Aktualisiert 04.12.2019 14:31

Ab 15. Dezember

In diesen Zügen ins Tessin gibt es bald weniger Plätze

Die neuen Gotthard-Züge haben weniger Sitzplätze. Muss die SBB nun wieder Passagiere aus den Zügen bitten? Die Bahn schliesst das nicht aus.

von
ehs
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Weil der Ansturm auf die Züge in Richtung Tessin und zurück gross war, musste die SBB Anfang der Herbstferien Dutzende Passagiere bitten, aus den Zügen auszusteigen.

Weil der Ansturm auf die Züge in Richtung Tessin und zurück gross war, musste die SBB Anfang der Herbstferien Dutzende Passagiere bitten, aus den Zügen auszusteigen.

Leser-Reporter
Teils kamen Passagiere mit mehreren Stunden Verspätung an, weil auch nachfolgende Züge überfüllt waren. In einem Fall mussten sogar Passagiere mit Reservation aussteigen.

Teils kamen Passagiere mit mehreren Stunden Verspätung an, weil auch nachfolgende Züge überfüllt waren. In einem Fall mussten sogar Passagiere mit Reservation aussteigen.

Leser-Reporter
Die SBB gab Fehler zu und versprach Besserung. Doch ausgerechnet auf beliebten Verbindungen morgens ins Tessin und abends zurück in die Deutschweiz reduziert die Bahn auf den Fahrplanwechsel am 15. Dezember das Sitzplatzangebot.

Die SBB gab Fehler zu und versprach Besserung. Doch ausgerechnet auf beliebten Verbindungen morgens ins Tessin und abends zurück in die Deutschweiz reduziert die Bahn auf den Fahrplanwechsel am 15. Dezember das Sitzplatzangebot.

ehs/20M

Weil der Ansturm auf die Züge ins Tessin und aus dem Tessin gross war, musste die SBB Anfang der Herbstferien Dutzende Passagiere bitten, aus den Zügen auszusteigen. Teils kamen Passagiere mit mehreren Stunden Verspätung an, weil auch nachfolgende Züge überfüllt waren. In einem Fall mussten sogar Passagiere mit Reservation aussteigen (20 Minuten berichtete).

Die SBB gab Fehler zu und versprach Besserung. Doch ausgerechnet auf beliebten Verbindungen morgens ins Tessin und abends zurück in die Deutschschweiz reduziert die Bahn auf den Fahrplanwechsel am 15. Dezember hin das Sitzplatzangebot.

142 Plätze weniger

Betroffen sind auf der Hinfahrt der Intercity, der Zürich um 8.10 Uhr Richtung Lugano verlässt. In der Gegenrichtung geht es um die Züge um 15.34 Uhr und 17.34 Uhr ab Lugano in Richtung Basel und sonntags um 19.04 Uhr ab Lugano in Richtung Zürich. Bisher waren auf diesen Verbindungen Intercity-Neigezüge unterwegs gewesen. Nun kommen dort die neuen Gotthard-Züge von Stadler, die Giruno-Züge, zum Einsatz.

Diese haben 71 Sitzplätze weniger. Auf den betroffenen Verbindungen fallen damit an kritischen Tagen, an denen jeweils zwei Züge zusammengekoppelt verkehren, je 142 Sitzplätze weg. So gibt es allein am Sonntagnachmittag und -abend aus dem Tessin in Richtung Deutschschweiz über 400 Sitzplätze weniger.

«Das ist so gewollt»

SBB-Sprecher Reto Schärli sagt, es stimme, dass die bisher eingesetzten ICN-Züge mehr Sitzplätze hätten. «Das ist auch so gewollt, weil den beiden Zügen ein grundlegend anderes Einsatzkonzept zu Grunde liegt.» So sei der ICN für den nationalen Fernverkehr konzipiert worden. «Da steht die Sitzplatzkapazität im Vordergrund», sagt Schärli.

Der Giruno hingegen sei ein Hochgeschwindigkeitszug, der für lange Reisezeiten ausgelegt sei. «Entsprechend werden in der ersten und zweiten Klasse weniger Sitzplätze eingebaut.» Tatsächlich wurden die Giruno-Züge für den Einsatz auf den internationalen Zügen in Richtung Italien beschafft. Doch wann sie als Eurocity-Züge nach Mailand und darüber hinaus fahren, ist noch nicht klar. Ab dem Fahrplanwechsel sind sie erst innerhalb der Schweiz unterwegs.

SBB empfiehlt Reservation

Normalerweise reichten die Kapazitäten der Züge, wenn zwei von ihnen zusammengekoppelt fahren würden, so Schärli. An kritischen Tagen könne das anders aussehen: «Es kann an Spitzentagen vorkommen, dass der Platz knapp wird und wir Kunden verärgern. Die SBB bedauert das», sagt Schärli.

Es sei das Ziel der SBB, auf Intercity-Verbindungen auch zu Hauptverkehrszeiten genügend Sitzplätze anbieten zu können. Darum setze sie wenn immer möglich Doppelstockzüge ein. Noch ist das auf den Verbindungen ins Tessin nicht möglich. Mit der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels Ende 2020 ändere sich das. «Dann kann die SBB an Spitzentagen Doppelstockzüge auf der Nord-Süd-Achse führen und so noch mehr Sitzplätze zur Verfügung stellen», sagt Schärli

«Führt zu unerfreulichen Situationen»

Die SBB empfehle ihren Kunden, innerhalb der Schweiz die Intercity-Züge zu nutzen und nicht die Eurocity-Züge. Auf den Verbindungen zwischen dem Tessin und der Deutschschweiz kommen diese oft schon fast voll aus Italien über die Grenze. «Bei der Reise in einem Eurocity-Zug empfehlen wir, im Voraus einen Platz zu reservieren», so Schärli. Wer seine Reise flexibel gestalten könne, sollte zudem in der Nebenverkehrszeit reisen. Dann profitiere man von weniger ausgelasteten Zügen und dank Sparbilletten von günstigeren Preisen.

Bei Pro Bahn kommt der Sitzplatzabbau nicht gut an. Präsidentin Karin Blättler sagt: «Wir sind überzeugt, dass das noch vermehrt zu unerfreulichen Situationen führen wird.» Um die erwarteten überlasteten Züge zu entschärfen, erwarte sie von der SBB, dass diese Entlastungszüge bereitstelle und den Verkauf von Sparbilletten auf betroffenen Verbindungen einschränke oder komplett einstelle. Zudem rät Blättler Passagieren, sich nicht nur auf die Auslastungs-Anzeige in der App zu verlassen.

SBB-Sprecher Schärli sagt, die SBB plane für die wenigen Spitzentage ein spezielles Angebot. Details würden zu gegebener Zeit kommuniziert. «An allen übrigen Tagen wird die Sitzplatzkapazität mit dem geplanten Rollmaterial gemäss der heutigen Planung grundsätzlich ausreichend sein. Ausnahmen aufgrund spezieller Wettersituationen sind – wie bei anderen Verbindungen auch – immer möglich.»

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