Überraschende Studie: In diesen Jobs verdienen Frauen mehr als Männer
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Überraschende StudieIn diesen Jobs verdienen Frauen mehr als Männer

Männer sind beim Lohn besser gestellt als Frauen – das gilt längst nicht mehr für alle Jobs. Experten rätseln, warum weibliche Angestellte in gewissen Branchen besser abschneiden.

von
vb
Buchhalterinnen, Personalexpertinnen oder Übersetzerinnen beziehen oft ein höheres Salär als ihre männlichen Kollegen.

Buchhalterinnen, Personalexpertinnen oder Übersetzerinnen beziehen oft ein höheres Salär als ihre männlichen Kollegen.

Sie haben dasselbe Fach studiert, gleich viele Jahre Berufserfahrung und machen jetzt praktisch denselben Job. Trotzdem verdient der Mann in diesem Vergleich deutlich mehr als die Frau. So oder ähnlich tönt das Fazit der meisten Lohnstudien.

Je nach Branche kann die Lohnschere zwischen den Geschlechtern krass auseinandergehen: Bei Banken und Versicherungen zum Beispiel ist es an der Tagesordnung, dass männliche Angestellte über 20 Prozent mehr Salär beziehen als ihre weiblichen Kolleginnen. Das hat das Online-Stellenportal jobs.ch, das wie 20 Minuten mehrheitlich zum Tamedia-Verlag gehört, in seinem neusten Lohnbarometer errechnet.

Pflegerinnen erhalten mehr

Doch es gibt auch Jobs, bei denen sich die Lage umgekehrt präsentiert. Die «SonntagsZeitung» hat einzelne Berufe aus der Lohnbarometer-Studie genauer unter die Lupe genommen – und ist auf ein überraschendes Ergebnis gestossen: Bei diversen Stellen verdienen Frauen mehr als Männer.

Laut der Datenauswertung erhalten beispielsweise weibliche Angestellte im Bereich Personalwesen auf Mitarbeiterebene 10 Prozent mehr Lohn als ihre männlichen Kollegen. Ähnlich hoch ist der Salärunterschied in der Pflegebranche und bei Übersetzern: Dort haben Frauen Ende Monat 8 Prozent mehr in der Lohntüte als Männer. Dasselbe Ergebnis präsentiert sich bei Buchhalterinnen.

Ratlose Experten

Bereits Anfang Jahr hatte eine Auswertung von jobs.ch ergeben, dass Frauen in der IT-Branche lohnmässig besser abschneiden als Männer. Der Unterschied bei den Informatik-Angestellten beträgt zwar nur magere 0,73 Prozent – aber trotzdem: Das Phänomen an sich, dass Frauen entgegen der langläufigen Meinung in gewissen Branchen bei gleicher Arbeit mehr verdienen als Männer, bringt Experten in Erklärungsnot.

Patric Aeberhard vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann spricht gegenüber der «SonntagsZeitung» von Einzelfällen: «Es kann vorkommen, dass einzelne Männer innerhalb eines Unternehmens für eine gleichwertige Arbeit einen tieferen Lohn erhalten.»

Kaum glauben, dass es tatsächlich Jobs gibt, in denen Frauen mehr verdienen als Männer, kann es Corinne Schärer, Mitglied der Unia-Geschäftsleitung und zuständig für Lohngleichheit. Für dieses Phänomen lägen bei der Gewerkschaft «statistisch keine Belege» vor.

Männer liegen im Schnitt vorne

Einer der wenigen mit einer plausiblen Erklärung für die Lohnlücke zugunsten der Frauen ist Herbert Mattle, Präsident des Schweizer Verbandes für Rechnungslegung, Controlling und Rechnungswesen. Die Unterschiede in seiner Branche könnten daran liegen, dass Frauen in Buchhaltungsjobs länger im Beruf tätig und deshalb älter seien, während sich Männer weiterbildeten und Karriere machten.

Unterm Strich sind die Lohnkonten von Männern in der Schweiz aber immer noch besser gefüllt als diejenigen von Frauen. Laut der jobs.ch-Studie verdienen männliche Mitarbeiter durchschnittlich 11 Prozent mehr. Hoch oben auf der Karriereleiter ist der Unterschied sogar noch grösser: In der Teppichetage verdienen Männer 16 Prozent mehr als weibliche Chefs.

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