Gestrichene Flüge: In diesen Fällen müssen die Airlines zahlen
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Gestrichene FlügeIn diesen Fällen müssen die Airlines zahlen

Viele Schweizer konnten letztes Wochenende wegen schlechten Wetters nicht zurückfliegen. Die Mehrkosten müssen Airlines nicht übernehmen.

von
F. Dubler
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In den letzten Tagen sind viele Schweizer Passagiere wegen Verspätungen und Ausfällen an den hiesigen Flughäfen gestrandet.

In den letzten Tagen sind viele Schweizer Passagiere wegen Verspätungen und Ausfällen an den hiesigen Flughäfen gestrandet.

Keystone/Siggi Bucher
Bei Überbuchungen, Annullierungen oder Verspätungen ab zwei Stunden haben Passagiere je nach Distanz und Verzögerungsdauer Anrecht auf eine Entschädigung, Rückerstattung oder Betreuungsleistungen wie Verpflegung, Kommunikationsmöglichkeiten, Unterkunft und Transfer.

Bei Überbuchungen, Annullierungen oder Verspätungen ab zwei Stunden haben Passagiere je nach Distanz und Verzögerungsdauer Anrecht auf eine Entschädigung, Rückerstattung oder Betreuungsleistungen wie Verpflegung, Kommunikationsmöglichkeiten, Unterkunft und Transfer.

epa/Andy Rain
Wird ein Flug jedoch aufgrund höherer Gewalt verspätet oder annulliert, muss der Fluggast selbst für die Mehrkosten aufkommen.

Wird ein Flug jedoch aufgrund höherer Gewalt verspätet oder annulliert, muss der Fluggast selbst für die Mehrkosten aufkommen.

AP/Sang tan

Das Wetter spielte in den letzten Tagen nicht nur in der Schweiz, sondern auch an beliebten Ferienzielen verrückt. Diverse Flüge fielen aus oder waren verspätet und Passagiere mussten umgebucht werden.

Auch viele Schweizer Touristen sassen am Wochenende an ihrer Feriendestination fest. Alleine von der Swiss waren 3500 Passagiere betroffen, wie diese auf Anfrage mitteilt. Zwei Schweizer in New York können beispielsweise anstelle vom Donnerstag erst am Dienstag zurück nach Zürich fliegen. Entschädigt wurden sie von der Delta Airlines für den längeren Aufenthalt nicht.

Sitzplätze anderweitig vergeben

Ähnlich ging es Till Bangerter und seinen Freunden. Einer von ihnen habe seinen Flug umgebucht, doch der Rest hätte am 5. Januar mit United Airlines von Punta Cana via New York zurück nach Zürich fliegen sollen. Doch am Check-in wartete eine böse Überraschung: «Alle unsere Tickets wurden auf den 9. Januar umgebucht, da am Vortag angeblich diverse Flüge ausfielen.»

Ein Hotelzimmer habe man ihnen nicht bezahlen wollen, so Bangerter. Somit konnten die jungen Männer nicht wie geplant am Montag an ihrer Arbeitsstelle erscheinen. Die United Airlines bedauert den Vorfall und sagt auf Anfrage, dass irrtümlich alle vier Fluggäste umgebucht wurden.

Gefangen auf Atlantikinsel

Auch Eveline Schmid sass auf der Insel Fogo auf den Kapverden fest. Ein Nebel aus Sahara-Staub habe viele Flüge ausfallen lassen. «Unzählige Passagiere sassen auf der Insel fest. Als die Sicht wieder einigermassen in Ordnung war, konnten rund 200 Passagiere zurück auf die Hauptinsel fliegen.»

Sie selbst konnte jedoch nicht mit, da die Fluggesellschaft Binter keine zusätzlichen Flüge arrangieren konnte. «Meine Anschlussflüge via Lissabon nach Zürich haben wir verpasst.» Schliesslich gelangte sie durch selbst und zusätzlich gebuchte Flüge via Paris nach Zürich. Auch Schmid musste die Mehrkosten selbst übernehmen.

Kein Anspruch bei schlechtem Wetter

Die Rechte von Flugpassagieren sind in der EU-Verordnung geregelt und für alle Airlines verbindlich, die einen Schweizer Flughafen oder EU-Flughafen anfliegen. Bei Überbuchungen, Annullierungen oder Verspätungen ab zwei Stunden haben Passagiere je nach Distanz und Verzögerungsdauer Anrecht auf eine Entschädigung, Rückerstattung oder Betreuungsleistungen wie Verpflegung, Kommunikationsmöglichkeiten, Unterkunft und Transfer.

Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Airline selbst an der Verspätung schuld ist, wie Nicole Räz, Sprecherin des Bundesamts für Luftfahrt sagt. «Kann die Fluggesellschaft ‹aussergewöhnliche Umstände› dafür geltend machen, ist sie nicht entschädigungspflichtig.» Darunter fallen Umstände höherer Gewalt, also schlechtes Wetter, technische Probleme, Fabrikationsfehler, Sabotage oder auch Streiks und Terrorakte.

Swiss zeigt sich kulant

Auch wenn man bereits mehr als zwei Wochen im Voraus informiert worden sei, zu spät am Check-in eintreffe oder nicht alle nötigen Reisedokumente mitbringe, sei die Airline nicht zu Ausgleichszahlungen verpflichtet, so Räz.

Swiss kommt ihren Passagieren trotz der Verordnung entgegen: «Bei wetterbedingten Verspätungen oder Annullierungen übernehmen wir selbstverständlich die entsprechende Umbuchung auf den nächstmöglichen Flug sowie die sogenannten Betreuungsleistungen», sagt Sprecherin Sonja Ptassek. Dies sei auch der Fall, wenn auf einen anderen Flughafen ausgewichen werden müsse, wie das bei LX14 nach Boston der Fall war.

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