Aktualisiert 10.04.2014 20:04

Freunde widersprechen sichIn diesem Zimmer starb Jonathan L.

Jonathan L. (16) starb durch einen Stich eines Butterfly-Messers in die Brust. Zunächst stand ein Unfall im Vordergrund. Seine Zimmerkameraden verwickeln sich aber in Widersprüche.

von
num

Jonathan L. stellte sein ganzes Leben auf Plattformen wie Facebook, Youtube und Twitter aus. So hielt er seine Fans ständig auf dem Laufenden – auch als die Klasse in Rom ankam. Er filmte das Zimmer, in dem er mit drei Klassenkameraden wohnte, witzelte über die Grösse der Ausstattung. Wenige Stunden später starb er in der Unterkunft.

Um 23 Uhr am Dienstagabend ging der Notruf ein, innert vier Minuten war die Ambulanz vor Ort. Jonathan lag mit einer Stichwunde in der Brust auf seinem Bett, blutete aus dem Mund, die Nase aufgeschürft. Doch als die Sanitäter das Zimmer erreichten, hatte Jonathan bereits keinen Puls mehr. Das wirft Fragen auf: Wie viel Zeit verstrich vom tödlichen Stich bis zum Notruf?

Die Ermittler versuchen, die wichtigste Frage zu klären: Warum musste Jonathan sterben? Handelte es sich um ein gefährliches Spiel, das plötzlich ausartete? Gerieten sich die Teenager in die Haare? War alles nur ein dummer Unfall?

«Er hat alleine mit dem Messer gespielt»

Fünf Mitschüler wurden vernommen und dürfen vorerst nicht nach Hause. Ihre Fingerabdrücke werden nun mit jenen auf dem Messer verglichen. Sie seien unter Schock gestanden, hätten von Psychologen betreut werden müssen, berichten italienische Medien. Die Ermittler versuchen so, das Drama zu rekonstruieren – doch die Aussagen seiner Mitschüler passen offenbar nicht überein, sie hätten sich in Widersprüche verwickelt, schreibt der «Corriere della Sera».

«Er hat ganz alleine mit dem Messer gespielt», soll einer gesagt haben. «Wir haben nichts bemerkt. Wir haben zuerst gar nicht begriffen, was passiert war.» In einer anderen Version sei von einem Spiel gesprochen worden, dann wieder von einem Unfall. Warum aber fanden Ermittler das Messer im Garten, das nach dem tödlichen Stich offenbar hastig über das Balkongeländer geworfen worden war?

Autopsie wird am Donnerstag durchgeführt

Die Leiche von Jonathan L. wird nun in der Universitäts-Poliklinik Gemelli in der italienischen Hauptstadt einer Autopsie unterzogen. Anhand der Wunde stellen Rechtsmediziner fest, aus welchem Winkel und mit welcher Wucht die Klinge in seinen Körper eindrang, wo dass sie Aorta und Speiseröhre verletzte. Der Einstich im Brustkorb des 16-Jährigen wird auf etwa fünf Zentimeter geschätzt. Er hatte ausserdem Verletzungen im Gesicht und am Kopf, die eventuell von einem Sturz herrühren.

Auch ob er unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stand, wird dabei untersucht. Die Resultate werden am Donnerstagabend oder Freitagmorgen erwartet.

Das Messer selbst, ein Butterfly-Messer, kauften die Jugendlichen in einem Shop in Rom, da dies in der Schweiz verboten ist. Die Polizei versucht nun, diesen Laden ausfindig zu machen – für den Besitzer wird dies Folgen haben, da der Verkauf von Waffen an Minderjährige untersagt ist.

«Ich werde dich nie vergessen»

Die ersten Mitschüler hätten am Donnerstag in die Schweiz zurückkehren sollen. Die Klasse bleibt aber noch geschlossen in Italien.

Jonathan kommunizierte auf allen Kanälen von Social Media, auch mit seiner Freundin. Ihr schrieb er über Twitter einen Tag vor seinem Tod, dass sie ihm fehle. Sie veröffentlichte gestern auf ihrem Instagram-Profil ein Bild von Jonathan mit ihr und schrieb dazu: «Ich liebe dich, und auch wenn du jetzt fort bist, werde ich dich nie vergessen.»

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