Jahrhundert-Dürre: In Kalifornien reisen Lachse im Tankwagen
Aktualisiert

Jahrhundert-DürreIn Kalifornien reisen Lachse im Tankwagen

Im ausgetrockeneten Westen der USA helfen die Menschen der Natur mit Technik nach: Millionen Junglachse müssen neuerdings per Lastwagen zum Meer transportiert werden.

von
Terence Chea
AP
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Weil die Dürre in Kalifornien die Flüsse und Seen austrocknen lässt, sind junge Lachse auf die Hilfe des Menschen angewiesen.

Weil die Dürre in Kalifornien die Flüsse und Seen austrocknen lässt, sind junge Lachse auf die Hilfe des Menschen angewiesen.

AFP/Justin Sullivan
Darum bereiten Mitarbeiter des California Deparment of Fish and Wildlife Millionen sechs Monate alte Lachse für einen ungewöhnlichen Transport vor.

Darum bereiten Mitarbeiter des California Deparment of Fish and Wildlife Millionen sechs Monate alte Lachse für einen ungewöhnlichen Transport vor.

AFP/Justin Sullivan
Starke Arme sind gefragt, um die Lachse in die Tanklaster zu verfrachten.

Starke Arme sind gefragt, um die Lachse in die Tanklaster zu verfrachten.

AFP/Justin Sullivan

Im dürregeplagten Kalifornien erreichen junge Lachse den Pazifik nicht durch einen Fluss, sondern auf der Strasse: Weil die historische Dürre Flüsse und Bäche fast ausgetrocknet hat, werden Millionen sechs Monate alte Lachse mit Tankwagen ans Meer transportiert. Die herkömmliche Wanderung durch die Gewässer würden die Jungtiere wohl kaum überleben.

«Die Dürrebedingungen haben zu niedrigeren Wasserständen in den Flüssen und höheren Wassertemperaturen geführt, und die Fische, die normalerweise flussabwärts schwimmen würden, wären wegen ihrer Feinde und der Wärme sehr, sehr gefährdet», sagt Kari Burr, Biologin der kalifornischen Fischereistiftung.

Seit Jahren schon fährt Kalifornien Zuchtlachse per Lastwagen ans Meer, um Staudämme und riesige Pumpen zu umgehen, die den Süden und die zentralen Agrargebiete des US-Staats mit Wasser versorgen. Doch dieses Jahr werden nach Angaben der Fischereibehörde wegen der Dürre fast 27 Millionen Junglachse auf diese Art transportiert, rund 50 Prozent mehr als normal.

Tanklaster und Plastikschläuche

Jedes Frühjahr setzt die nationale Fischzuchtstation Coleman üblicherweise etwa zwölf Millionen Junglachse im Battle Creek frei, einem Zufluss des Sacramento. Dieses Jahr aber wurden 7,5 Millionen von ihnen direkt zur Bucht von San Francisco gefahren. Denn wegen der Dürre wäre der rund 500 Kilometer lange Weg im Fluss zu gefährlich gewesen.

Ein kleiner Konvoi Tanklastwagen mit Fischen aus der Coleman- Zuchtstation fährt am Dock von Mare Island nördlich der Bucht von San Francisco vor. Dort werden 750'000 Junglachse über lange Plastikschläuche in schwimmende Gehege entladen. Die nur wenige Zentimeter grossen silbrigen Fische akklimatisieren sich in den Gehegen, bevor sie mit Booten der Fischereistiftung in die Bucht gebracht und dort freigelassen werden. Von den Gezeiten werden sie dann ins offene Meer gezogen.

Der Transport mit Lastwagen stellt sicher, dass eine grosse Zahl der Fische überlebt und zum Königslachs heranwächst, der von Fischern und Köchen hoch geschätzt wird. Doch wenn die Fische nicht durch einen Fluss zum Meer schwimmen, bedeutet das, dass die Zugfische in drei Jahren nicht wissen, wie sie zum Laichen von ihren Jagdgebieten im Meer zurück in ihr Heimatgewässer gelangen. «Weil dieser Prägungszyklus durchbrochen ist, ist es unwahrscheinlich, dass es viele Fische zurück nach Coleman schaffen», sagt Scott Hamelberg, Manager der Zuchtstation. «Mit anderen Worten: Sie irren umher. Sie werden die Spur nach Hause nicht finden.»

Hoffen auf Hilfe

Eine Zuchtstation im Bezirk Shasta nutzte einen vorübergehenden Anstieg der Flusspegel nach Regenfällen im April, um 4,5 Millionen Junglachse im Battle Creek auszusetzen. Hamelberg hofft, dass zumindest eine kleine Anzahl von ihnen in einigen Jahren zurückkehrt und den Grundstock für künftige Generationen bildet.

Die Fischereiindustrie drängte, die Tankwagentransporte auszuweiten, um die Chancen für eine gute Lachssaison 2016 zu verbessern. Dann werden die in diesem Jahr ausgesetzten Junglachse ausgewachsen sein. «Ich lebe vom Lachsfang, deshalb ist das ziemlich wichtig für mich», sagt John Terry, Berufsfischer aus dem Staat Washington, beim Entladen seines Fangs am Fisherman's Wharf in San Francisco. «Wir brauchen die Hilfe.»

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