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Düngemittel In der Schweiz sind Tausende Tonnen Ammoniumnitrat im Umlauf

In Beirut hat sich am Dienstagabend eine schwere Explosion ereignet. Auslöser soll eine grosse Menge Ammoniumnitrat sein. Auch hierzulande ist die Chemikalie ein beliebter Bestandteil für Düngemittel.

von
Céline Krapf
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 Beirut wurde zur «Katastrophen-Stadt» erklärt.

Beirut wurde zur «Katastrophen-Stadt» erklärt.

Keystone
Durch die Wucht der Explosion wurde der Hafen komplett zerstört.

Durch die Wucht der Explosion wurde der Hafen komplett zerstört.

Reuters
Über 130 Personen sind ums Leben gekommen, mehrere Tausend Personen wurden verletzt.

Über 130 Personen sind ums Leben gekommen, mehrere Tausend Personen wurden verletzt.

Keystone

Darum gehts

  • In der libanesischen Hauptstadt Beirut kam es zu einer riesigen Explosion.

  • Auslöser soll die unsachgemässe Lagerung von Ammoniumnitrat sein, heisst es.

  • Ammoniumnitrat ist auch für die Schweiz eine wichtige Komponente in Düngemitteln.

Die Spitäler sind überfüllt, der Hafen ist zerstört, giftige Stoffe sollen in der Luft schweben: In der libanesischen Hauptstadt Beirut ist es am Dienstag zu einer schweren Explosion am Hafen gekommen. Was der Auslöser der Detonation war, ist nicht abschliessend geklärt.

Am Ort der Explosion war aber offenbar eine grosse Menge Ammoniumnitrat gelagert – eine gefährliche Chemikalie, die auch in der Schweiz genutzt wird. «Es wird beispielsweise zur Herstellung von Sprengstoff oder Dünger gebraucht», sagt Katrin Schmitter, Mediensprecherin des Fedpol, zu 20 Minuten. «Jährlich werden 2500 bis 3000 Tonnen Ammoniumnitrat in die Schweiz importiert.»

Das reine Ammoniumnitrat sei ein farbloser Stoff, der in Form von Granulat oder Pulver gelagert werde. In Kombination mit anderen Stoffen oder bei Einwirkung von enormer Hitze könne es eine grosse Sprengkraft entwickeln, sagt Schmitter. «Es ist eine Temperatur von mehreren Hundert Grad in kurzer Zeit nötig, damit es zur Explosion kommt.» Dies wäre beispielsweise bei einem grossen Feuer der Fall, wie dies laut Zeugenaussagen bei der Detonation in Beirut der Fall war.

Ein Pistenarbeiter streut Kunstdünger mit Ammoniumnitrat auf die Slalompiste des Ski-Weltcup-Slalomhangs in Wengen.

Ein Pistenarbeiter streut Kunstdünger mit Ammoniumnitrat auf die Slalompiste des Ski-Weltcup-Slalomhangs in Wengen.

KEYSTONE

Im Fall von Beirut wird vermutet, dass die Chemikalie seit Jahren ohne die nötigen Sicherheitsvorkehrungen gelagert wurde. In der Schweiz unterliegen Lagerung und Transport strengen Regeln. «Die Vorgaben betreffen zum Beispiel Brandschutz, Lagerungs- und Zusammenlagerungsbedingungen», schreibt das Bundesamt für Umwelt (Bafu). «Die Kantone müssen die Umsetzung kontrollieren.»

Im Schienengüterverkehr sei Ammoniumnitrat kein Thema, schreibt Michael Müller vom Bundesamt für Verkehr (BAV). In den vergangenen Jahren sei es in reiner Form nicht in Güterwagen transportiert worden. Und als Bestandteil von Düngemitteln sei es «so stark verdünnt, dass Lagerung und Transport gefahrlos sind».

Die Vorgaben für die Lagerung von Ammoniumnitrat wurden in der Schweiz vor knapp zehn Jahren verschärft, nachdem eine Düngemittel-Fabrik im französischen Toulouse explodiert war und mehrere Menschen in den Tod gerissen hatte.

Deine Meinung

113 Kommentare
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Kapselmichi

07.08.2020, 07:14

Handel sofort verbieten! Jetzt! Lockdown bis alles entsorgt ist!

Snuff

07.08.2020, 06:05

Gefährliche Chemikalie, die in der Schweiz unter anderem als Dünger gebraucht wird... dazu muss man nichts mehr sagen...

Champedissle

06.08.2020, 08:45

Fragt doch mal die Hisbollah in Beirut, woher sie ihre Tonnen von Sprengstoff hat. So eine Art Selbstbedienungsladen mitten in Beirut.