In Luzern beginnt die Erde zu rutschen
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In Luzern beginnt die Erde zu rutschen

Im Kanton Luzern hat sich die Hochwasserlage entlang der Kleinen Emme entspannt. Allerdings kamen mehrere durchnässte Hänge ins Rutschen. In der Nacht war ein Mann bei Aufräumarbeiten schwer verletzt worden.

Wegen der anschwellenden Kleinen Emme war am Mittwochabend in Emmen, Littau und Reussbühl Hochwasseralarm gegeben worden. Im Littauerboden wurde ein Mann durch einen angeschwemmten Baumstamm schwer verletzt. Er musste hospitalisiert werden.

Der Seetalplatz in Emmenbrücke wurde gesperrt. Im dortigen Kino Maxx wurden die Filmvorführungen abgebrochen und die Besucher nach Hause geschickt. In Malters wurden 65 Personen vorsorglich evakuiert.

Seetalplatz wieder offen

Am Donnerstagmorgen konnte die Evakuierung wieder aufgehoben werden. Um 9.30 Uhr transportierte die Kleine Emme in Littau noch 230 m3 Wasser pro Sekunde. Die Höchstmenge am Mittwochabend hatte 564 m3 pro Sekunde betragen. Beim Hochwasser 2005 lag das Maximum sogar bei 764 m3 pro Sekunde.

Konnte am Donnestagmorgenorgen mit dem Seetalplatz der wichtigste Verkehrsknoten im Kanton wieder dem Verkehr übergeben werden, so blieben andere Strassen gesperrt. Betroffen waren die Regionen Hitzkirch, das Rontal oder Wolhusen. Auch der Zugsverkehr zwischen Wolhusen und Menznau blieb unterbrochen.

Im Kanton Luzern standen bis zu 53 Feuerwehren mit über 1500 Eingeteilten im Einsatz. Auf den Notrufnummern seien am Mittwochabend zwischen 17 Uhr und 22 Uhr 1000 Anrufe eingegangen, sagte Urs Wigger, Sprecher der Kantonspolizei.

Die Gebäudeversicherung des Kantons Luzern (GVL) erwartet zwischen 600 und 800 Schadenfälle mit einer Schadensumme von sechs bis acht Millionen Franken. Laut Mitteilung der GVL verteilen sich die Schadenfälle über das ganze Kantonsgebiet. Am stärksten betroffen sind die Gemeinde Littau und das Seetal. Zum Vergleich: Beim Hochwasser 2005 verzeichnete die Gebäudeversicherung Schäden von 240 Mio. Franken.

Krisenstab aufgelöst

Am Donnerstagmittag wurde der Kantonale Krisenstab aufgelöst. Es waren noch 25 Feuerwehren mit kleinen Einheiten am Arbeiten. Sie reinigten in erster Linie Strassen oder entfernten Sandsäcke. Ölwehren mussten in Heizkeller einrücken.

Nach dem heftigen Regen kam es am Donnerstag zu mehreren Hangrutschungen. Ernsthaft verletzt wurde gemäss Kantonspolizei aber niemand.

In Römerswil mussten vier Personen vorsorglich evakuiert werden, weil eine Liegenschaft von einem Hangrutsch bedroht war. In Kottwil schlipfte ein Hang, als ein Bauer diesen sichern wollte. Der Rutsch brachte den Traktor zum Kippen und erfasste ein Auto. Die Lenkerin des Wagens erlitt einen Schock, ihre Kinder blieben unverletzt.

See trat nicht über die Ufer

Die Stadt Luzern hat das Hochwasser ohne grössere Schäden überstanden, wie sie mitteilte. Obwohl der Pegel des Sees weiter steigt, erwartet die Stadt keine Überschwemmungen.

Am Donnerstagmittag lag der Pegel des Vierwaldstättersees bei 434,22 Meter und somit deutlich unter dem Höchststand von 2005, als er 435,23 Meter betrug. Das Reusswehr war am Mittwoch komplett geöffnet worden, um Schäden durch Schwemmmaterial zu verhindern. (sda)

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