Yann Sommer: «In Gladbach ist viel Hecking drin»
Aktualisiert

Yann Sommer«In Gladbach ist viel Hecking drin»

Zwei Jahre ist Erfolgscoach Lucien Favre weg. Aber wie viel Favre steckt noch in Gladbach? Yann Sommer über neue Ziele, die Qualität der Bundesliga und Konkurrenz.

von
E. Tedesco
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Mit Yvon Mvogo wird die Bundesliga ab Sommer um einen Schweizer Keeper reicher. Der YB-Goalie wechselt zu RB Leipzig.

Mit Yvon Mvogo wird die Bundesliga ab Sommer um einen Schweizer Keeper reicher. Der YB-Goalie wechselt zu RB Leipzig.

FreshFocus/Steffen Schmidt
Die Nummer 1 der Nati verdient ihre Brötchen bei Borussia Mönchengladbach. 2014 wechselte Yann Sommer vom FC Basel zu den Fohlen.

Die Nummer 1 der Nati verdient ihre Brötchen bei Borussia Mönchengladbach. 2014 wechselte Yann Sommer vom FC Basel zu den Fohlen.

epa/Friedemann Vogel
2014 heuerte Roman Bürki beim SC Freiburg an. Ein Jahr später wechselte der Berner zu Borussia Dortmund, wo er Roman Weidenfeller als Nummer 1 ablöste.

2014 heuerte Roman Bürki beim SC Freiburg an. Ein Jahr später wechselte der Berner zu Borussia Dortmund, wo er Roman Weidenfeller als Nummer 1 ablöste.

FreshFocus/Michael Weber

Der Nati-Stammkeeper und amtierende «Schweizer Fussballer des Jahres» hütet seit 2014 das Tor der Fohlen. Genau 100 Spiele hat Yann Sommer für Gladbach absolviert, und er hat noch lange nicht genug: Der 28-jährige Torhüter verlängerte im Frühjahr seinen Vertrag mit den Nordrhein-Westfalen bis 2021.

Yann Sommer, die lange Vorbereitung neigt sich dem Ende zu. Sie starten am Sonntag mit dem Derby gegen Köln in die neue Saison. Wie erleichtert sind Sie, dass es wieder um etwas geht?

Yann Sommer: So lange war die Pause nicht, denn für uns Nationalspieler hatte sich die Saison mit der WM-Qualifikation nach der Meisterschaft verlängert, und mit dem Pokalspiel vor einer Woche ist es auch schon wieder losgegangen. Aber klar, ich freue mich sehr auf die Meisterschaft, dass es wieder um Punkte geht und vor allem auch auf das Derby.

Steht die neue Saison nach Rang 9 im Vorjahr und dem Verpassen des europäischen Geschäfts im Zeichen der Wiedergutmachung?

Im letzten Jahr ist es nicht nach Wunsch gelaufen. Obwohl wir eine relativ gute Rückrunde gespielt haben, waren wir weit unten in der Tabelle klassiert, und es hat lange gedauert, bis wir gerettet waren. Wir gehen mit viel Motivation in diese Saison. Ein guter Start wird wichtig sein.

Im Dezember 2016 musste Favre-Nachfolger André Schubert gehen und Dieter Hecking übernahm. Wie viel Favre steckt nach zwei Jahren noch in Gladbach?

Darüber mache ich mir keine Gedanken mehr. Wir waren mit Lucien Favre sehr erfolgreich, aber jetzt ist Dieter Hecking unser Trainer, und er macht das sehr gut. Man kann sagen: Es ist viel Hecking drin.

Welche Ziele steckt sich Gladbach für die Saison 2017/18?

Wir wollen besser abschneiden als in der vergangenen Saison. Das wird nicht einfach, denn die Liga scheint mir diesmal sehr ausgeglichen.

Für gewöhnlich spielten Sie mit Basel und auch in den ersten Jahren in Gladbach um diese Zeit europäisch. Das muss enttäuschend sein, nicht im internationalen Schaufenster zu stehen.

Natürlich will man immer international spielen, aber es hat auch Vorteile, für einmal nicht dabei zu sein.

Pastatipp von Yann Sommer

Wie bitte? Das müssen Sie erklären.

Sehen Sie, seit sechs oder sieben Jahren hatte ich keine normale Woche zum Trainieren. Immer war man in der Vorbereitung auf ein Spiel, und es blieb nicht viel Zeit fürs Training. Man ist lediglich bestrebt, immer auf dem gleichen Level zu bleiben, und macht auf dem Trainingsplatz so kaum Fortschritte.

Heisst das, dass Sie trotz stärkerer Liga in der Entwicklung eher stagnieren?

