Hitzebedingt: In Florida werden fast nur noch weibliche Meeresschildkröten geboren

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HitzebedingtIn Florida werden fast nur noch weibliche Meeresschildkröten geboren

In den letzten Jahren handelte es sich bei fast allen frisch geschlüpften Meeresschildkröten in Florida um Weibchen. Dahinter dürfte die globale Erwärmung stecken.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Jede in den letzten vier Jahren geborene Meeresschildkröte in Florida ist weiblich. 

Jede in den letzten vier Jahren geborene Meeresschildkröte in Florida ist weiblich. 

REUTERS
Forschenden zufolge liegt das an der zunehmenden Hitze.  

Forschenden zufolge liegt das an der zunehmenden Hitze.  

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Die letzten vier Sommer in Florida seien die heissesten gewesen, die jemals aufgezeichnet wurden, so Bette Zirkelbach (Bild), Leiterin des Turtle Hospital in Marathon auf den Florida Keys.

Die letzten vier Sommer in Florida seien die heissesten gewesen, die jemals aufgezeichnet wurden, so Bette Zirkelbach (Bild), Leiterin des Turtle Hospital in Marathon auf den Florida Keys.

via REUTERS

Darum gehts

  • Heisse Temperaturen machen nicht nur Menschen zu schaffen, sondern setzen auch Meeresschildkröten zu. 

  • In Florida führte die Hitze dazu, dass zuletzt nur noch weibliche Tiere geboren wurden. 

  • Das gefährdet ihr Überleben. 

  • Ein Zusammenhang zwischen Hitze und überwiegend weiblichen Nachkommen wurde auch schon von Meeresschildkröten in Australien berichtet. 

Die Nachrichten zur Lage der Meeresschildkröten im amerikanischen Sunshine State sind keine guten. Denn laut Forschenden kamen in Florida in den vergangenen Jahren fast nur noch weibliche Tiere zur Welt. Zuletzt sogar ausschliesslich, wie Bette Zirkelbach, Leiterin des Turtle Hospital in Marathon auf den Florida Keys, der Nachrichtenagentur Reuters sagte: «Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit dem Schlüpfen von Meeresschildkröten befassen, haben in den letzten vier Jahren keine männlichen Tiere gefunden.»

Das Schwinden der Männchen bereitet Forschenden zunehmend Sorgen. Sie befürchten, dass die Meeresschildkrötenpopulation mit der Zeit verkümmern wird. Grund für die Entwicklung dürfte Fachleuten zufolge die Klimaerwärmung sein.

Hitze sorgt für Weibchen

Denn warme oder gar heisse Lufttemperaturen haben laut der US-Seebehörde National Ocean Service NOS einen bedeutenden Einfluss auf das Geschlecht der Tiere: Liegt die Umgebungstemperatur unter 27 Grad Celsius, werden die Schildkrötenbabys männlich. Bei über 31 Grad Celsius werden sie weiblich. Temperaturen dazwischen ergeben einen Mix aus beiden Geschlechtern (siehe Box).

Doch auch die Bodentemperatur spielt eine Rolle, wie der NOS schreibt. Demnach ist der Anteil von Weibchen umso höher, je wärmer der Sand ist. «Das Erschreckende ist, dass die letzten vier Sommer in Florida die heissesten waren, die jemals aufgezeichnet wurden», so Zirkelbach. Denn die Hitze heize den Sand ordentlich auf.

So entwickelt sich bei Schildkröten das Geschlecht

Wie bei verschiedenen Eier legenden Reptilien – darunter Alligatoren, Eidechsen und Krokodile – wird auch bei den meisten Schildkrötenarten das Geschlecht erst nach der Befruchtung bestimmt und wird von der Umgebungstemperatur der Eier beeinflusst. Die derartige Ausbildung des Geschlechts wird als «temperature-dependent sex determination» (TSD) bezeichnet – als temperaturabhängige Geschlechtsbestimmung.

Wenn sich das Klima erwärmt, könnte das schlimme Folgen haben: «Im Laufe der Jahre werden wir einen starken Rückgang der Population erleben, weil wir einfach nicht die genetische Vielfalt haben», so Melissa Rosales Rodriguez, Schildkrötenpflegerin im Meeresschildkrötenspital des Zoos von Miami, zu Reuters. «Wir haben nicht das Verhältnis von Männchen zu Weibchen, das für eine erfolgreiche Zucht erforderlich ist.»

«Extrem – in Grossbuchstaben und mit Ausrufezeichen»

Ähnliche Beobachtungen wie in Florida wurden auch schon vor vier Jahren in Australien gemacht, wie Nationalgeographic.com unter Berufung auf eine im Fachjournal «Current Biology» erschienene Studie schreibt. Laut dem Team um Schildkrötenforscherin Camryn Allen von der National Oceanic and Atmospheric Administration auf Hawaii waren «die weiblichen Schildkröten in der grössten und wichtigsten Höhle der Grünen Meeresschildkröte im Pazifischen Ozean mindestens 116 zu 1 in der Überzahl».

Das sei extrem gewesen, zitiert das Magazin Allen: «Extrem in Grossbuchstaben, extrem mit Ausrufezeichen. Wir sprechen hier von einer Handvoll Männchen bis hin zu Hunderten von Weibchen. Wir waren schockiert.»

Hast du schon einmal wilde Schildkröten gesehen?

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