In der Schweiz kreucht und fleucht es
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In der Schweiz kreucht und fleucht es

In der Schweiz leben rund 50.000 Tier- und Pflanzenarten. Die Zahl der Wirbeltiere ist in den letzten zehn Jahren konstant geblieben. Trotzdem fällt die Bilanz der Behörden zur Biodiversität gemischt aus: Die Liste der gefährdeten Arten sei noch zu lang.

Gemäss den ersten Resultaten des neuen Monitorings über die Biodiversität leben in der Schweiz rund 50.000 Pflanzen- und Tierarten. Damit könne man zufrieden sein, es seien mehr Arten als die Fachleute erwartet hätten, sagte Erich Kohli vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) am Donnerstag vor den Medien. Als Zeichen der Verbesserung werten die Behörden, dass die Zahl der heimischen Wirbeltiere nach den grossen Verlusten in den 80er Jahren nun zwischen 1997 und 2005 praktisch stabil geblieben ist. Zwar verschwanden einige Arten, wie zum Beispiel die Bekassine oder der grosse Brachvogel. Umgekehrt seien aber neue Arten eingewandert oder heimisch geworden, so etwa der Wolf oder die Moorgrundel.

Trotzdem fiel die Bilanz der Behörden unter dem Strich gemischt aus. Die Zahl der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten sei nach wie vor zu gross, mehr als jede zweite Art sei zumindest potenziell gefährdet. Viele Arten kämen nur noch in kleinen Beständen und an wenigen Stellen vor. Und die geschützten Biotope sind oft zu klein, um sie langfristig zu erhalten. Das BAFU hält es demnach für wichtig, die Schutzgebiete noch auszudehnen.

Die grösste Artenvielfalt weist die Schweiz in den Alpen aus. Im Waliser Mattertal etwa wurden etwa 80 verschiedene Arten von Tagfaltern gezählt. Enttäuscht sind die Behörden demgegenüber von der Situation im Mittelland. Dort wurde nur eine geringe Artenvielfalt festgestellt, was die Fachleute auf die intensive Landwirtschaft und den Siedlungsdruck zurückführen. Auch das Mittelland weise eigentlich ein hohes ökologisches Potenzial aus, sagte Kohli. Wegen des grossen Nutzungsdrucks könne aber nur gehofft werden, dass die Talsohle schon durchschritten sei und sich dieses Potenzial weiter entfalten werde.

Die biologische Vielfalt sei ein Reichtum, den die Schweiz hüten und pflegen müsse, sagte Bruno Oberle, der Direktor des BAFU. Sie liefere Holz, Textilien und Nahrung und schütze vor Naturgefahren. Oberle will darum künftig jedes Jahr zum 5. Juni, dem internationalen Tag der Umwelt, darlegen, was mit den Investitionen von rund einer halben Milliarde Franken in die Biodiversität erreicht wird. Das Ziel des BAFU liegt in erster Linie darin, den heutigen Bestand zu wahren. Es gehe nicht darum, aus der Schweiz einen botanischen Garten zu machen. (dapd)

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