Aktualisiert 21.05.2013 13:35

Kein WiderstandIn Medel GR sind Asylbewerber willkommen

Auf dem Lukmanier wird Anfang Juni ein Bundesasylzentrum eröffnet. Die Bevölkerung hat nichts dagegen, im Gegenteil – sie freut sich. Die Asylsuchenden werden nützliche Arbeiten erledigen.

von
lüs
In diese unterirdischen Truppenunterkunft auf dem Lukmanierpass ziehen Anfang Juni Asylbewerber ein.

In diese unterirdischen Truppenunterkunft auf dem Lukmanierpass ziehen Anfang Juni Asylbewerber ein.

Wo Pläne für die Eröffnung von Asylunterkünften bekannt werden, lässt der Widerstand aus der Bevölkerung gewöhnlich nicht auf sich warten. Nicht so im bündnerischen Medel: Dort wird Anfang Juni in einer unterirdischen Truppenunterkunft auf dem Lukmanierpass ein Bundeszentrum für bis zu 80 Asylsuchende eröffnet – ohne dass es irgendjemanden stören würde: An einer Informationsveranstaltung für die 400 Einwohner der Gemeinde letzte Woche wurde keine einzige kritische Frage gestellt, wie die «Südostschweiz» berichtet.

Peter Binz, Gemeindepräsident von Medel, sagt: «Die Bevölkerung ist für die Asylbewerber bereit.» Es komme gut an, dass die Asylsuchenden nützliche Arbeiten ausführen werden: Die Gemeinde hat ein Beschäftigungsprogramm auf die Beine gestellt, bei dem sie Arbeiten im Wald und auf den Weiden ausführen und Wanderwege ausbessern werden. «Wenn so das eine oder andere erledigt werden kann, das wir sonst erst später oder gar nie gemacht hätten, ist dies ein positiver Nebeneffekt.» Das nütze aber nicht nur der Gemeinde, sondern auch den Asylbewerbern: Eine solche Beschäftigung sei beliebt, wie Erfahrungen von anderen Bundesasylzentren gezeigt hätten.

«Wir werden ihnen begegnen wie allen Gästen – mit Respekt»

Auch in Sufers GR wurde bis vor kurzem ein Bundeszentrum für Asylsuchende betrieben. Dass dort alles glatt gelaufen sei, habe die Leute in Medel ermutigt, sagt Binz. Probleme gab es dort nur am Anfang – im Laden wurde gestohlen. Sollte das auch in Medel passieren, will man zur gleichen Massnahme wie in Sufers greifen: Asylsuchende durften Läden nicht mehr in Gruppen betreten, um das Ladenpersonal nicht zu überfordern.

Neben dem Beschäftigungs- gibt es für die Asylbewerber in Medel auch ein Freizeitprogramm: «Sie werden unsere Turnhalle und unseren Fussballplatz nutzen können», so Binz. Man werde ihnen begegnen wie allen Gästen – mit Respekt. Das sagt auch Gabriela Lutz, Wirtin im Hospiz St. Maria auf dem Lukmanierpass: «Die Asylsuchenden sind bei uns auch als Gäste willkommen.» Lange werden sie jedoch nicht bleiben: Sobald auf dem 1900 Meter hohen Pass der erste Schnee kommt, wird das Asylzentrum wieder geschlossen.

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