Neue Initiative: In der Schweiz soll es nur noch Bio-Fleisch geben
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Neue InitiativeIn der Schweiz soll es nur noch Bio-Fleisch geben

Per Volksinitiative soll die Massentierhaltung in der Schweiz abgeschafft werden. Die Bauern warnen vor mehr Einkaufstourismus.

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qll
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Rinder, die auf engstem Raum zusammengepfercht werden, Schweine, die noch nie im Dreck gewühlt haben und Hühner, die gemästet werden, dass sie nicht auf den eigenen Beinen stehen können: Damit soll nun Schluss sein.

Rinder, die auf engstem Raum zusammengepfercht werden, Schweine, die noch nie im Dreck gewühlt haben und Hühner, die gemästet werden, dass sie nicht auf den eigenen Beinen stehen können: Damit soll nun Schluss sein.

Keystone/Karl Mathis
Die Denkfabrik Sentience Politics hat am Dienstag die erste nationale Volksinitiative lanciert, in der sie die Abschaffung der Massentierhaltung in der Schweiz fordert. «Wir sprechen von Massentierhaltung, wenn aus ökonomischen Gründen das Tierwohl systematisch verletzt wird», sagt Projektleiterin Meret Schneider.

Die Denkfabrik Sentience Politics hat am Dienstag die erste nationale Volksinitiative lanciert, in der sie die Abschaffung der Massentierhaltung in der Schweiz fordert. «Wir sprechen von Massentierhaltung, wenn aus ökonomischen Gründen das Tierwohl systematisch verletzt wird», sagt Projektleiterin Meret Schneider.

Um die Würde des Tieres zu gewährleisten, sollen Anforderungen festgelegt werden, die mindestens den Anforderungen der Bio-Suisse-Richtlinien 2018 entsprechen. Veränderungen wären, dass beispielsweise nicht mehr 18 000 Legehennen, sondern nur noch 2000 im Stall gehalten werden dürfen. Ebenfalls hätten Schweine mehr Platz (von 0.9 Quadratmeter auf 1.65 Quadratmeter) und sie könnten mehr draussen sein.

Um die Würde des Tieres zu gewährleisten, sollen Anforderungen festgelegt werden, die mindestens den Anforderungen der Bio-Suisse-Richtlinien 2018 entsprechen. Veränderungen wären, dass beispielsweise nicht mehr 18 000 Legehennen, sondern nur noch 2000 im Stall gehalten werden dürfen. Ebenfalls hätten Schweine mehr Platz (von 0.9 Quadratmeter auf 1.65 Quadratmeter) und sie könnten mehr draussen sein.

AP/J. Scott Applewhite

Rinder, die auf engstem Raum zusammengepfercht werden, Schweine, die noch nie im Dreck gewühlt haben, und Hühner, die so stark gemästet werden, dass sie nicht auf den eigenen Beinen stehen können: Damit soll nun Schluss sein. Die Denkfabrik Sentience Politics hat am Dienstag ihre erste nationale Volksinitiative lanciert, in der sie die Abschaffung der Massentierhaltung in der Schweiz fordert. «Wir sprechen von Massentierhaltung, wenn aus ökonomischen Gründen das Tierwohl systematisch verletzt wird», sagt Projektleiterin Meret Schneider.

Die Volksinitiative soll das Leben der Tiere verbessern. «Wir wollen zurück zu den Bildern à la Heidi, die der Konsument im Kopf hat», erklärt Schneider. «Beispielsweise eine Kuh, die auf der Weide Gras frisst.» Zwar würden viele Werbungen diese Bilder weiterhin assoziieren, doch sie würden nicht der Realität entsprechen. «Die Fleischindustrie hält die wahren Bilder zurück.»

Um die Würde des Tieres zu gewährleisten, sollen Standards festgelegt werden, die mindestens den Anforderungen der aktuellen Bio-Suisse-Richtlinien entsprechen. Veränderungen wären, dass beispielsweise nicht mehr 18'000 Legehennen, sondern nur noch 2000 im Stall gehalten werden dürfen. Ebenfalls hätten Schweine mehr Platz (statt 0,9 Quadratmeter neu 1,65 Quadratmeter) und ein Recht auf Auslauf.

