Grausliger Fund: In dieser Mumie soll ein geopferter Bub stecken

Aktualisiert

Grausliger FundIn dieser Mumie soll ein geopferter Bub stecken

Die Mumie eines Inkakriegers enthält nicht etwa einen Kämpfer, sondern ein Kind. Das zeigt eine Computertomografie. Der chronisch kranke Junge wurde vermutlich geopfert.

von
lha
1 / 6
Der vermeintliche Inkakrieger ist derzeit in Naturhistorischen Museum Basel zu sehen. Ein CT-Scan der Mumie zeigte nun aber, dass hier vor rund 500 Jahren ein Kind eingehüllt wurde.

Der vermeintliche Inkakrieger ist derzeit in Naturhistorischen Museum Basel zu sehen. Ein CT-Scan der Mumie zeigte nun aber, dass hier vor rund 500 Jahren ein Kind eingehüllt wurde.

Museum der Kulturen Basel
Die 3-D-Rekonstruktion des Inkabuben: Er kauert auf einem Podest, vor seinen Schienbeinen sind die Sohlen seiner Schuhe zu erkennen.

Die 3-D-Rekonstruktion des Inkabuben: Er kauert auf einem Podest, vor seinen Schienbeinen sind die Sohlen seiner Schuhe zu erkennen.

Nadine Eichhorn, Siemens Healthcare GmbH
Anhand der Entwicklung des Zahnwachstums zeigte sich: Das muss ein Kind sein. Im Scan ist klar erkennbar, dass der Bub noch zu einem grossen Teil mit Milchzähnen ausgestattet war, was ein Alter zwischen sieben und acht Jahren nahelegt.

Anhand der Entwicklung des Zahnwachstums zeigte sich: Das muss ein Kind sein. Im Scan ist klar erkennbar, dass der Bub noch zu einem grossen Teil mit Milchzähnen ausgestattet war, was ein Alter zwischen sieben und acht Jahren nahelegt.

Panzer S, Wittig H, Zesch S, Rosendahl W, Blache S, Müller-Gerbl M, et al.

Der Titel der aktuellen Ausstellung des Naturhistorischen Museums Basel könnte nicht treffender sein: «Mumien – Rätsel der Zeit». Eine Forschungsgruppe um den Basler Anthropologen und Kurator des Museums, Gerhard Hotz, lüftete das rund 500 Jahre alte Geheimnis einer Inka-Mumie. Von der sogenannten Hockermumie eines Inkakriegers, die das Basler Museum der Kulturen 1921 in München erworben hatte, wurde bisher angenommen, dass sie den Leichnam eines Kriegers birgt.

Die Computertomografie, die vergangen Frühling gemacht wurde, schreibt die Geschichte dieses Artefakts jetzt aber um: Der CT-Scan enthüllte, dass im Innern der Mumienhülle kein Krieger, sondern ein achtjähriger Bub steckt, der augenscheinlich mit mehreren Krankheiten zu kämpfen hatte. Hotz, die Radiologin Stephanie Panzer von der Unfallklinik Murnau (D) und Holger Wittig, Forensiker der Basler Rechtsmediziner, fanden heraus, dass der Bub an einer erblichen Tumorerkrankung litt, der Neurofibramatose Typ 1. Er war chronisch krank und hatte zudem mit Verdauungsproblemen zu kämpfen.

Gewalt deutet auf Ritual hin

Weiter wurden Spuren von Gewalt gefunden, die vermutlich zum Tod des Jungen geführt hatte. So wurde sein Brustkorb aufgeschnitten und die Leber entnommen und in mehrere Stücke zerschnitten. Dieser Eingriff, sind sich die Forscher sicher, steht nicht in Zusammenhang mit der Mumifizierung, sondern hat einen ganz anderen Hintergrund.

Die Entnahme der Leber und deren Zerschneidung weise auf eine Opferung im Sinne einer Orakelsprechung hin, heisst es in einer Mitteilung des Museums vom Donnerstag. «Ein bis anhin an mumifizierten Körpern noch nie nachgewiesener Vorgang.» Im Inkareich opferten Priester üblicherweise Tiere, um aus deren Leber die Zukunft zu lesen. Die vorliegenden Erkenntnisse und Fakten legten auch für den Buben eine solche Interpretation nahe.

Forscher wollen das Rätsel lösen

Nach dem Ende der Ausstellung will das Team um Gerhard Hotz die Forschungen an der Mumie fortsetzen, um das Schicksal des Buben und die Hintergründe seiner möglichen Opferung zu entschlüsseln. Die spektakulären Erkenntnisse von Hotz und seinem Team wurden in der renommierten Fachzeitschrift «The Public Library of Science ONE» veröffentlicht.

Deine Meinung