Aktualisiert 13.01.2017 10:01

Dritte Generation

«In Italien bin ich ‹lo Svizzero›»

Was sagen Betroffene zur Abstimmung über die erleichterte Einbürgerung? Wir haben mit Terzos gesprochen.

von
J. Büchi/ L. Zanchi
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Matteo Vicari sagt: «Ich kenne die Schweizer Politik besser als die italienische, die Geografie der Schweiz besser als die von Italien. Mein Leben habe ich mir hier aufgebaut und nicht dort»

Matteo Vicari sagt: «Ich kenne die Schweizer Politik besser als die italienische, die Geografie der Schweiz besser als die von Italien. Mein Leben habe ich mir hier aufgebaut und nicht dort»

ZVG
Gegen das Recht auf erleichterte Einbürgerung für alle Terzos ist hingegen Daniela Kyburz. Die gebürtige Italienerin hat sich nach der Heirat selbst erleichtert einbürgern lassen und sagt: «Ich war erstaunt darüber, wie einfach ich den Pass erhielt.»

Gegen das Recht auf erleichterte Einbürgerung für alle Terzos ist hingegen Daniela Kyburz. Die gebürtige Italienerin hat sich nach der Heirat selbst erleichtert einbürgern lassen und sagt: «Ich war erstaunt darüber, wie einfach ich den Pass erhielt.»

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Auch Laura Pelosi würde sich gern einbürgern lassen. Die Terza sagt: «Weil ich keinen Schweizer Pass habe, erlischt meine Aufenthaltsbewilligung, wenn ich mich länger als ein halbes Jahr ausserhalb der Schweiz aufhalte.»

Auch Laura Pelosi würde sich gern einbürgern lassen. Die Terza sagt: «Weil ich keinen Schweizer Pass habe, erlischt meine Aufenthaltsbewilligung, wenn ich mich länger als ein halbes Jahr ausserhalb der Schweiz aufhalte.»

Matteo Vicari (22): «Mein Leben habe ich hier aufgebaut»

«Wenn ich nach Italien gehe, bin ich dort ‹lo svizzero›», erzählt Matteo Vicari. Der 22-Jährige ist Sohn eines Italieners und einer Dominikanerin. Sein Vater kam in der Schweiz zur Welt, schon die Grosseltern lebten hier. «Ich kenne die Schweizer Politik besser als die italienische, die Geografie der Schweiz besser als die von Italien. Mein Leben habe ich mir hier aufgebaut und nicht dort», sagt er.

Er habe sich bereits im Jugendalter einbürgern lassen wollen. «Aber mein Vater riet mir davon ab, weil er der Meinung war, dass der italienische Pass in der EU praktischer sei.» Nun halten die Finanzen den angehenden Elektrotechnik-Studenten davon ab, Schweizer zu werden. «Die Einbürgerung kostet einen Haufen Geld, während des Studiums kann ich mir das nicht leisten.»

Vicari hofft, dass das Stimmvolk der erleichterten Einbürgerung für die dritte Ausländergeneration zustimmt. Dürfte er selber an die Urne gehen, erhielten meistens jene seine Stimme, die das Gesetz nun bekämpfen. «Ich bin eher mitte-rechts und hätte zum Beispiel die Durchsetzungsinitiative angenommen», so der Basler.

Laura Pelosi (19): «Länger reisen – unmöglich»

Die 19-jährige Laura Pelosi hat gerade ihre Informatiklehre abgeschlossen. Gern würde sie in Zukunft die Welt entdecken und reisen gehen. Ein längerer Auslandaufenthalt kommt aber nicht infrage: «Weil ich keinen Schweizer Pass habe, erlischt meine Aufenthaltsbewilligung, wenn ich mich länger als ein halbes Jahr ausserhalb der Schweiz aufhalte.»

Pelosis Grosseltern sind aus Italien in die Schweiz eingewandert, auch ihre Eltern wuchsen hier auf. Seitdem sie volljährig sei, habe sie sich viele Gedanken über den Schweizer Pass gemacht, so die junge Frau: «Weil ich hier lebe und arbeite, finde ich es wichtig, auch politisch mitbestimmen zu können.» Sie werde sich deshalb demnächst über den Einbürgerungsprozess informieren – und je nach Entscheid am 12. Februar eine erleichterte Einbürgerung beantragen.

Simon B. (24): «Weil ich umgezogen bin, muss ich auf den Pass warten»

Der 24-jährige Kosovare Simon B. spricht breiten Ostschweizer Dialekt. Er ist im Appenzellerland aufgewachsen; seit er 16 ist, wohnt er in St. Gallen. Der Umzug von damals ist der Grund, warum B. heute kein Schweizer ist. «Auf der Gemeinde sagten sie mir, dass ich mindestens acht Jahre im Kanton St. Gallen leben muss, bevor ich den Pass beantragen kann.»

Er habe damals schon etwas gestaunt, sagt B. Denn seine Grosseltern, die nicht umgezogen sind, sind inzwischen eingebürgert. Er hingegen, der hier zur Schule gegangen ist, musste sich gedulden. «Ich durfte nicht noch einmal die Gemeinde oder den Kanton wechseln, sonst hätte die Frist wieder von vorne zu laufen begonnen.» Nun sind die acht Jahre voll – und B. hat einen Termin für den Einbürgerungskurs.

«Meine Heimat ist die Schweiz, nun möchte ich endlich auch die gleichen Rechte haben wie alle anderen auch», so B. Viele in seinem Umfeld wüssten gar nicht, dass er kosovarische Wurzeln habe. «Ich höre dann: Was, du? Du bist doch kein Ausländer!»

Daniela Kyburz (40): «Nationalität sollte mehr wert sein»

Daniela Kyburz aus Biel ist die Enkelin italienischer Einwanderer. Die 40-Jährige hat sich nach der Heirat mit einem Schweizer erleichtert einbürgern lassen. Dass künftig alle Terzos diese Möglichkeit erhalten sollen, findet sie jedoch falsch: «Ich war erstaunt darüber, wie einfach ich den Pass erhielt: Keine landesbezogene Tests, auf dem Polizeiposten musste ich bei der Befragung nicht einmal meinen Ausweis zeigen.»

700 Franken habe sie für die Einbürgerung bezahlt – aus ihrer Sicht zu wenig: «Eine Nationalität ist ja nicht nur ein Stück Papier, sie sollte schon ein paar tausend Franken Wert sein.» Auch findet sie es falsch, dass bei der erleichterten Einbürgerung auf den Integrationstest verzichtet wird: «Nur weil die Familie seit drei Generationen hier ist, heisst das ja noch nicht, dass eine Person auch die Schweizer Kultur respektiert und gesellschaftlich integriert ist.»

Dennoch: Gewisse Kriterien für die ordentliche Einbürgerung hält Kyburz für überholt. «Dass man zum Beispiel fünf Jahre in der gleichen Gemeinde leben muss, damit man eingebürgert werden kann, ist wirklich nicht mehr zeitgemäss.»

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