Aktualisiert 15.12.2017 16:39

Studen BEIn der Schweiz steht das erste Holz-Parkhaus

Projekte für ein Parkhaus aus Holz gab es zwar schon einige, doch an die Umsetzung wagte sich lange niemand. Nun steht das erste Holz-Parkhaus der Schweiz in Studen.

Holz statt Beton: Das Parkhaus in Studen. (Video: sda)

Das noch nicht ganz fertig gebaute Holzparkhaus in Studen BE ist zwar kein architektonisches, dafür ein konstruktives Wunderwerk, das seine Wunder zudem noch versteckt. Denn was der Baulaie sieht, scheint wenig spektakulär: Drei 51 mal 165 Meter grosse Parkebenen, getragen von Holzstützen und -trägern, schichten sich übereinander. Der Bau strahlt bis ins Detail nüchterne Zweckmässigkeit aus. Doch eine, die es in sich hat.

Dieser konstruktive und kostenmässige Minimalismus ist in der Planung und im Bau anspruchsvoll. «Es ist eine brutal einfache Konstruktion», sagt Stephan Zaugg, der mit seiner Holzbaufirma Zaugg AG Rohrbach den Pionierbau konzipiert und erstellt hat. Und «brutal einfach» heisst in diesem Fall: mit minimalem Aufwand auf maximale Leistung optimiert.

So bestehen zum Beispiel die Decken aus zehn Meter langen, sehr dicken Brettsperrholz-Platten, die direkt auf die alle fünf Meter folgenden Hauptträger montiert sind. Die sonst bei solchen Tragdistanzen übliche zusätzliche Balkenlage fehlt. Das reduziert mit der Zahl der Verbindungen den Montageaufwand und damit die Kosten markant.

Ausgefeilte Logistik

Ein «Schönheitsfehler» am ersten Schweizer Holzparkhaus ist, dass sowohl die Bauteile wie auch ein Grossteil des Holzes aus Österreich stammen. «Wir haben in der Schweiz leider keine Halbfabrikatsindustrie mit der nötigen Kapazität», sagt Zaugg dazu. Für das Parkhaus wurden insgesamt 1100 m³ Brettschichtholz, 3400 m³ Brettsperrholzplatten und 30 m³ Buchenholz verbaut.

Bei einem Pionierbau brauchte es jedoch auch einen Bauherrn, der das Risiko eines Erstwerks eingeht. In diesem Fall war es die Cotra Autotransport AG. Das Unternehmen hatte das bis anhin unlösbare Problem, auf einem Areal mit Grundwasser ein Parkhaus für 2000 Fahrzeuge bauen zu wollen.

Weil das Grundwasser nur eine geringe Bodenbelastung zuliess, kam die übliche Bauweise mit Beton nicht infrage. Das Parkhaus musste leicht sein – also zum Beispiel aus Holz. Eine Holzkonstruktion hatte zudem den Vorteil, bei optimierter Bauweise günstiger und erst noch schneller erstellt zu sein.

Erstes solches Projekt der Schweiz

Die Zugangsrampen und die Zugangstreppen sind aus Stahl. Um keine konstruktiven Teile Regen und Schnee auszusetzen, wurden die Fassadenstützen des Gebäudes aus feuerverzinktem Stahl gefertigt. Die Dachfläche, die ebenfalls als Parkfeld genutzt wird, ist durch eine Asphaltschicht geschützt.

Das Gebäude ist zwar noch nicht ganz fertiggestellt, es wird jedoch bereits genutzt. Die Abnahme des Gebäudes soll schliesslich Ende März 2018 erfolgen. Damit wird die Schweiz ganz offiziell ihr erstes Holzparkhaus haben.

«Das ist auch eine Weltpremiere», sagt Zaugg. Pläne und Ideen für den Bau eines Parkhauses aus Holz existierten zwar seit einigen Jahren, «doch diese Projekte in den USA, in Deutschland und in Österreich waren bis jetzt Luftschlösser geblieben». In Schweden gibt es allerdings bereits ein Parkhaus aus Holz. (sda)

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