Plattenleger und Pferdefachfrau: In diesen Berufen gibt es die meisten Lehrabbrüche
Aktualisiert

Plattenleger und PferdefachfrauIn diesen Berufen gibt es die meisten Lehrabbrüche

Fast jeder zweite Plattenleger löst seinen Lehrvertrag auf. Danach folgen Pferdefachfrau und Restauration. Die Berufsverbände reagieren.

von
P. Michel
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Fast jeder zweite Plattenleger schliesst seine Lehre nicht ab, wie neue Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen.

Fast jeder zweite Plattenleger schliesst seine Lehre nicht ab, wie neue Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen.

Monikabatich
«Plattenleger ist nicht immer der Wunschberuf, den sich die Jugendlichen aussuchen», sagt Valérie Rhein vom Erziehungsdepartement Basel-Stadt.

«Plattenleger ist nicht immer der Wunschberuf, den sich die Jugendlichen aussuchen», sagt Valérie Rhein vom Erziehungsdepartement Basel-Stadt.

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Um Abbrüche zu verhindern, müssten die Berufsbildner die Motivation genau prüfen, sagt Carole Schäfer vom Plattenverband. Und in Weiterbildungen wolle man die Berufsbildner sensibilisieren. «Die Generation Z hat eher eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und benötigt daher kurzweiligen Lernstoff.»

Um Abbrüche zu verhindern, müssten die Berufsbildner die Motivation genau prüfen, sagt Carole Schäfer vom Plattenverband. Und in Weiterbildungen wolle man die Berufsbildner sensibilisieren. «Die Generation Z hat eher eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und benötigt daher kurzweiligen Lernstoff.»

Maskalin

Das Bundesamt für Statistik hat den Bildungsweg von 39'399 Lernenden, die ihre dreijährige Ausbildung 2013 begonnen haben, verfolgt. Die Erkenntnis aus den jüngst publizierten Zahlen: 19,9 Prozent brachen ihre Lehre vorzeitig ab. Zwischen den Berufen gibt es jedoch grosse Unterschiede. 20 Minuten zeigt, welche dreijährigen Lehren die höchsten Abbruchquoten aufweisen und was die Gründe dafür sind.

Plattenleger: 44 Prozent Abbruchquote

Jobbeschrieb: Auf der Baustelle kommen Plattenlegerinnen und Plattenleger erst beim Innenausbau, also am Schluss der Bauarbeiten, zum Einsatz. Sie errechnen, wie viele Platten für einen Raum nötig sind, ob Sie auf Mörtel oder Leim «plätteln» und schneiden die Platten zu. Plattenleger füllen die Fugen mit Mörtel auf und reinigen die Platten zum Schluss.

Grund für Abbrüche: Für Valérie Rhein, Sprecherin des Erziehungdepartements Basel-Stadt, hängt die hohe Abbruchquote bei den Plattenlegern unter anderem mit der Motivation für den Beruf zusammen. «Plattenleger ist nicht immer der Wunschberuf, den sich die Jugendlichen aussuchen», sagt Rhein. Dies könne beispielsweise daran liegen, dass die Schulnoten für den Wunschberuf nicht reichten oder der Ansturm auf die Wunschlehre sehr gross sei.

In einem Forschungsbericht des Eidgenössischen Hochschulinstituts für Berufsbildung bringt es ein anonymer 17-jähriger Abbrecher auf den Punkt: «Körperlich muss man mithalten. Man muss extrem motiviert sein. Den ganzen Tag Säcke voller Leim ohne Lift in den fünften Stock tragen!»

Das will der Verband tun: «Wir sind uns der Problematik bewusst», sagt Carole Schäfer vom Plattenverband. Um Abbrüche zu verhindern, müssten die Berufsbildner die Motivation genau prüfen. «Oftmals gibt es auch Konflikte zwischen der Generation Z und den alteingesessenen Berufsbildnern». Die Generation Z habe eher eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und benötige daher kurzweiligen Lernstoff «mit kleinen Erfolgsschritten zum Ziel». «Deshalb wollen wir in Weiterbildungen die Berufsbildner für die Erwartungen der Lernenden sensibilisieren», sagt Schäfer.

Pferdefachfrau: 40 Prozent Abbruchquote

Jobbeschrieb: Der Beruf der Pferdefachfrau beziehungsweise des Pferdefachmanns gliedert sich in sechs Fachrichtungen: Pferdepflege, klassisches Reiten, Westernreiten, Gangpferdereiten, Pferderennsport und Gespannfahren. Die Grundlage für alle Richtungen bildet die Pferdepflege, mit der die Lehre beginnt. Pferdepfleger tränken und füttern die Pferde, pflegen verletzte Tiere und misten die Ställe aus. Die Lernenden der anderen Richtungen trainieren zudem die Tiere in ihrer Reitkategorie.

