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ErdbebenIn diversen Kantonen keine Deckung

In diversen Kantonen zahlen Versicherungen gar keine Erdbebenschäden mehr. Klammheimlich wurde der Schadenspool begraben.

von
Elisabeth Rizzi
Das Basler Beben von 1356 gilt als das stärkste in Zentraleuropa. Heute würde die Gebäudeversicherung Erdbebenschäden teilweise übernehmen. (Foto: keystone)

Das Basler Beben von 1356 gilt als das stärkste in Zentraleuropa. Heute würde die Gebäudeversicherung Erdbebenschäden teilweise übernehmen. (Foto: keystone)

Die Schweiz gehört nicht zu den Ländern mit dem höchsten Erdbebenrisiko. Aber sogar unser Land bebt jährlich rund 500-mal. Alle zehn Jahre ist sogar mit einem Beben der Stärke 5 und grossen Schäden zu rechnen. 90 Prozent aller ­Gebäude sind trotzdem nicht erdbeben­sicher gebaut. Und: Gebäudebesitzern droht im Katastrophenfall ein grosser Verlust. Denn Erdbeben sind von der normalen Elementarschadenversicherung ausgeschlossen. Eine Arbeitsgruppe hatte die letzten Jahre an der Ein­führung einer obligatorischen Erdbebenver­sicherung gearbeitet. Aber die Interessengemeinschaft wurde letztes Jahr erfolglos aufgehoben.

In diesem Zusammenhang wurde klammheimlich auch der freiwillige Pool der Privatversicherer abgeschafft. Dieser deckte bislang in Kantonen ohne obligatorische Gebäudeversicherung (GE, UR, SZ, TI, AI, VS, OW) Erdbebenschäden wenigstens teilweise. «Der Pool der Privatversicherer wurde per 31.12.2010 ersatzlos aufgehoben», bestätigt Stefan Thurnherr, Versicherungsexperte des VZ Vermögenszentrums. In den restlichen Kantonen übernimmt der Erdbebenpool der kanto­nalen Gebäudeversicherungen zwar weiter teilweise Schadenskosten. «Aber er ist für den Katastrophenfall nicht ausreichend», warnt Thurnherr. Nur der Kanton Zürich besitze eine echte Versicherung. Wer ausserhalb gegen Erdbeben gefeit sein will, muss für seine Liegenschaft also eine spezielle Erdbebenversicherung abschliessen (siehe Box).

Policen könnten teurer werden

Das Erdbeben in Japan dürfte sich nicht nur in höheren Kosten für Rückversicherer niederschlagen. «Es kann gut sein, dass für gefährdete Gebiete künftig der Selbstbehalt von Erdbebenversicherungen steigt oder gar kein Schutz mehr zu haben ist», so Stefan Thurnherr vom VZ Vermögenszentrum. Auch in der Schweiz sind laut dem Experten als Folge des Bebens ab 2012 Prämiensteigerungen für Erdbebenversicherungen möglich.

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