten Ländern in dieser Häufigkeit nicht vorkommt», sagte Obama gestern.

Der präsidiale Vergleich mit anderen Ländern kommt nicht überall gut an, wie Reaktionen auf die Rede des Präsidenten zeigen. Zumindest dürfte folgende haarsträubende Begründung für das Denken so manch eines amerikanischen Waffenbefürworters stehen. So schreibt User «Treefrog156» auf Youtube: «Was für ein Haufen Sch*** von unserem Esel-Kapitän. In der Schweiz zum Beispiel ist es illegal, keine vollautomatische Waffe zu besitzen und die haben dort drüben fast keine Schusswaffenverbrechen.» Und weiter schreibt er: «In der Schweiz wissen die Kriminellen, dass in dem Haus, das sie ausrauben wollen, eine Waffe auf sie wartet. Also lassen sie den Einbruch, weil sie wissen, dass die Besitzer sich verteidigen und Eindringlinge töten werden.»

Ein Einzelfall? Möglich. Allerdings zeigt eine Gallup-Umfrage vom letzten Oktober: 63 Prozent der befragten Amerikaner sind der Meinung, dass der Besitz einer Waffe ihr Zuhause sicherer macht. Lediglich 30 Prozent waren gegenteiliger Ansicht.

«System widerspiegelt nicht den gesunden Menschenverstand»

Obama ist durch die Tragödie in Charleston persönlich betroffen: Er und seine Frau Michelle kannten den erschossenen Pfarrer der Emmanuel African Methodist Episcopal Church.

Entsprechend nahm Obama bei einer Veranstaltung zur Wahlkampffinanzierung in San Francisco später am Abend dann wirklich kein Blatt mehr vor den Mund. Mit Blick auf die unveränderte Waffengesetzgebung in seinem Land sagte er den geladenen Gästen: «Das Problem ist, dass das politische System sehr oft nicht den gesunden Menschenverstand und Anstand des amerikanischen Volkes widerspiegelt.»

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