Aktualisiert 15.08.2013 07:14

Nach Brasilien-Gala«In drei Wochen zählts»

Der Stolz über den unerwarteten 1:0-Sieg im Testspiel gegen Brasilien stand den Schweizern ins Gesicht geschrieben. Doch die Beteiligten wussten das Resultat richtig einzuschätzen.

von
S. Compagno/E. Tedesco

(Video: 20 Minuten)

Ottmar Hitzfeld fand trotz des erst zweiten Erfolges einer SFV-Auswahl gegen den fünfmaligen Weltmeister doch noch ein Haar in der Suppe: «Zu Beginn des Spiels hatten wir schlechte 15 Minuten.» Vielleicht waren die Schweizer doch mit etwas mehr Respekt in diesen Test gestartet, als sie zuvor angekündigt hatten. Jedenfalls gehörten sie in der Startphase zu den 31'100 Zuschauern im St. Jakob-Park. Danach aber fand Hitzfeld nur noch lobende Worte, sah «offensiv sehr gute Aktionen», war aber auch mit der Defensivarbeit «sehr zufrieden».

Nach diesem 1:0 gegen Brasilien ist der Vergleich mit einem anderen, nicht weniger denkwürdigen 1:0 der Ära Hitzfeld naheliegend – dem Sieg an der WM 2010 gegen den nachmaligen Weltmeister Spanien. «Wir haben seither spielerische Fortschritte gemacht», hielt Hitzfeld fest. In der Tat war der Sieg gegen Brasilien nicht das Resultat einer 90-minütigen Abwehrschlacht, sondern Lohn eines Spiels, in dem sich die Schweiz auf Augenhöhe mit dem Gegner bewegte. Hitzfeld: «Wir sind in der Lage, im Spiel nach vorne für Überraschungsmomente zu sorgen, können ein Spiel auch gestalten.» Hitzfeld erinnerte daran, dass die Schweiz zuletzt mehrfach bewiesen habe, gegen grosse Mannschaften mithalten zu können. Wie beim 2:2 gegen England oder dem 5:3 gegen Deutschland.

Und hier kommt der Mahnfinger des 64-jährigen Lörrachers ins Spiel: «Der Sieg ist gut fürs Selbstvertrauen, aber wir dürfen ihn nicht überbewerten. Am 6. September gegen Island wird es ein ganz anderes Spiel.» Dann startet die Schweiz in die fünf entscheidenden Wochen im Rennen um einen Platz an der WM 2014 in Brasilien.

«Wir sind immer noch die kleine Schweiz»

Auch Stephan Lichtsteiner, auf der rechten Abwehrseite einer der Gegenspieler Neymars, wusste die Leistung der Nati einzuordnen: «Schön, dass wir gewonnen haben. Aber wichtig ist das Spiel in drei Wochen gegen Island. Dort müssen wir drei Punkte holen.» Der Juventus-Verteidiger stand im Zentrum einer umstrittenen Szene nach gut 20 Minuten, als er erst vom sichtlich genervten Neymar von den Beinen geholt und gleich anschliessend von Marcelo geohrfeigt wurde! Natürlich sei das eine Tätlichkeit gewesen und hätte mit Rot bestraft werden müssen, so Lichtsteiner: «Aber in einem Testspiel soll man solche Sachen weniger streng ahnden. Das hat der Schiedsrichter schon richtig gemacht.»

Eine Reihe vor Lichtsteiner beackerte Xherdan Shaqiri die rechte Flanke im Schweizer Spiel. «Wir sind immer noch die kleine Schweiz», meinte der kleine Schweizer. «Aber man hat gesehen, dass wir uns spielerisch weiterentwickelt haben.» Wie Kollege Lichtsteiner wollte auch der Bayern-Star das 1:0 gegen den fünffachen Weltmeister nicht überbewerten: «Die Brasilianer haben nicht so gespielt, wie man sie kennt. Das Umschalten von Offensive auf Defensive war ganz schlecht. Wir konnten immer wieder in ihre Angriffe fahren und uns Konter herausspielen.»

Konter herausspielen, das ist etwas, das den Schweizern am 6. September kaum gelingen wird. Dann müssen sie gegen defensive Isländer das Spiel gestalten. Aber wer die Samba-Kicker vom Zuckerhut schlägt, der sollte doch auch mit Island zurechtkommen.

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