14.01.2019 19:25

Meisterschwanden AG

In dieser Waldspielgruppe essen die Kinder nur vegan

Statt Cervelats gibt es in der Waldspielgruppe in Meisterschwanden Brennnessel-Chips und Agavendicksaft. Doch ist eine vegane Spielgruppe eine gute Idee?

von
som
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In der Waldspielgruppe Füchsli gibts zum Znüni nur Veganes.

In der Waldspielgruppe Füchsli gibts zum Znüni nur Veganes.

Sabina Hirt
Zum Beispiel Brennessel-Chips ...

Zum Beispiel Brennessel-Chips ...

Sabina Hirt
... oder diesen Zitronenkuchen.

... oder diesen Zitronenkuchen.

Sabina Hirt

Ein Dreikönigskuchen mit Öl statt mit Eiern, der Tee ist mit Agavendicksaft gesüsst: Dies serviert Sabina Hirt (30) den Kindern an einem garstigen Morgen in ihrer Waldspielgruppe Fuchstreff in Meisterschwanden AG. Im November hat sie sie gegründet, wenn das Wetter mitspielt, kommen meistens fünf bis sechs Kinder mit ihr in den Wald.

Dabei wird gespielt, gelernt und gegessen – das Besondere: Es gibt ausschliesslich vegane Kost. Die ehemalige kaufmännische Angestellte sagt aber zur «Aargauer Zeitung», dass es ihr aber dabei gar nicht ums Vegane an sich gehe. Es sei nur so, dass es bei vielen Kindern zu Hause oft Ghackets mit Hörnli zum Zmittag und zum Znacht dann noch einmal Fleisch gebe.

Beim Znüni kann man super auf Fleisch verzichten

Die Spielgruppenleiterin will den Kindern zeigen, dass es auch anderes gibt, und dazu eignet sich der Znüni laut Hirt in der Waldspielgruppe ganz gut. «Bei dem kann man super auf Fleisch verzichten», sagt sie. So könne sie den Kindern zeigen, dass etwa Gemüse auch fein und mehr als die obligatorische Beilage sein könne.

Manchmal suchen die Kinder im Wald auch nach Nahrung. Ein Highlight für die Kinder seien Brennnesselchips: «Denn vor Brennnesseln fürchten sie sich. Es dennoch zu wagen, frittierte Brennnesseln zu essen, und zu merken, wie lecker sie sind, ist ein Erfolgserlebnis für die Kleinen.»

«Eltern kochen mittlerweile selbst öfter vegan»

Zufrieden mit der Zwischenverpflegung seien auch die Eltern, wie Hirt zu 20 Minuten sagt: «Sie sind überrascht, was ihre Kinder alles essen, und kochen mittlerweile selbst öfter vegan.»

Bei Hirt hat bereits vor einigen Jahren ein Umdenken stattgefunden: «Mein Sohn war von iPads und Gummibärchen angezogen, also begann ich unseren Konsum zu überdenken.» Sie ging öfter mit ihren Kindern in den Wald und ersetzte nach und nach tierische durch pflanzliche Produkte: «Mein sechsjähriger Sohn mag mittlerweile lieber Essen auf Pflanzenbasis, da ihm die Tiere leidtun.»

Vegane Ernährung für Kinder?

Trotzdem gebe es in ihrer Familie nach wie vor Fleisch und Milchprodukte – wenn auch selten. «Dabei achte ich auf die Herkunft und Qualität.» Sie findet aber, dass komplett vegane Kost für Kinder durchaus gesund sein kann: «Es gibt sehr gute Ersatzprodukte.»

Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE rät hingegen eher von veganer Kost für Kinder ab. Fachexpertin Ernährung Angelika Hayer: «Durch den Verzicht auf alle tierischen Produkte ist der Speiseplan stark eingeschränkt, was zu einem Risiko für eine ungenügende Zufuhr wichtiger Nährstoffe werden kann.»

Noch nie von veganer Spielgruppe gehört

Wer sein Kind trotzdem vegan ernähren möchte, benötigt unbedingt eine regelmässige ärztliche Kontrolle, eine Ernährungsberatung und eine Ergänzung der Ernährung mit Vitamin B12 und eventuell weiteren Nährstoffen, so Hayer. Ein veganes Znüni müsse deshalb nicht ausgeschlossen sein. «Die Hauptbestandteile eines ausgewogenen Znünis, wie Früchte, Gemüse, Getränke, sind ohnehin vegan.»

Ein gesundes Znüni empfiehlt auch Sabine Meili, Vorstandsmitglied des Schweiz. Spielgruppen-LeiterInnen-Verbandes. Das eine Spielgruppe nur veganes Essen anbietet, hat sie noch nie gehört: «Meist bringen die Kinder ihre Zwischenmahlzeiten selber mit.» Sie steht Bildungs- und Betreuungsangeboten für Kinder mit Ernährung auf Pflanzenbasis neutral gegenüber: «Das ist Sache der Eltern. Niemand wird gezwungen, sich vegan zu ernähren.»

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