Nein, auf keinen Fall! Man macht immer Fortschritte, allein schon durch die neue, stärkere Liga, und man macht neue Erfahrungen. Goalie in der Bundesliga zu sein ist ein schwieriger, aber toller Job. Was ich sagen will, ist, dass wir in der Meisterschaft und ohne internationale Unterbrechung an vielen Dingen feilen und arbeiten können, zu denen man sonst kaum kam.

Sie steigen in Ihre vierte Saison in Gladbach. Drängt sich kein nächster Schritt auf?

Ach, darüber denke ich nicht nach. Ich hatte tolle Jahre hier und habe erst meinen Vertrag verlängert, denn ich möchte unbedingt an der Geschichte weiterschreiben.

Trotz schwierigem Job, wie Sie sagen, sind aktuell acht Schweizer Torhüter in Deutschland beschäftigt ...

Das ist geil! Der Wahnsinn! Es spricht für die gute Ausbildung, die wir in der Schweiz geniessen, aber auch für das Glück, dass wir gerade so eine starke Generation haben. Aber der Schlüssel zum Erfolg ist sicher die gute Ausbildung.

Roman Bürki ist einer von acht und zudem in der Nati hinter Ihnen die Nummer 2. Im Trainingslager unlängst hat der BVB-Keeper nun Ambitionen angemeldet. Er will die Nummer 1 des Landes werden und sieht in der Champions League seinen Vorteil. Wie reagieren Sie auf diese Herausforderung?

Konkurrenzkampf ist immer da. Es ist doch normal, jeder Spieler will spielen, und jeder Spieler hat Ambitionen. Wir haben ein gemeinsames grosses Ziel mit der WM in Russland, und wir alle arbeiten gemeinsamen daran, es zu erreichen. Wir haben in der Nati eine gute Stimmung und einen gesunden, positiven Konkurrenzkampf. Das bringt uns im Endeffekt alle weiter.

Am 28. August findet die Wahl zum «Schweizer Fussballer des Jahres» statt. Sie sind sozusagen der Titelverteidiger. Wen würden Sie nominieren, wenn Sie müssten?

Ich habe mich wirklich sehr über die Wahl zum Fussballer des Jahres gefreut. Es ist eine grosse Ehre. Es gibt einige Kandidaten, aber mehr kann ich dazu nicht sagen.

Dann lassen Sie uns noch einmal das Thema wechseln: In den europäischen Topligen werden derzeit Wahnsinnssummen für Spieler ausgegeben. Die Bundesliga hält sich im Vergleich zurück. Droht sie so in Europa nicht an Terrain zu verlieren?

So ist die Entwicklung im Fussball, aber so lange ich in diesem Geschäft drin bin, möchte ich mich dazu nicht weiter äussern. Aber ich glaube nicht, dass die Bundesliga an Boden verliert, es ist sehr viel Qualität in der Liga, und es ist immer noch die Liga des amtierenden Weltmeisters. Es wird bestimmt wieder eine spannende Saison werden.

Eine spezielle Saison für die Borussia Am Freitag eröffnen die Bayern zuhause gegen Bayer Leverkusen die Saison 2017/18. Nach langen 13 Wochen ist die Bundesliga wieder zurück. Für Borussia Mönchengladbach ist es eine besondere Saison: Die Fohlen bestreiten ihre 50. Meisterschaft in der höchsten Deutschen Liga, die zehnte in Folge seit dem Wiederaufstieg 2008. Nach dem eher enttäuschenden Rang 9 in der letzten Saison wollen sich Yann Sommer, Nico Elvedi, Denis Zakaria, Josip Drmic und Kollegen wieder in Richtung Europacup orientieren. Und Gladbach will zum siebten Mal in Folge einstellig abschliessen, was einer historischen Leistung gleich käme und der Borussia seit 40 Jahren nicht mehr gelungen ist. (ete)

Eine spezielle Saison für die Borussia Am Freitag eröffnen die Bayern zuhause gegen Bayer Leverkusen die Saison 2017/18. Nach langen 13 Wochen ist die Bundesliga wieder zurück. Für Borussia Mönchengladbach ist es eine besondere Saison: Die Fohlen bestreiten ihre 50. Meisterschaft in der höchsten Deutschen Liga, die zehnte in Folge seit dem Wiederaufstieg 2008. Nach dem eher enttäuschenden Rang 9 in der letzten Saison wollen sich Yann Sommer, Nico Elvedi, Denis Zakaria, Josip Drmic und Kollegen wieder in Richtung Europacup orientieren. Und Gladbach will zum siebten Mal in Folge einstellig abschliessen, was einer historischen Leistung gleich käme und der Borussia seit 40 Jahren nicht mehr gelungen ist. (ete)

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