Beton-Haus: In diesem Bunker wohnt Widmer-Schlumpf

Aktualisiert

Beton-HausIn diesem Bunker wohnt Widmer-Schlumpf

Alt-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf lud einen Reporter zum Kaffee ein. Ihr Beton-Zuhause erinnert an einen Bunker.

von
B. Zanni
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Lauter graue, nackte Betonwände umgeben das Esszimmer, in dem Eveline Widmer-Schlumpf den Kaffee serviert.

Lauter graue, nackte Betonwände umgeben das Esszimmer, in dem Eveline Widmer-Schlumpf den Kaffee serviert.

Screenshot/SRF
Spätestens als sie den Reporter nach dem Spaziergang zum Kaffee einlädt, erstaunt ihr Daheim den einen oder anderen Zuschauer.

Spätestens als sie den Reporter nach dem Spaziergang zum Kaffee einlädt, erstaunt ihr Daheim den einen oder anderen Zuschauer.

Screenshot/SRF
«Die nackten Betonwände wird sie sicher noch mit Bildern schmücken, anmalen wird sie die Wände aber auf keinen Fall», sagt Architekt Andrin Schweizer. Auf dem Bild sind Kulturplatz-Reporter Nino Gadient (links) und ein Kamermann zu sehen.

«Die nackten Betonwände wird sie sicher noch mit Bildern schmücken, anmalen wird sie die Wände aber auf keinen Fall», sagt Architekt Andrin Schweizer. Auf dem Bild sind Kulturplatz-Reporter Nino Gadient (links) und ein Kamermann zu sehen.

Screenshot/SRF

Eine klobige, graue Betontreppe führt zum Hauseingang. Zwischen dicken Betonwänden und einer Betonüberdachung steckt eine braune Haustür. «Willkomma», sagt die ehemalige BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf in breitem Bündner Dialekt, als sie die Tür öffnet und den Reporter begrüsst. In der neusten Ausgabe der SRF-Sendung «Kulturplatz» zum Thema «Hey Alter!» lud die heutige Stiftungspräsidentin von Pro Senectute Reporter Nino Gadient nach einem Spaziergang zu einem Kaffee bei ihr zu Hause ein.

Aufmerksamkeit erweckte aber nicht nur Widmer-Schlumpfs Engagement für das Altern in Würde, sondern auch ihr neues Zuhause im bündnerischen Felsberg, das den einen oder anderen Zuschauer erstaunt und an einen Bunker oder eine Garage erinnert haben dürfte: Lauter graue, nackte Betonwände gibt es im Esszimmer, in dem sie den Kaffee serviert.

«Sie wollte nicht jedem gefallen»

Laut Architekt Andrin Schweizer ist das Haus der Alt-Bundesrätin natürlich Geschmackssache. «Ich kann auch nachvollziehen, dass es andere Menschen an einen Bunker erinnern kann.» Aussergewöhnlich seien Architektur und Design aber nicht. «Die Architektur steht in der langen Tradition der Swiss Box – der reduzierten Kiste.» Laut Schweizer besteht der Bau nur aus zwei Materialien: Sichtbeton und Holz. «Die Ehrlichkeit von Materialität spielt bei dieser Architektursprache eine wichtige Rolle, da wird nichts verputzt und gestrichen.»

Schweizer sieht im Bau Widmer-Schlumpfs Persönlichkeit widergespiegelt. «Sie wollte nicht jedem gefallen.» Als Bundesrätin habe sie immer eine klare Haltung bezogen, sei sehr konsequent gewesen und habe nichts für Schönfärbereien übriggehabt. Er geht davon aus, dass Widmer-Schlumpf erst gerade eingezogen ist.

Im SRF-Beitrag fügt sie auch an, es sei noch nicht alles so, wie es sein sollte. Schweizer: «Die nackten Betonwände wird sie sicher noch mit Bildern schmücken, anmalen wird sie die Wände aber auf keinen Fall.»

«Eine moderne Version meines Elternhauses»

Eveline Widmer-Schlumpf wollte gegenüber 20 Minuten zu ihrem aussergewöhnlichen Wohnobjekt keine Stellung nehmen. Ihre Wohnweise sei ihre private Angelegenheit, liess sie über Pro Senectute ausrichten. Auch in der Sendung «Kulturplatz» verliert sie nicht viele Worte über ihr Heim. Vor dem Spaziergang wirft der Reporter mit ihr aus der Ferne einen Blick auf das Haus und meint: «Sehr anders als vorher ...»

Widmer Schlumpf antwortet knapp: «Das war mein Elternhaus. Wobei es im Charakter gleich ist.» Einfach eine moderne Version des anderen Hauses sei es, stimmt sie dann dem Reporter etwas zögerlich zu.

Weiter erfahren die Zuschauer, dass sie, mittlerweile vierfache Grossmutter, das Haus mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern teilt. «Wir konnten das Elternhaus nicht vernünftig umbauen, sodass es Raum für unsere beiden Töchter und für uns gegeben hätte.» Darum hätten sie sich für ein Haus mit vielen Gemeinschaftsflächen entschieden, in dem jeder seine eigene Wohnung habe.

Ihr Fazit: «Wenn es funktioniert und man diese Kontakte auch auf eine gute Art pflegt, aber nicht so, dass man einander die Freiräume einschränkt, dann glaube ich, dass das die Wohnformen der Zukunft sind.»

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