Präsidentschaftswahlen: In Nigeria kündigt sich eine Stichwahl an
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PräsidentschaftswahlenIn Nigeria kündigt sich eine Stichwahl an

Nigeria wählt seinen Präsidenten neu: Dem Amtsinhaber werden die besten Chancen eingeräumt, die Herausforderer könnten aber für eine Überraschung sorgen. Die Wahl wird von Gewalt überschattet.

Wahlplakat für den amtierenden Präsidenten Jonathan Goodluck (links) und seinen Vize Namadi Sambo in Jos am 15. April 2011.

Wahlplakat für den amtierenden Präsidenten Jonathan Goodluck (links) und seinen Vize Namadi Sambo in Jos am 15. April 2011.

Eine Woche nach der Parlamentswahl ist in Nigeria am Samstag ein neuer Präsident gewählt worden. Als Favorit unter den 19 Kandidaten galt der amtierende Staatschef Goodluck Jonathan, doch auch dem ehemaligen Präsidenten Muhammadu Buhari wurden Chancen eingeräumt.

Ein weiterer Kandidat ist der frühere Anti-Korruptions-Aktivist Nuhu Ribadu, der für die Oppositionspartei Action Congress ins Rennen geht. Beobachter erwarteten, dass keiner der Bewerber in der ersten Runde eine ausreichende Mehrheit erhält und eine Stichwahl nötig wird. Erste Ergebnisse der Präsidentenwahl werden Anfang der Woche erwartet.

Mehr als 73 Millionen Menschen waren im bevölkerungsreichsten Land Afrikas aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Trotz Berichten über einen relativ geordneten Verlauf der Wahl erhob Buhari Manipulationsvorwürfe.

Vor den Wahllokalen bildeten sich bereits am frühen Morgen lange Schlangen, wie AFP-Reporter berichteten. Nach der Öffnung der Wahllokale fand zunächst eine vierstündige sogenannte Akkreditierung der Abstimmungsberechtigten statt, bevor ab dem Mittag die Wahlzettel ausgefüllt werden konnten.

«Wähler kennen ihre Rechte»

«Es gibt mittlerweile keine Manipulationsversuche mehr», sagte dagegen ein 46 Jahre alter Kaufmann vor einem Wahllokal in der Hauptstadt Abuja. «Immer mehr Menschen sind sich ihrer Rechte bewusst», fügte er an.

Im Vorfeld der Abstimmung hatte vor allem die Ernennung des Wissenschaftlers Attahiru Jega zum Chef der Wahlkommission für zunehmendes Vertrauen in einen ordnungsgemässen Ablauf des Urnengangs gesorgt.

Der 53-jährige Jonathan von der Demokratischen Volkspartei war erst vor einem knappen Jahr als Staatschef vereidigt worden, nachdem er den schwer erkrankten Präsidenten Umaru Yar'Adua bis zu dessen Tod zunächst kommissarisch vertreten hatte.

Nach seiner Stimmabgabe im christlichen Süden des Landes sagte Jonathan, Nigeria erlebe nun «eine wahre Demokratie, in der die Politiker auf die Menschen zugehen». Er wolle den Ausgang der Wahl «nicht beeinflussen».

Sein 69-jähriger Herausforderer Buhari, der Nigeria in den Jahren 1984 und 1985 mit eiserner Hand regiert hatte, gab seine Stimme im muslimischen Norden ab, wo er sehr beliebt ist.

Er beklagte Fälschungsversuche in vielen Wahllokalen, über die sich die Menschen direkt vor Ort beschwerten. Zudem warf er dem gegnerischen Lager vor, es seien vorab zahlreiche Stimmzettel zu Gunsten Jonathans ausgefüllt worden, was von der Polizei untersucht werde.

Jonathan Favorit

Jonathan ist der Kandidat der Regierungspartei PDP und eindeutiger Favorit. Dennoch könnten die Kandidaten der Opposition von der Unzufriedenheit einiger Wähler profitieren.

So wird die gegenwärtige Führung des Landes für einen Mangel an sauberem Trinkwasser, Schulen, Strom sowie Arbeitsplätzen verantwortlich gemacht. Die Mehrheit der 150 Millionen Nigerianer müssen mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen.

Sachschaden bei Explosion

Nach Polizeiangaben explodierte am späten Freitag in der Nähe eines Zentrums der Wahlkommission in der nordöstlichen Stadt Maiduguri eine Bombe, die Schäden an Gebäuden anrichtete, aber offenbar niemanden verletzte.

Am Samstag gab es der Katastrophenschutzbehörde zufolge in der Stadt eine zweite Explosion. Bereits während der Parlamentswahl vor einer Woche war es in Maiduguri zu zwei Explosionen gekommen.

Die ursprünglich für den 2. April vorgesehene Parlamentswahl hatte wegen organisatorischer Probleme zweimal verschoben werden müssen. Der Wahltermin vor einer Woche war ebenfalls von vereinzelter Gewalt überschattet.

Am 26. April stehen in Nigeria noch Abstimmungen über die Gouverneure und Regionalparlamente an. Das Duell zwischen Jonathan und Buhari könnte zudem erstmals seit der Rückkehr des Landes zur Demokratie im Jahr 1999 zu einer Stichwahl führen. (dapd)

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