Häftlinge stellen Forderungen: In der Strafanstalt Thorberg brodelt es wieder
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Häftlinge stellen ForderungenIn der Strafanstalt Thorberg brodelt es wieder

In der Strafanstalt Thorberg kehrt keine Ruhe ein: Nach einem Streik im vergangenen Herbst wollen die Insassen am Montag mit einer Protestaktion für bessere Haftbedingungen eintreten.

von
ber
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Die Insassen des Gefängnisses Thorberg sind unzufrieden: Nach einem Streik im vergangenen Herbst drohen sie für Montag eine Protestaktion an, wie «Schweiz aktuell» berichtet.

Die Insassen des Gefängnisses Thorberg sind unzufrieden: Nach einem Streik im vergangenen Herbst drohen sie für Montag eine Protestaktion an, wie «Schweiz aktuell» berichtet.

Keystone/Anthony Anex
«Schweiz aktuell» liegt der sechsseitige Antrag vor, den die Thorberg-Insassen dem Direktor übergeben haben. Darin werden Sozialdienst, Lohn und Gesundheitsdienst kritisiert.

«Schweiz aktuell» liegt der sechsseitige Antrag vor, den die Thorberg-Insassen dem Direktor übergeben haben. Darin werden Sozialdienst, Lohn und Gesundheitsdienst kritisiert.

Screenshot SRF
Thomas Egger, Direktor der Justizvollzugsanstalt Thorberg, wollte gegenüber «Schweiz aktuell» keine Stellung nehmen.

Thomas Egger, Direktor der Justizvollzugsanstalt Thorberg, wollte gegenüber «Schweiz aktuell» keine Stellung nehmen.

Keystone/Anthony Anex

Die Sträflinge im Gefängnis Thorberg wollen bessere Haftbedingungen. Am Montag soll es vor Arbeitsbeginn eine einstündige Demonstration geben, wie aus einem Dokument hervorgeht, das am Donnerstagabend in der Sendung «Schweiz aktuell» vom Schweizer Fernsehen SRF eingeblendet wurde.

Die Gefangenen haben der Thorberg-Leitung einen Forderungskatalog vorgelegt, in dem sie unter anderem eine bessere medizinische Versorgung und eine höhere Arbeitsentschädigung fordern. Auch die Angestellten der Strafanstalt sind unzufrieden. Im Interview mit «Schweiz aktuell» sagte Daniel Wyrsch, Geschäftsführer des bernischen Staatspersonalverbands und SP-Grossrat: «Wenn ich die letzten zwei Jahre anschaue, ist es bedenklich, wie viel Schlechtes ich gehört habe. Das ist bei keiner anderen Organisationseinheit so – mit Abstand.»

Unterstützt durch Selbsthilfeorganisation

Wegen der vielen Abgänge auf dem Thorberg strebt er eine Untersuchung an. Die vielen Krankschreibungen und Kündigungen seien mit hohen Kosten verbunden. «Und da muss man sich schon fragen, wie wirtschaftlich der Thorberg geführt ist.» Weder Thorberg-Direktor Thomas Egger noch das Amt für Justizvollzug wollten gegenüber «Schweiz aktuell» Stellung nehmen. Der scheidende bernische Polizeidirektor Hans-Jürg Käser liess ausrichten, dass sich seine Direktion nicht zu pauschalen Vorwürfen äussere.

Unterstützt werden die Gefangenen durch den Verein Reform 91. Die Organisation bezeichnet sich selber als Selbsthilfeorganisation für Strafgefangene und Ausgegrenzte. Egger habe sich verrannt und sei in seiner autoritären Haltung festgefahren, sagte Walo Ilg von Reform 91 gegenüber «Schweiz aktuell».

Schlechte Stimmung

Vor rund zwei Wochen haben Thorberg-Mitarbeitende gegenüber «Schweiz aktuell» über Missstände berichtet. Sie seien übermüdet, die Stimmung sei schlecht und das Vertrauen zum Direktor gestört. Wegen Umstellungen im Schichtbetrieb sei es zu Sicherheitsmängeln gekommen. Damals wies Egger die Vorwürfe zurück. Vielmehr habe sich die Situation markant verbessert, betonte er.

Streik im letzten Herbst

Bereits im letzten November traten rund 50 Häftlinge mehrere Tage in einen Streik. Sie verlangten unter anderem einen Begegnungsraum für intime Kontakte, einen höheren Lohn und mehr zu essen. Die Thorberg-Leitung zeigte sich bereit, die Einrichtung eines Sexzimmers zu prüfen. Die Justizvollzugsanstalt hatte schon damals turbulente Zeiten hinter sich. Im Jahr 2014 musste Direktor Georges Caccivio den Hut nehmen, weil er Häftlinge begünstigt und auf dem Bieler Drogenstrich verkehrt haben soll. Caccivios Nachfolger wurde Thomas Egger, der zuvor die Walliser Strafanstalt Crêtelongue geführt hatte. Auf dem Thorberg zwischen Bern und Burgdorf sitzen rund 180 Häftlinge. (ber/sda)

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