Aktualisiert 16.03.2017 08:54

Urban Art

In Pratteln sind die Sprayer los

Auf einer Fläche von 1500 Quadratmetern dürfen sich beim Bahnhof Pratteln 15 ausgewählte Graffiti-Künstler und Maler aus der Region Nordwestschweiz frei austoben.

von
rob

Wer bei Graffiti an lieblos vollgeschmierte Unterführungen und Bahnhofsareale denkt, kann ab heute sein Weltbild erweitern. Im Industriegelände beim Bahnhof Pratteln zeigen 15 ausgewählte Sprayer und Maler, dass es auch anders geht. 1500 Quadratmeter an grauen Fassaden und Mauern – darunter die grösste besprühbare Fläche der Schweiz – kriegen in diesem Moment literweise Farbe verpasst. Und das ganz legal.

Auslöser ist die neu aufgezogene Biennale Pratteln. In der Galerie Hermann Alexander Beyeler im Buss-Industriepark stellen vom 16. bis und mit 19. März erstmals 50 Kunstschaffende aus der Region ihre Werke aus.

1600 Spraydosen versprüht

Wobei in der Galerie nur zum Teil stimmt. Denn knapp ein Drittel der teilnehmenden Künstler gestalten und präsentieren ihre Werke unter freiem Himmel. Seit Montag wird der alte Teil des Buss-Areals grosszügig besprayt, bemalt und bekleistert. «Rund 1600 Spraydosen werden dafür gebraucht. Und natürlich auch unzählige Farbkübel», sagt Philipp Brogli. Er ist Gründer und Leiter des Artstübli, eine Plattform für regionale urbane Kunst, und für die «Young Urban Arts» der Biennale zuständig.

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Für die Biennale Pratteln stehen 15 Graffiti-Künstlern und Malern 1500m2 Fassaden-Fläche zur freien Verfügung. Darunter ist auch diese Fassade. Mit  350 m2 ist sie die grösste besprühte Fläche der Schweiz.

Für die Biennale Pratteln stehen 15 Graffiti-Künstlern und Malern 1500m2 Fassaden-Fläche zur freien Verfügung. Darunter ist auch diese Fassade. Mit 350 m2 ist sie die grösste besprühte Fläche der Schweiz.

Johannes Friedrich
Seit 20 Jahren ist André Morgner unter dem Pseudonym «Boogie» weltweit als Sprayer unterwegs. Zusammen mit Sprayer-Kollegen Pablo Fontagnier aka. «Hombre» ist er für das «Mammut» der Ausstellung, wie er es nennt, verantwortlich.

Seit 20 Jahren ist André Morgner unter dem Pseudonym «Boogie» weltweit als Sprayer unterwegs. Zusammen mit Sprayer-Kollegen Pablo Fontagnier aka. «Hombre» ist er für das «Mammut» der Ausstellung, wie er es nennt, verantwortlich.

Johannes Friedrich
Die Künstler sorgen dafür, dass der Industriepark beim Bahnhof Pratteln in neuen Farben erstrahlt.

Die Künstler sorgen dafür, dass der Industriepark beim Bahnhof Pratteln in neuen Farben erstrahlt.

rob

Im November 2016 sei die Ausstellungs-Leitung auf ihn zugekommen. «Die Sprayer sind ein wichtiger Teil der regionalen Kultur geworden. Durch das Projekt wollen wir ihnen nun eine legale Plattform bieten, die auch zusätzliche Dynamik in die Biennale bringt», erklärt Ausstellungsmacher Franco Fornara diesen Schritt.

Freie Motiv-Wahl

Brogli hat das nötige Netzwerk, um interessierte Freiluftkünstler zusammenzutrommeln. Er fertigte Pläne des Areals und diskutierte gemeinsam mit den Künstlern, wer welche Fläche zur Verfügung gestellt bekommt. Was auf den Wänden landen würde, war jedoch den Künstlern selbst überlassen. «Es gab keine Vorgaben für die Motive. Ich vertraute den Künstlern, und die Ausstellungs-Leitung musste mir vertrauen», erzählt Brogli. Das tat sie auch.

«Wir haben es zum Glück mit einem kunstaffinen Areal-Besitzer zu tun», sagt Brogli und meint damit den Unternehmer und Kunstmäzen Hermann Alexander Beyeler, dem die Immobilien auf dem Platz gehören und der die Biennale mit aufzog.

Vergängliche Kunstwerke

Einer der 15 engagierten Künstler ist André Morgner aka. «Boogie». Seit gut 20 Jahren ist der in diplomierte Grafik-Designer weltweit als Sprayer unterwegs. In Pratteln darf er gemeinsam mit Sprayer-Kollege Pablo Fontagnier aka. «Hombre» ganze 350 Quadratmeter bearbeiten. «So viel ich weiss, ist das die grösste Fläche, die schweizweit jemals besprüht wurde», so Morgner. Das gewählte Motiv des exorbitanten Graffitis ist eine Art Selbstporträt der beiden, das «vor allem zeigen soll, was wir machen und können», fügt der 39-Jährige an.

Die Urban Art auf dem Buss-Areal aber ist vergänglich. In zwei, bis drei Jahren werden die Gebäulichkeiten abgerissen. Bis dahin werden laut Brogli aber noch viele Kunstwerke entstehen. «Die Biennale ist der Startschuss. Es gibt hier noch viele leere Wände. Interessierte sollen sich bei mir melden.»

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