Aktualisiert 23.04.2015 07:18

Gegenkultur der Digitalisierung

In jedem von uns steckt auch ein Offliner

In seinem Buch «Offliner – Gegenkultur der Digitalisierung» beschreibt Joël Luc Cachelin die 16 Typen, die sich gegen die Digitalisierung wehren.

von
Ph. Stirnemann
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Joël Luc Cachelin hat ein Buch über die Gegenkultur der gesellschaftlichen Digitalisierung geschrieben. Darin charakterisiert der Autor verschiedene Typen sogenannter Offliner. Sind auch Sie einer davon? - Die Bildstrecke gibt Aufschluss.

Joël Luc Cachelin hat ein Buch über die Gegenkultur der gesellschaftlichen Digitalisierung geschrieben. Darin charakterisiert der Autor verschiedene Typen sogenannter Offliner. Sind auch Sie einer davon? - Die Bildstrecke gibt Aufschluss.

20 Minuten
Die Verlierer
Die Verlierer

«Jedes Mal, wenn eine neue Technologie die Wirtschaft tiefgreifend verändert, formiert sich Widerstand gegen den Strukturwandel. Man befürchtet, dass die Maschinen Arbeitsplätze vernichten und die Menschen überflüssig werden.» (Bild: Charlie Chaplin in «Modern Times», USA 1936)

Die Nonliner
Die Nonliner

«Es gibt drei unterschiedliche Nonliner, die keinen Zugang zum Netz haben: Die Bildungsfernen, die Alten und die global Isolierten.»

Keystone/Peter Klaunzer

Joël Luc Cachelin hat 2009 die Wissensfabrik gegründet, ein Think-Tank, der sich mit den Herausforderungen der heutigen digitalisierten Welt auseinandersetzt. In seinem Buch «Offliner» beschreibt er die 16 verschiedenen Typen, die die Digitalisierung unserer Welt hinterfragen (siehe Bildstrecke).

Herr Cachelin, was ist ein Offliner?

Ein Offliner beteiligt sich am Design der digitalen Zukunft. Er will zum Beispiel mitentscheiden, was mit seinen Daten passiert, und ob wir in Zukunft einen Chip tragen, der alles aufzeichnet.

Was ist an der Digitalisierung so schlecht?

Sie ist an sich nicht schlecht. Sie macht das Leben sowohl einfacher als auch intensiver. Zudem führt sie zur Entstehung von neuartiger kollektiver Intelligenz. Problematisch wird die Digitalisierung dann, wenn andere darüber bestimmen, wie mein digitales Leben auszusehen hat. Wenn also mächtige Unternehmen vorschreiben, welche Geräte, Profile und Chips man haben muss, um an der Gesellschaft teilhaben zu können.

Sie beschreiben in Ihrem Buch 16 Offliner-Typen. Warum gibt es so viele?

Mir ging es im Buch darum, aufzuzeigen, dass es ganz unterschiedliche Motive gibt, um sich gegen die Digitalisierungstreiber zu stellen und an der digitalen Zukunft mitzuarbeiten.

Offliner stellen sich gegen eine einseitige digitale Monokultur. Sie möchten nicht, dass einzelne Digitalisierungstreiber sehr viel Macht erhalten und bestimmen, wie wir zu leben haben. Unternehmen, die von uns Transparenz einfordern, sollen selbst auch transparent sein.

Was können Offliner gesellschaftspolitisch erreichen?

Die Wirtschaft sollte sich darauf einstellen, dass die Offliner ein verstärktes Mitspracherecht einfordern. Es könnte zu organisierten Boykotten kommen. Genauso stellen die Offliner aber auch neue Märkte dar, die für die Unternehmen riesige Chancen eröffnen. Aus dieser Perspektive sind Offliner keine mühsamen Verweigerer, sondern Innovationslieferanten. Dasselbe gilt für die Politik: Offliner helfen, eine digitale Gesellschaft zu designen, die unterschiedliche digitale Lebensstile ermöglicht.

Sind Ihnen viele Menschen bekannt, die komplett aufs Internet verzichten?

Ein Offliner verzichtet nicht auf das Smartphone oder das Internet. Aber er beobachtet, wohin sich die digitale Gesellschaft weiterentwickelt. Das Internet kann dann durchaus ein Mittel sein, um die Botschaften der Offliner zu verbreiten oder die digitale Zukunft mitzugestalten.

Wird sich die Bewegung halten können?

Je digitaler unser Leben wird, desto wirkungsvoller wird der Gegentrend der Offliner. Entscheidend ist aber die Frage, ob die unterschiedlichen Teilbewegungen zu einer wirkungsvollen Gegenkultur zusammenwachsen oder nicht. Je mehr die 16 Typen zusammenhalten, desto wirkungsvoller wird der Widerstand.

Wenn ich sonntags wandern gehe und mein Handy zu Hause lasse, bin ich dann auch schon ein Offliner?

Ich glaube nicht, dass man entweder ein Offliner ist oder nicht. Die meisten von uns stören sich an einem gewissen Aspekt der digitalen Gesellschaft. Genauso unterschiedlich sind die Wege, um sich aus den Zwängen der digitalen Gesellschaft zu lösen. Für einige Stunden wandern zu gehen ist durchaus ein sehr wirkungsvoller Aufstand gegen den digitalen Zwang. Insofern sind sie ein Offliner.

Sind sie auch einer?

Ich bin kein Hardcore-Offliner. Wichtig ist, dass Vor- und Nachteile der Digitalisierung gleichzeitig betrachtet werden. Ich sehe mich als einen Diplomaten, der versucht, zwischen On- und Offlinern zu vermitteln.

Dr. Joël Luc Cachelin hat an der Universität St.Gallen BWL studiert und zur Zukunft des Managements doktoriert. Seit 2009 ist er Geschäftsführer der Wissensfabrik.

Sein Buch «Offliner: Die Gegenkultur der Digitalisierung» ist im Stämpfli Verlag erschienen (staempfliverlag.ch). ISBN 978-3-7272-1431-8.

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