Santander: In dieser Stadt sind die Mülleimer schlau
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SantanderIn dieser Stadt sind die Mülleimer schlau

Nervige Parkplatzsuche und überquellende Mülleimer: Probleme wie diese gibt es in jeder modernen Grossstadt – ausser im spanischen Santander.

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Derart überfüllte Mülleimer gibt es im spanischen Santander nicht mehr, seitdem die Hafenstadt in eine sogenannte Smart City verwandelt worden ist.

Derart überfüllte Mülleimer gibt es im spanischen Santander nicht mehr, seitdem die Hafenstadt in eine sogenannte Smart City verwandelt worden ist.

Colourbox.com/Erwin Wodicka
Innerhalb der letzten sieben Jahre wurde die Stadt im Norden von Spanien mit rund 20'000 Sensoren ausgestattet, die das Leben einfacher und effizienter machen sollen.

Innerhalb der letzten sieben Jahre wurde die Stadt im Norden von Spanien mit rund 20'000 Sensoren ausgestattet, die das Leben einfacher und effizienter machen sollen.

AFP/Ander Gillenea
So sorgen im Stadtzentrum allein vierhundert Sensoren unter dem Asphalt dafür, dass Autofahrer nicht mehr mühevoll nach einem Parkplatz suchen müssen. Per GPS und Lichtsignalen werden sie direkt zur nächsten Parkmöglichkeit dirigiert.

So sorgen im Stadtzentrum allein vierhundert Sensoren unter dem Asphalt dafür, dass Autofahrer nicht mehr mühevoll nach einem Parkplatz suchen müssen. Per GPS und Lichtsignalen werden sie direkt zur nächsten Parkmöglichkeit dirigiert.

AFP/Ander Gillenea

Die spanische Hafenstadt Santander ist etwas ganz Besonderes: Sie ist dank Tausender von Sensoren in ein lebendiges Labor verwandelt worden. Die Technik soll dabei helfen, das Zusammenleben der 175'000 Einwohner möglichst effizient zu gestalten.

Als der IT-Experte Luis Muñoz von der Universität von Kantabrien die Idee einer «intelligenten Stadt» 2009 vorstellte, war das erste Anliegen: «Wir haben ein riesiges Problem mit Parkplätzen.» Sieben Jahre später sind mit Geldern von der EU-Kommission und verschiedener internationaler Universitäten 20'000 Sensoren in der Stadt verteilt. Im Boden versenkt oder auf Busse montiert, liefern sie einer zentralen Kontrollstelle laufend Daten über verschiedenste Vorgänge in der Stadt.

Das Leben leichter machen

«Mit einer App kann man seinen Parkschein bezahlen – und wenn er abläuft, kann man ihn direkt verlängern, ohne extra am Automaten eine Münze einzuwerfen», beschreibt Cristina Muñoz einen der Vorzüge des Lebens in der «Smart City».

Vierhundert Sensoren unter dem Asphalt sorgen allein im Stadtzentrum dafür, dass Autofahrer nicht mühevoll nach einem Parkplatz suchen müssen: Per GPS und Lichtsignalen werden sie direkt zur nächsten Parkmöglichkeit dirigiert. Das reduziert Staus und spart Zeit, Stress und Abgase.

Regen registriert

Auf ähnliche Weise können Datenboxen in Grösse eines Schuhkartons das Wetter der Stadt an der Atlantikküste aufzeichnen. Die Stadtverwaltung weiss so, ob die Parks der Stadt genug Regen abbekommen haben oder frisches Wasser aus Sprengern gebraucht wird.

Auch die Mülltonnen sind «intelligenter» als anderswo und melden, wann sie geleert werden müssen. Bald sollen ausserdem Sensoren an Strassenlaternen dafür sorgen, dass nachts nur noch dort hell geleuchtet wird, wo auch jemand unterwegs ist.

Das Pilotprojekt hat Santander zur am besten vernetzten Stadt Europas gemacht – zumindest «hinsichtlich der verbauten Infrastruktur», so Forscher Muñoz. Die Vernetzung funktioniert so gut, dass auch andere Städte davon lernen wollen. Erst kürzlich empfing der Professor eine Delegation aus Singapur. Boston und das dänische Aarhus haben ebenfalls schon Interesse bekundet.

QR-Codes in Läden

Auch private Händler können dem Konzept der urbanen Intelligenz etwas abgewinnen. 2012 war Schuhhändler Ángel Benito der Erste, der in einer von Santanders grössten Einkaufsstrassen sein Schaufenster mit einem sogenannten QR-Code zum Scannen per Smartphone ausstattete.

«Die Kunden können so Infos über Öffnungszeiten, unser Sortiment oder Sonderangebote einholen», sagt Benito. Mittlerweile haben in der ganzen Stadt rund 1500 Geschäfte einen Code im Fenster.

«In einer ‹Smart City› greifen alle Dienste ineinander, wenn etwas passiert», schwärmt Bürgermeister Íñigo de la Serna. «Wenn beispielsweise irgendwo ein Schlagloch auf der Strasse auftaucht, wird dort die Beleuchtung intensiviert, die Bürger werden gewarnt und der Verkehr umgeleitet.» Die Bürger können Vorschläge einreichen, welchem Problem sich die Stadt als Nächstes annehmen soll.

Der Bürgermeister räumt ein, dass die Sensoren auch Datenschutzbedenken schüren können. Die Manipulation oder gar die Lahmlegung einer ganzen Stadt sind zumindest theoretisch möglich. «Es gibt ein Datenschutzgesetz, dem wir folgen müssen», sagt de la Serna – so viel zumindest sei garantiert.

In welchen Bereichen sollte Ihre Stadt smarter werden? Schreiben Sie es uns in den Kommentaren.

Das Projekt weckt weltweit Interesse. (Video: Youtube/euronews Knowledge) (fee/sda)

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