Weniger als 9 Quadratmeter: In Paris wohnen Tausende in «Hühnerkäfigen»
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Weniger als 9 QuadratmeterIn Paris wohnen Tausende in «Hühnerkäfigen»

Es gibt in Paris rund 7000 Wohnungen, die weniger als neun Quadratmeter messen. Die Behörden wollen «in naher Zukunft» das Problem lösen.

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Die Wohnung von Ivan Lopez in Paris ist kaum 6,8 Quadratmeter gross.

Die Wohnung von Ivan Lopez in Paris ist kaum 6,8 Quadratmeter gross.

AFP
Der gebürtige Mexikaner wohnt seit acht Jahren dort. Obwohl er zwei feste Jobs hat, kann er eine «normale» Wohnung nicht mieten, denn er kennt keinen in Frankreich, der für ihn bürgt.

Der gebürtige Mexikaner wohnt seit acht Jahren dort. Obwohl er zwei feste Jobs hat, kann er eine «normale» Wohnung nicht mieten, denn er kennt keinen in Frankreich, der für ihn bürgt.

AFP/Thomas Samson
Lopez wartet darauf, dass sein Mini-Apartement von den Behörden als «unbewohnbar» eingestuft wird. In Paris gibt es noch rund 7000 solche sogenannten «cages à poule» (Hühnerkäfige), die weniger als neun Quadratmeter messen.

Lopez wartet darauf, dass sein Mini-Apartement von den Behörden als «unbewohnbar» eingestuft wird. In Paris gibt es noch rund 7000 solche sogenannten «cages à poule» (Hühnerkäfige), die weniger als neun Quadratmeter messen.

AFP/Thomas Samson

Eine Kochplatte, eine Matratze, eine winzige Duschkabine – mehr passt nicht in die Wohnung von Ivan Lopez (35). Der Mann wohnt seit acht Jahren in einer 6,8 Quadratmeter grossen – oder besser gesagt kleinen – Mansardenwohnung in Paris, für die er monatlich umgerechnet 400 Franken bezahlt. Lopez ist kein Einzelfall. Tausende Menschen leben in der französischen Hauptstadt in sogenannten «cages à poule» – in Hühnerkäfigen.

Obwohl Lopez zwei feste Jobs hat, kann er keine «normale» Wohnung mieten. Er ist gebürtiger Mexikaner und hat keine Familie in Frankreich. Das heisst, er hat auch keine Drittperson, die für ihn bürgt. Normalerweise wird das bei einer Anmietung zusammen mit zwei Monatsmieten Kaution verlangt.

Im Sommer zu heiss, im Winter zu kalt

«Ich arbeite nachts als Rezeptionist», erzählt Lopez der Nachrichtenagentur AFP. Im Sommer kann er tagsüber in seiner Wohnung nicht schlafen. «Es ist erstickend heiss», sagt er. Im Winter hingegen ist sie meistens ohne Heizung und viel zu kalt.

Victoire Ratrimoson (67) erzählt eine ähnliche Geschichte. Auch sie versucht, so wenig Zeit wie möglich in ihrer Wohnung zu verbringen, weil diese «zu heiss, zu klein, zu unbequem» sei. Ratrimoson kam 2011 aus Madagaskar, um als Hausangestellte bei einer Familie zu arbeiten, die im selben Gebäude wohnte. Sie wurde in der 7,5 Quadratmeter grossen Dachwohnung im sechsten Stock untergebracht.

Doch als die Familie wegzog, entliess sie Ratrimoson und forderte die Frau auf, die Wohnung zu verlassen. Die ehemalige Haushälterin klagte vor Gericht. Heute wartet sie darauf – wie Lopez auch –, dass ihr Appartement als «unbewohnbar» deklariert wird, und der Staat sie in eine Sozialwohnung umquartiert.

Pariser Behörden versprechen Besserung

«Es gibt in Paris noch rund 7000 solcher Mansarden, die weniger als neun Quadratmeter messen», erklärt Sarah Coupechoux von der Stiftung Abbé Pierre, die sich für Menschen in Wohnungsnot einsetzt. Die Wohnungen stammten noch aus der Zeit der Haussmann'schen Umbauten Ende des 19. Jahrhunderts. Damals gehörte es zum Standard, dass die Angestellten einer bürgerlichen Familie in den kleinen Besenkammern im obersten Stockwerk wohnten.

Die Stadtbehörde wolle «in naher Zukunft einen Umbauplan präsentieren, um die Mini-Apartements in angemessenere Wohnräume zu verwandeln», verspricht Ian Brossat vom Pariser Bauamt.

Vor rund drei Jahren sorgte der Fall einer 1,56 Quadratmeter grossen Wohnung für Schlagzeilen. Der Mieter, der 15 Jahre lang dafür monatlich 410 Franken bezahlt hatte, verklagte im Oktober 2013 die Vermieterin. Rund sechs Monate später entschied ein französisches Gericht zu seinen Gunsten: Auf einer so kleinen Wohnfläche zu leben, sei nicht zulässig. Das Gericht sprach dem Mieter 12'000 Franken Schadenersatz zu.

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