In Genf flogen die Molotow-Cocktails

Aktualisiert

In Genf flogen die Molotow-Cocktails

Gegen tausend Personen haben in Genf erneut gegen die Räumung besetzter Häuser demonstriert. Dabei kam es mehrfach zu Zusammenstössen zwischen den Demonstranten und der Polizei. Die Beamten setzten Tränengas ein.

Anlass für die Demonstration, die am frühen Samstagnachmittag begann, war die Räumung der Liegenschaften «Rhino» und «La Tour». Zu der bewilligten Kundgebung aufgerufen hatten das «Rhino»-Kollektiv und die Bewegung Intersquat. Ihre Unterstützung zugesagt hatte auch die Linke und kulturelle Bewegungen.

Die grosse Mehrheit der Demonstranten verhielt sich friedlich. Einige Kundgebungsteilnehmer gingen jedoch mehrfach auf Konfrontationskurs mit der Polizei.

Molotow-Cocktails geworfen

Gegen 17 Uhr kam es ein erstes Mal vor einem ehemals besetzten Haus zu Zusammenstössen zwischen den Demonstranten und der Polizei. Kundgebungsteilnehmer warfen Pflastersteine und Molotow-Cocktails. Ein Auto geriet dabei in Flammen.

Die Polizei, die auch im Innern des Hauses präsent war, griff hart durch. Die Demonstranten wurden mit Tränengas auseinander getrieben. Das brennende Auto wurde mit einer Wasserkanone gelöscht.

Fenster eingeschmissen

Kurz nach 18 Uhr setzte die Polizei erneut Tränengas ein, um zu verhindern, dass sich die Demonstranten dem «Rhino» und dem «La Tour» näherten. Zuvor hatten einige Kundgebungsteilnehmer die Fenster der FDP-Zentrale eingeschmissen. Generalstaatsanwalt Daniel Zappelli, der die Räumungen angeordnet hatte, gehört dem Freisinn an.

Auf dem Weg zum «Rhino» und zum «La Tour» wurden auch kleinere Barrikaden errichtet. Andere Kundgebungsteilnehmer versprayten Fassaden und zerkratzten Autokarrosserien. Die Demonstration endete schliesslich friedlich mit einem Sit-In vor dem «Rhino».

Politprominenz dabei

An der Demonstration beteiligte sich auch linke Politprominenz, darunter die Nationalräte Ueli Leuenberger (Grüne), Maria Roth- Bernasconi (SP) und Pierre Vanek vom Linksbündnis «A gauche toute!». Sie verlangten wie die übrigen Teilnehmer, dass ohne richterliche Anordnung keine weiteren Häuser geräumt werden dürften.

Die hinausgeworfenen Besetzerinnen und Besetzer sollten zudem in ihre Wohnungen zurückkehren können. Weiter fordern die Demonstrierenden, dass für kulturelle und alternative Vereinigungen weiterhin Räume zur Verfügung stehen.

Die Liegenschaft «La Tour» war am 10. Juli geräumt worden, das «Rhino», die älteste Genfer Hausbesetzung, am vergangenen Montag. Die Genfer Regierung hat nicht vor, die verbleibenden 24 Hausbesetzungen der Stadt räumen zu lassen, wie Staatsrat Mark Muller am Mittwoch gegenüber der «Tribune de Genève» sagte. (sda)

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