Von RichTea, CC BY-SA 2.0
Publiziert

In diesem Haus lebten fast nur unverheiratete Frauen

20 Räume, verteilt auf drei Stockwerke und nur weibliche Mitbewohnerinnen: In diesem englischen Landhaus steckt viel Geschichte.

von
Meret Steiger
25.11.2020
Das ist «A la Ronde», ein aussergewöhnliches Haus in der Nähe von Devon, England.

Das ist «A la Ronde», ein aussergewöhnliches Haus in der Nähe von Devon, England.

CC BY 2.0, Glen Bowman
Erbaut wurde es von zwei Cousinen, Mary und Jane Parminter.

Erbaut wurde es von zwei Cousinen, Mary und Jane Parminter.

Alison Day, CC BY-ND 2.0
Jane Parminter war die Tochter eines vermögenden Weinhändlers.

Jane Parminter war die Tochter eines vermögenden Weinhändlers.

Alison Day, CC BY-ND 2.0

In der Nähe der englischen Gemeinde Lympstone in Devon, England steht ein aussergewöhnliches Haus aus dem 18. Jahrhundert. Das Haus, das 16 Seiten hat (und damit praktisch rund ist) wurde von den unverheirateten Cousinen Jane und Mary Parminter erbaut, nachdem die beiden von einer jahrelangen Europa-Rundreise zurückkehrten.

Jane war die Tochter eines vermögenden Weinhändlers in Devon. Nach dem Tod ihres Vaters 1784 plante Jane eine Rundreise durch Europa, wie es für die Upper Class in England damals üblich war. Mit dabei: Ihre invalide Schwester Elizabeth, Cousine Mary und eine weitere Freundin.

Ein Haus als Souvenirlager

Während mehreren Jahren erkundeten die Frauen Frankreich, Italien, Deutschland, die Schweiz und vermutlich auch Spanien und Portugal, bevor sie 1795 nach England zurückkehrten. Dort angekommen entschlossen sich die Cousinen Jane und Mary, ein Haus zu bauen – ein Haus, das sie an ihre Reise erinnern sollte und ein Platz für all die Souvenirs, die die Frauen mitgebracht hatten.

Jane und Mary kauften etwas mehr als 60’000 Quadratmeter Land und bauten «A la Ronde», das Haus mit den 16 Seiten. Inspiriert wurden die beiden Frauen von der Kirche San Vitale in Ravenna, die acht Seiten hat. Laut der Familiengeschichte war es Jane selbst, die das Haus gebaut hat – das ist allerdings umstritten, als Erbauer gilt auch der Architekt John Lowder.

Von Raum zu Raum der Sonne nach

Im Haus gibt es 20 Räume, verteilt auf drei Stockwerke. Im Erdgeschoss befanden sich ursprünglich Räumlichkeiten für die Angestellten, einen Weinkeller, einen Tresorraum und eine Küche. Die oberen beiden Stockwerke gehörten ganz den Frauen. Das Layout ist speziell: In der Mitte gibt es einen achteckigen Gang, von dem acht Türen zu den jeweiligen Zimmern führen.

Speziell: Die acht Zimmer sind auch untereinander verbunden. Man kann den achteckigen Gang umrunden, ohne ihn zu betreten. Das war Jane und Mary vorallem wegen der Sonne wichtig: Die beiden sollen die Angewohnheit gehabt haben, der Sonne von Zimmer zu Zimmer zu folgen. Sie begannen mit dem Frühstück im östlichen Zimmer und beendeten den Tag mit Tee im westlichsten Zimmer.

200 Jahre nur von Frauen bewohnt

Jane Parminter starb 1811 und wurde bei der kleinen Kapelle begraben, die an das Land der Cousinen grenzt. Mary lebte bis zu ihrem Tod 1849 weiterhin in «A la Ronde». In Marys Testament wurde spezifisch erwähnt, dass das Haus nur an «unmarried Kindswoman», also unverheiratete weibliche Verwandte vererbt werden darf.

Entsprechend ging das Haus nach ihrem Tod an zwei weitere unverheiratete Cousinen, Jane und Sophia Hurlock und danach 1879 an eine dritte Cousine, Stella Reichel. Reichel hat schliesslich ihr Testament angepasst, damit ihr Bruder Oswald Reichel das Haus erben kann. Oswald, der einzige männliche Besitzer in der Geschichte des Hauses, investierte einiges: Er baute einen Waschraum, einen Wasserturm, eine Zentralheizung, ein moderneres Badezimmer und diverse weitere Neuerungen.

Umbauten wieder rückgängig gemacht

Nach dem Tod von Oswald Reichel ging das Haus erneut in Frauenhände über: Margaret Tudor war die neue Besitzerin und öffnete das Haus 1935 für die Öffentlichkeit. Seit 1991 gehört es dem National Trust, einer gemeinnützigen Organisation. Sie haben einen Grossteil der «Neuerungen» von Oswald Reichel rückgängig gemacht, um das Haus wieder in seinen Ursprungszustand zu versetzen. Es kann besichtigt werden.

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