Aktualisiert 15.12.2010 21:00

KrawalleIn Griechenland kocht die Wut über

Die Proteste in Griechenland eskalieren erneut. Bei Zusammenstössen sind mindestens 28 Menschen verletzt worden, darunter 23 Polizisten.

Die Demonstranten warfen am Mittwoch in Griechenland Brandbomben, zertrümmerten Schaufenster und zündeten Autos und Mülltonnen an. Die Polizei setzte Tränengas und Blendgranaten ein. Der Streik richtete sich gegen drastische Sparmassnahmen der Regierung.

An den Protesten vor dem Athener Parlament beteiligten sich 23 000 Menschen. Viele von ihnen riefen: «Keine Opfer für die Reichen!» Weitere 27 000 Menschen beteiligten sich laut Polizei an Demonstrationen in anderen Städten des Landes. Mehr als 20 Demonstranten wurden festgenommen. Es waren mit die schwersten Ausschreitungen seit Beginn der griechischen Schuldenkrise vor einem Jahr.

Der siebte Generalstreik in diesem Jahr brachte das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen. Alle Flüge, Bahn- und Fährverbindungen wurden abgesagt, auch der öffentliche Nahverkehr und Schulen waren betroffen. Fabriken waren geschlossen und Krankenhäuser nur mit einem Notdienst besetzt. An dem Arbeitskampf wollten sich auch die Journalisten beteiligen, weshalb am Donnerstag keine Zeitungen erscheinen sollten.

Wut gegen Sparmassnahmen und Arbeitsmarktreformen

Der 24-stündige Generalstreik wurde von den Gewerkschaften organisiert und richtete sich gegen Sparmassnahmen und Arbeitsmarktreformen, mit denen die Regierung die schwerste Finanzkrise Griechenlands seit dem Zweiten Weltkrieg überwinden will. Das Parlament hatte die Arbeitsmarktreformen erst am Dienstagabend mit 156 gegen 130 Stimmen gebilligt.

Die Reform sieht unter anderem weitere Lohnkürzungen vor. Mit den Sparmassnahmen will die Regierung ihr Staatsdefizit abbauen, nachdem das Land von der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mit Milliardenkrediten vor der Pleite gerettet worden war. Die Gewerkschaften argumentieren, dass die Massnahmen vor allem die Arbeiter treffen.

«Es gibt eine riesige Teilnahme an dem Streik», sagte der stellvertretende Chef der zweitgrössten griechischen Gewerkschaft GSEE, Stathis Anestis, der Nachrichtenagentur AP. «Ich denke, das wird die Regierung unter Druck setzen. Wir wollen, dass sie das letzte Arbeitsgesetz zurücknimmt, das Arbeitnehmerrechte verletzt.» Weitere Streiks sind für Donnerstag und Freitag vorgesehen. (dapd)

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