Aktualisiert 12.01.2013 13:47

3 Jahre nach BebenIn Haiti leiden noch immer Hunderttausende

Vor drei Jahren starben in der Karibikrepublik Haiti rund 250'000 Menschen nach einem verheerenden Erdbeben. Noch immer sind 350'000 Menschen obdachlos. Und auch sonst fehlt es an allen Ecken und Enden.

Drei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti mit rund 250'000 Toten hat die Glückskette eine zwiespältige Bilanz ihrer Hilfsarbeit gezogen. Das Land befindet sich laut Glückskette-Direktor Tony Burgener noch immer in einer «fragilen Lage».

«Die Situation vor Ort ist sehr komplex», sagte Burgener auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Eine stabile politische Situation sei noch nicht abzusehen. «Es ist extrem schwierig zu sagen, wann in Haiti wieder Normalität einkehren wird.»

Burgener hatte im vergangenen Oktober die Hilfsprojekte vor Ort besucht und war mit der Gewissheit zurückgekehrt: «Die Spendengelder werden sinnvoll, und soweit in einem solch fragilen Kontext möglich, auch nachhaltig eingesetzt.» Gleichzeitig habe ihm aber niemand vor Ort sagen können, wie es nach dem Abzug der Hilfswerke weitergehen soll.

Auch wenn in der Hauptstadt Port-au-Prince und auf dem Land die Spuren des Bebens nicht mehr so augenfällig seien, blieben Armut und Not immens. Der Karibikstaat gehörte bereits vor dem Erdbeben zu den ärmsten Ländern der Welt.

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Projekte in Abschlussphase

Dennoch ist Burgener überzeugt, dass die Glückskette und ihre Partnerhilfswerke dem Land eine gewisse Perspektive gegeben haben. Kurz nach der Katastrophe vom 12. Januar 2010 seien Tausende Notunterkünfte aufgestellt und Häuser repariert worden.

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Danach seien Hunderte von neuen Häusern gebaut worden, und die Helfenden hätten in den vergangenen drei Jahren in verschiedensten Bereichen Unterstützung geleistet. Diese reiche von medizinischer Versorgung über Nahrungsmittelhilfe bis zur Ausbildung und Wiedereingliederung der Menschen.

Von den knapp 66 Millionen Franken Spendengeldern, die bei der Glückskette eingegangen sind, wurden bisher fast drei Viertel in 61 Projekten eingesetzt. 16 Partnerhilfswerke engagieren sich weiterhin in 21 Hilfsprojekten. Die meisten Projekte sind in der Abschlussphase.

«Es geht nun darum, das Wissen und die Kompetenzen an die lokale Bevölkerung weiterzugeben, damit der positive Einfluss des Wiederaufbaus nicht verpufft», sagte Burgener. Die Ausbildung der Menschen in Haiti sei die wichtigste Massnahme, damit die Hilfe auch nachhaltig sei.

Mit Situation überfordert

Doch auch das ist nicht immer einfach. «Der Ausbruch der Cholera Ende 2010 sowie weitere Naturkatastrophen im vergangenen Jahr haben wieder vieles durcheinandergewirbelt», sagte Burgener. Haiti wurde innerhalb von drei Monaten von den Wirbelstürmen «Isaac» und «Sandy» heimgesucht. Diese richteten erneut grossen Schaden an.

Solche Negativereignisse führen laut Burgener dazu, dass bei den Haitianern eine «gewisse Fatalität» aufkommt. Dass die staatlichen und zivilen Stellen zudem oft mit der schwierigen Situation überfordert seien, erschwere die tägliche Hilfsarbeit zusätzlich.

Positive Lehren

Trotzdem sieht Burgener auch positive Seiten am Beispiel Haiti. Die Zusammenarbeit und der Austausch mit den Partnern sei im Vergleich mit früheren Katastrophen besser geworden. Der langjährige Einsatz in der Krisenregion sei auch deshalb sehr wertvoll gewesen, weil erstmals ein Kompetenzzentrum eingerichtet worden sei, wo die Mitarbeitenden der Hilfswerke geschult werden konnten.

«Dies wünsche ich mir auch für künftige Projekte», sagte Burgener. Und fügte an: «Man kann noch viel enger zusammenarbeiten, sich noch mehr austauschen und die lokalen Kräfte noch besser einbinden.»

Verheerendes Beben

Bis wann in Haiti der normale Alltag zurückkehren wird, konnte Burgener nicht sagen. Ein Stück weit sei dies nicht beeinflussbar. Zu unsicher sei die politische Lage im Land, zu ungewiss das Eintreffen neuer Naturkatastrophen.

Bei dem Beben der Stärke 7 vor drei Jahren starben in der Karibikrepublik rund 250'000 Menschen, etwa 1,5 der 10 Millionen Haitianer wurden obdachlos. Der Choleraepidemie fielen zusätzlich mehr als 6500 Menschen zum Opfer. (sda)

Hunderttausende ohne feste Bleibe

Drei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben von Haiti haben Hunderttausende Überlebende nach EU-Angaben immer noch kein festes Dach über dem Kopf. 350'000 Menschen lebten weiter in Notunterkünften.

Dies erklärte die EU-Kommission diese Woche in Brüssel. Während die EU mit Hilfsprogrammen zwar einer halben Million Menschen zu einer dauerhaften neuen Bleibe verholfen habe, seien viele andere noch ohne eigenes Obdach.

Insgesamt kam die humanitäre Hilfe aus dem EU-Budget fünf Millionen Haitianern oder jedem zweiten Einwohner des Karibikstaates zugute und betrug bislang gut 440 Millionen Euro.

«Natürlich ist noch ein weiter Weg zurückzulegen», bilanzierte die Behörde kurz vor dem dritten Jahrestag des Bebens am Samstag. Neben Tropenstürmen erschwerte demnach auch politische Instabilität in Haiti den Wiederaufbau.

Die Unterstützung aus Europa diente gemäss EU-Angaben auch für längerfristige Projekte wie die Schulbildung. Als gutes Zeichen vermerkte die EU ein Wirtschaftswachstum zwischen sechs und sieben Prozent im vergangenen Jahr.

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