Eingeführt: In der Slowakei herrscht «Euro-phorie»
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EingeführtIn der Slowakei herrscht «Euro-phorie»

Die Slowakei hat zum Jahreswechsel gleich mehrfach Grund zum Feiern: Just zum 16. Jahrestag der Staatsgründung (1. Januar 1993) wird das ex-kommunistische Land zum 16. Mitglied der Euro-Zone.

Das traditionell mit den Jubiläumsfeiern der Staatsgründung verbundene Neujahrsfeuerwerk steht daher diesmal ganz im Zeichen der neuen Währung.

Das Nationalbankgebäude, eines der höchsten Hochhäuser Bratislavas, wurde schon vor Monaten mit einem riesigen Euro-Transparent umhüllt, das bis an die österreichische Grenze zu sehen ist.

In den 1990er-Jahren habe die Slowakei neben den ebenfalls ex-kommunistischen Nachbarländern bei allen Bemühungen um EU-Integration als «hässliches Entlein» im Abseits gestanden, erinnert sich Finanz-Staatssekretär Peter Kazimir.

Nur mit Mühe habe es die Slowakei doch noch geschafft, zugleich mit den Nachbarn Polen, Tschechien und Ungarn Mitglied der Union zu werden.

Indem sie diese jetzt beim letzten Schritt der EU-Integration allesamt um mehrere Jahre überholt und als erstes Land des ehemaligen Ostblocks den Euro einführt, steigt die Slowakei nicht nur aus der Sicht von Kazimir vom hässlichen Entlein zur Schönheitskönigin auf.

Denn dass es nach dem Euro-Beitritt der Slowakei ein paar Jahre Pause bis zur Aufnahme weiterer Transformationsländer gibt, zeichnete sich schon vor Ausbruch der globalen Finanzkrise ab.

Willkommene Krise

Für die Euro-Ambitionen der slowakischen Politiker und Wirtschaftskapitäne kam die Finanzkrise sogar sehr willkommen. Denn je näher die lange ungewisse Euro-Einführung rückte, desto grösser wurde die Skepsis in weiten Teilen der Bevölkerung.

Die Regierung aus einer grossen sozialdemokratischen und zwei kleinen rechtspopulistischen Parteien musste alles daran setzen, die vor allem unter ihren eigenen Wählern zahlreichen Zweifler davon zu überzeugen, dass der Euro kein «Teuro» werde.

Schliesslich ging man sogar so weit, per Strafgesetz Geld- und im Extremfall sogar Gefängnisstrafen für «ungerechtfertigte» Preiserhöhungen im Zuge der Euro-Einführung anzudrohen.

Die Krone hält sich

Doch die Finanzkrise lieferte nun laut Nationalbank-Gouverneur Ivan Sramko den Beweis, wie vorteilhaft die etwa vom tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Klaus bei einem Staatsbesuch in Bratislava als überstürzt kritisierte Euro-Einführung für das kleine Land sei.

Während die Währungen der Nachbarländer Tschechien, Ungarn und Polen gewaltig ins Trudeln kamen, blieb die slowakische Krone in den letzten Wochen auch deshalb stabil, weil es nichts mehr über ihren endgültigen Umrechnungskurs zum Euro zu spekulieren gab.

Zwei Wochen vor dem Beitritt zur Euro-Zone zeigten Umfragen denn auch erstmals, dass mit 58 Prozent eine Mehrheit der Bevölkerung der neuen Währung positiv gegenübersteht.

Auch die grösste Angst der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB), der Slowakei drohe nach der Euro-Einführung eine überbordende Inflation, relativierte sich. Wie in anderen Ländern geht die Inflation auch in der Slowakei schon jetzt zurück.

(sda)

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