«Keine utopische Forderung»

Diese Forderungen seien «überhaupt nicht utopisch», wie es von vielen Seiten heisse: «Utopisch ist eher die Idee, dass es so weitergehen kann wie bisher», so Schneider. «Beispielsweise gibt es kaum mehr Regenwald, dieser wird für die Produktion von Futter-Soja abgeholzt.» Es lasse sich ein Umdenken bei den Konsumenten feststellen: «Nach all den Fleisch-Skandalen wollen immer mehr Menschen wissen, woher die tierischen Produkte kommen und wie das Tier gehalten wurde.»

Die Verschärfung der Richtlinien führe dazu, dass die tierischen Produkte teurer würden. «Viele sind aber bereit, einen Aufpreis zu zahlen, wenn sie dafür mehr Wissen über das Produkt erhalten», so Schneider. «Sowieso haben wir noch nie so wenig fürs Essen ausgegeben wie jetzt.»

Auch Produkte aus dem Ausland betroffen

Von der Verschärfung wären nicht nur Schweizer Tierprodukte betroffen, wie aus dem Initiativtext hervorgeht. Schneider: «Es sollen auch nur Waren importiert werden dürfen, bei denen vergleichbare Standards wie bei uns eingehalten werden.»

Schneider sieht in der Verschärfung der Richtlinien eine Möglichkeit für die Schweiz, sich zu profilieren. «Wir würden dann tierische Produkte höchster Qualität anbieten. Das Fleisch von einem Rind auf der Weide ist ganz anders als das Fleisch eines Stall-Rindes. Beispielsweise ist der Muskelanteil anders.»

«Konsumenten haben die Wahl»

Der Bauernverband steht der Initiative ablehnend gegenüber: «Unsere Tierschutzbestimmungen gehören zu den strengsten überhaupt», sagt Sprecherin Sandra Helfenstein. «Geregelte Höchstbestände verhindern eine industrielle Massentierhaltung.» In der Schweiz gebe es «Zwergenbestände», wenn man mit dem Ausland vergleiche. «Bei uns darf man maximal 18'000 Hühner in einem Stall halten. Das tönt nach viel, ist aber wenig, wenn man bedenkt, dass es in Deutschland Betriebe mit mehr 600'000 Tieren gibt.»

Grundsätzlich könne man in der Schweiz bereits die ganze Bandbreite von Fleisch kaufen: «Importiertes Fleisch aus ausländischer Massentierhaltung, Schweizer Standard und verschiedene Tierwohllabel, die viel höhere Auflagen beinhalten», sagt Helfenstein. «Die Konsumenten haben die Wahl – diese sollten sie nutzen.» Doch obwohl es beispielsweise die Möglichkeit gebe, Bio-Produkte oder KAG-Produkte zu kaufen, würden es nur wenige machen. Helfenstein: «Das spricht auch für sich.»

«Es würde sich nicht viel ändern»

Der Schweizer Tierschutz (STS) steht der Initiative wohlwollend gegenüber: «Auch der STS verfolgt das Ziel von bäuerlich geprägten, eher kleineren Tierhaltungen und das seit vielen Jahren», sagt Sprecherin Helen Sandmeier. «Ebenso bekämpft er Tendenzen zur Massentierhaltung.» Zurzeit konzentriere der STS seine Ressourcen allerdings auf die Unterstützung der Fair-Food-Initiative, die im Herbst dieses Jahres zur Abstimmung kommt.

Der STS freue sich zwar auf die Initiative, so Sandmeier. «Doch bezüglich politischer Möglichkeiten bringt sie nicht viel Neues, was nicht schon heute im Tierschutzgesetz, im Landwirtschaftsgesetz oder in der Fair-Food-Initiative festgelegt sei. «Sie macht nun aber Druck, dass der Bundesrat das vorhandene Regelwerk endlich konsequent umsetzen muss.»

Hinter dem Volksbegehren gegen Massentierhaltung stehen Personen aus 15 Organisationen. Bis zum 12. Dezember 2019 müssen die Initianten die benötigten 100'000 Unterschriften zusammenbringen.

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