Grund für Abbrüche: Derek Frank, Präsident der Ausbildung Pferdeberufe, hat andere Zahlen zu Abbruchquoten. Sie belaufe sich auf 18,36 Prozent. Die meisten Lernenden brächen die Lehre am Anfang der Ausbildung ab. «Viele Mädchen haben den Traum, mit Pferden zu arbeiten. Sie reiten als Hobby am schulfreien Nachmittag und putzen ihr ‹Rössli› nach dem Ausritt im Stall», sagt Frank. Die Realität im Beruf sehe dann anders aus: «Früh aufstehen, körperliche Arbeit, draussen sein bei jedem Wetter.» Diese harten Bedingungen erlebe man in einer kurzen Schnupperlehre nicht immer.

Ein weiterer Faktor ist laut Frank die Zukunftsperspektive in den Pferdeberufen. «Nach der Ausbildung gibt es nur einen Mindestlohn von 3500 Franken – da braucht es Leidenschaft für den Beruf, um dabeizubleiben.»

Das will der Verband tun: «Die Betriebe müssen den angehenden Lernenden schon in der Schnupperlehre ein realistisches Bild des Berufs vermitteln», sagt Frank. Einerseits müsse die Schnupperlehre mindestens eine Woche dauern, um einen ausreichenden Einblick zu verschaffen.» Er persönlich ziehe die Eltern immer bei der Auswahl mit ein. «Dann erkläre ich, dass der Grossteil der Pferdefachleute nicht Profisportler wird, sondern im Reitunterricht tätig ist.» Mit solchen Abklärungen könne die Zahl der Abbrüche verringert werden.

Restaurationsfachmann: 39 Prozent Abbruchquote

Jobbeschrieb: Restaurationsfachleute sorgen für das Wohl von Restaurant- und Hotelgästen. Sie beraten nicht nur die Gäste und servieren Getränke und Essen, sie sind auch für das Tischdecken und die Dekoration zuständig. Restaurationsfachmänner und -frauen beobachten die Gäste und merken, wann Getränke nachgeschenkt werden sollen. Auch auf Beschwerden können sie angemessen reagieren.

Grund für Abbrüche: «Der Stresslevel in der Restauration ist hoch, die Kunden sowie der Chef erwarten zur Rushhour hohen Einsatz», sagt Max Züst, Direktor von Hotel & Gastro formation Schweiz. Dabei könne im Service auch mal ein harsches Wort fallen. «Damit können nicht alle umgehen.» Eine weitere Erklärung für die Abbrüche sei, dass heute den Jungen die Work-Life-Balance wichtig sei. «Einige erkennen erst im ersten Lehrjahr, dass sie jetzt nicht mehr jedes Wochenende oder am Abend mit Kollegen feiern können.»

Das will der Verband tun: «Die Arbeitszeiten können wir nicht ändern», sagt Züst. Das Profil des Restaurationsberufs wolle man bis 2019 vollständig überarbeiten. Dann heisst die Berufsbezeichnung «Restaurantfachfrau/-mann». Das neue Profil sehe vor, dass Restaurantfachleute nach dem ersten Jahr sogenannte Ergänzungskompetenzen wählen könnten, je nach Betriebsausrichtung beispielsweise Jung-Sommelier oder Jung-Barista. Zudem sieht Züst Potenzial in der Weiterbildung der Berufsbildner: «Es gibt sicher noch einige Chefs der alten Schule, die einen modernen Umgang mit Jugendlichen lernen müssen.»

Nachtrag: Das Bundesamt für Statistik weist darauf hin, dass Lehrvertragsauflösungen, auf die sich die Prozentzahlen im Artikel beziehen, nicht mit Lehrabbrüchen gleichgesetzt werden können. Bei einer Lehrvertragsauflösung handle es sich um eine vorzeitige Auflösung des Ausbildungsvertrags zwischen Lernenden und dem Ausbildungsbetrieb vor Ablauf der vereinbarten Ausbildungszeit. 80 Prozent der Lernenden setzten ihre Berufsbildung nach einer Lehrvertragsauflösung aber fort – im selben Beruf auf einem anderen Betrieb oder mit einem anderen Lehrberuf. Der Lehrabbruch bezeichnet dagegen den Ausstieg aus der Berufsbildung ohne Wiedereinstieg.

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