Aktualisiert

WhitewashingIn Hollywood sind sogar Indianer weiss

Statt einer Indianerin spielt die blasse Rooney Mara den Part der Tiger Lily in «Pan». Whitewashing in Hollywood ist immer noch en vogue.

von
Katinka Templeton
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Der aktuellste Fall des Whitewashing: Rooney Mara spielt in «Pan» die Rolle der Indianerprinzessin Tiger Lily. Dass Mara aber eigentlich weiss und nicht indianischer Herkunft ist, scheint in Hollywood keinen zu stören.

Der aktuellste Fall des Whitewashing: Rooney Mara spielt in «Pan» die Rolle der Indianerprinzessin Tiger Lily. Dass Mara aber eigentlich weiss und nicht indianischer Herkunft ist, scheint in Hollywood keinen zu stören.

Warner Bros.
Dass die Ureinwohner Amerikas gerne bei Filmen über die Ureinwohner Amerikas übergangen werden, ist schon seit Jahrzehnten bekannt. Der blauäugige (!!) Burt Lancaster wurde sogar schon 1954 einfach braun angemalt, damit er die Rolle des Massai in «Apache» spielen konnte.

Dass die Ureinwohner Amerikas gerne bei Filmen über die Ureinwohner Amerikas übergangen werden, ist schon seit Jahrzehnten bekannt. Der blauäugige (!!) Burt Lancaster wurde sogar schon 1954 einfach braun angemalt, damit er die Rolle des Massai in «Apache» spielen konnte.

United Artists
Die Geschichte in «30 Days of Night» beruht auf einem Comicbuch. Darin ist die Rolle des Sheriffs klar als Inuit definiert. Weil aber, das behaupteten zumindest die Produzenten, kein Inuit herausragende schauspielerische Fähigkeiten besass, wurde kurzerhand Josh Hartnett eingesetzt. Die Story spielt aber trotzdem in Barrow, Alaska. Dort sind 57 Prozent der Einwohner im wahren Leben Inuit. Im Film aber gibt es nur einen einzigen Inuit-Charakter. Und der wurde von einem Schauspieler aus Samoa dargestellt.

Die Geschichte in «30 Days of Night» beruht auf einem Comicbuch. Darin ist die Rolle des Sheriffs klar als Inuit definiert. Weil aber, das behaupteten zumindest die Produzenten, kein Inuit herausragende schauspielerische Fähigkeiten besass, wurde kurzerhand Josh Hartnett eingesetzt. Die Story spielt aber trotzdem in Barrow, Alaska. Dort sind 57 Prozent der Einwohner im wahren Leben Inuit. Im Film aber gibt es nur einen einzigen Inuit-Charakter. Und der wurde von einem Schauspieler aus Samoa dargestellt.

Warner Bros.

Es gibt viel zu wenig gute Rollen für Minderheiten in Hollywood. Wenn dann aber doch mal Indianer vor die Kamera dürfen, dann nur als klischeebehaftete Charaktere mit klingenden Namen wie «Bieber's Breath» oder «No Bra». So heissen zum Beispiel die Darsteller in Adam Sandlers neuem Film «The Ridiculous Six».

In solchen Filmen darf natürlich auch der plumpe Anmachspruch des weissen Mannes an die hübsche Indianerin nicht fehlen: «Wie wäre es, wenn wir woanders hingehen würden, und ich mein Pipi in dein Tipi stecke?»

Die guten Rollen wie jene der Indianerprinzessin Tiger Lily in «Pan» werden in Hollywood viel lieber weissen Schauspielerinnen wie Rooney Mara zugeschanzt. Dieses Prozedere nennt sich Whitewashing und kommt häufiger vor, als man denkt. Ein weiteres Beispiel: Jake Gyllenhaals Alabasterhaut in «Prince of Persia», die so gar nichts mit der eines Iraners gemein hat, der eigentlich die Rolle hätte spielen sollen.

Whitewashing passiert auch Asiaten und Latinos

«Pan»-Regisseur Joe Wright erklärt derweil sein offensichtliches Whitewashing damit, dass Neverland ein erfundener Ort sei, und darum eine Indianerprinzessin auch mal weiss sein könnte. Gut, das klingt einleuchtend. Aber dass Wright mit diesem Casting einer indianischen Schauspielerin die seltene Möglichkeit genommen hat, sich in einer Hollywood-Produktion zu beweisen, scheint trotzdem nebensächlich zu sein.

Amerikanische Ureinwohner haben in Hollywood also lediglich zwei Möglichkeiten: Entweder sie mimen die Bilderbuch-Indianer zur Belustigung des Establishments. Oder sie werden durch weisse Schauspieler ersetzt. Aber auch Asiaten und Latinos bekommen das Whitewashing permanent zu spüren. Welche Filme in den letzten Jahrzehnten auf Minderheiten bewusst verzichtet haben, sehen Sie in der Bildstrecke.

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