Bonner Terrorverdächtige: «In naher Zukunft Anschlag geplant»
Aktualisiert

Bonner Terrorverdächtige«In naher Zukunft Anschlag geplant»

Die Staatsanwaltschaft Bonn hat gegen die beiden am Freitag am Flughafen Köln/Bonn festgenommenen Terrorverdächtigen Haftbefehl beantragt.

Die beiden Männer werden der Verabredung eines Verbrechens verdächtigt, wie Behördensprecher Friedrich Apostel am Samstag erklärte. «Nach den Unterlagen gibt es Anlass zu der Annahme, dass beide in naher Zukunft einen Anschlag geplant hatten», sagte Apostel. Nun muss der Haftrichter über den Antrag entscheiden.

Nach Angaben des Staatsanwaltes sind erhebliche weitere Ermittlungen nötig. Den Haftantrag zu stellen, sei eine schwierige Entscheidung gewesen, weil die Ermittler alles sehr sorgfältig hätten prüfen müssen. So seien elektronisch gesicherte Daten ausgewertet worden. Der Haftrichter sollte noch im Laufe des Abends über den Antrag entscheiden.

Die Bonner Ermittler informierten laut Apostel auch ihre Kollegen von der Bundesanwaltschaft. Die Karlsruher Behörde werde entscheiden, ob sie den Fall an sich ziehe.

Die beiden aus Somalia stammenden Männer wurden am Freitagmorgen auf dem Flughafen Köln/Bonn festgenommen, als sie nach Amsterdam fliegen wollten. Sie wollten über die Niederlande nach Entebbe in Uganda fliegen, wie «Der Spiegel» am Samstag vorab berichtete. Apostel dementierte dies nicht.

Keine Waffen oder Munition gefunden

Bei mehreren Durchsuchungen unter anderem in den Wohnungen der beiden Männer wurde laut Apostel Material sichergestellt, darunter auch elektronische Daten. Diese müssten erst geprüft werden. Waffen, Munition oder sonstige gefährliche Gegenstände wurden nach Angaben des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen bei den Durchsuchungen nicht gefunden.

Laut «Spiegel» soll es Hinweise auf einen möglichen Anschlag in Uganda geben, wo es einige bekannte jüdische Einrichtungen gebe. Die Ermittler vermuteten allerdings demnach, dass die beiden Verdächtigen nach Pakistan weiterreisen wollten. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble erklärte bei einem Treffen mit Amtskollegen in Bonn, die Operation am Flughafen sei in internationaler Zusammenarbeit geschehen.

Angeblich Islamistenzirkel aus Raum Bonn observiert

Die beiden Festgenommenen sollen dem «Spiegel» zufolge zu einem Islamistenzirkel aus dem Raum Bonn gehören, der seit Wochen vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) observiert wurde. Der vorgesehene Flug der beiden Festgenommenen sei offenbar Teil einer geplanten Ausreisewelle von zum Heiligen Krieg Entschlossenen gewesen.

In den vergangenen Jahren seien bereits 50 Extremisten aus Deutschland zu Aufenthalten in Ausbildungslagern im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aufgebrochen, schrieb der «Spiegel» unter Berufung auf eine vertrauliche Analyse des BfV. Weder das BfV noch die Staatsanwaltschaft Bonn kommentierten den Bericht.

Zwischen den Festgenommenen Omar D. und Abdirazak B. einerseits und dem per Haftbefehl als Terrorverdächtigen gesuchten deutschen Konvertiten Eric Breininger besteht dem Blatt zufolge zumindest eine indirekte Verbindung. Alle drei sollen einen Bonner Mann namens Mohammed B. kennen, der im Verdacht stehe, junge Gotteskrieger-Rekruten nach Pakistan zu vermitteln.

Breininger und Houssain Al Malla, nach denen seit Donnerstag wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung öffentlich gefahndet wird, sind möglicherweise sogar schon wieder nach Deutschland eingereist, wie Schäuble der «B.Z. am Sonntag» sagte. Die beiden Terrorverdächtigen, die zum Umfeld der Sauerländer Terrorzelle zählen, sollen auf dem Rückweg von einem islamistischen Ausbildungscamp sein. (dapd)

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