Aktualisiert 28.11.2006 20:51

In Liestal stinkts - und keiner weiss warum

Teils massiver Gestank hat sich seit Montagabend über Liestal und Umgebung ausgebreitet. Der Verursacher war bis Dienstagabend nicht ermittelt.

Die Geruchsbelästigung dauerte am Montag zunächst von 18.30 Uhr bis gegen Mitternacht. Am Morgen kam laut einem Polizeisprecher erneut eine Welle. Danach sei die Geruchsbelästigung aber stark abgeklungen und habe am Dienstagabend kaum noch bestanden, teilte die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion mit.

Von Kläranlage aus

Ausgebreitet hatte sich der Gestank von der Kläranlage (ARA) Frenke 3 aus, wie die Behörden nach mehrstündiger Suche herausfanden. Die ARA Frenke 3 liegt in Bubendorf, einer Nachbargemeinde von Liestal. Sie klärt auch die Abwässer aus Ziefen, Ramlinsburg, Hölstein und Seltisberg.

Der Verursacher blieb indes vorerst unbekannt. Auslöser muss laut der Bau- und Umweltschutzdirektion ein Einleiter aus den angeschlossenen Gemeinden sein: Über die Kanalisation seien chemische Substanzen in die ARA geleitet worden, die in den Belebungsbecken einen üblen Gestank entwickelten.

Als möglicher Verursacher stehe ein Chemiebetrieb in der Umgebung im Vordergrund, sagte Rolf Klaus, Leiter des Sicherheitsinspektorats Baselland, gegenüber «Schweiz aktuell» des Schweizer Fernsehens. Nur ein Chemiebetrieb besitze so viele Chemikalien, dass eine derartige Geruchsbelästigung entstehen könne.

Proben entnommen

Das Amt für Umweltschutz und Energie des Kantons hat inzwischen in mehreren Betrieben der Region so genannte Rückstellproben von in die ARA geleiteten Abwässern sicher gestellt. Solche Proben müssen Einleiter zu Prüfzwecken zurückhalten. Zudem entnahm das Amt Proben aus der ARA sowie der dort vorbeifliessenden Frenke.

Die Untersuchung der Proben sei arbeitsaufwändig und könne mehrere Tage dauern, hiess es in der Mitteilung. Die Geruchsbelästigung soll derweil bis Mittwoch durch schrittweises Auswechseln des Klärschlamms in der ARA definitiv gestoppt werden; der alte Klärschlamm wird dabei verbrannt.

Einsatzkräfte aufgeboten

Weiter im Einsatz standen am Dienstagabend die Chemiewehr Baselland samt Messtrupp, die Stützpunktfeuerwehr Liestal, Teile des Liestaler Gemeindeführungsstabs, die Polizei, das Sicherheitsinspektorat Baselland und Angehörige der Ämter für Umweltschutz und Energie sowie für Industrielle Betriebe des Kantons.

Vorsorglich war schon am Montagabend das Liestaler Grundwasserpumpwerk Gitterli abgeschaltet worden. Dadurch sollte verhindert werden, dass Wasser aus dem Einzugsgebiet der Frenke ins Trinkwassernetz gelangt. Die Trinkwasserversorgung habe aber nie in Frage gestanden.

Hotline für Bevölkerung

Gemäss Polizeiangaben lagen zudem alle gemessenen einschlägigen Schadstoffe unter den Grenzwerten. Das Kantonsspital Liestal stellte vorübergehend seine Lüftung von Aussenluft auf Umluftbetrieb um. Laut Spitalverwaltung handelte es sich dabei aber um einen problemlosen Routinevorgang.

In Liestal richtete zudem der Führungsstab eine Telefon-Hotline ein, die bis Mittwochnachmittag in Betrieb bleiben soll. Bei der Polizei waren allein bis Montag um 22 Uhr über 200 Anrufe eingegangen. Anrufer hätten von Gas- oder Ölgeruch, Gülle oder faulen Eiern gesprochen. Experten definierten den Geruch als leicht flüchtige Schwefelverbindung.

(sda)

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