Aktualisiert 23.06.2011 17:50

Wegen Polyphenole

In saure Äpfel beissen statt Pillen schlucken

Pflanzenstoffe im Apfel können vor chronischen Krankheiten schützen. Doch nicht jede Sorte enthält gleich viel der Gesundmacher.

von
Markus Seifert

Schon Grossmutter sagte: «Täglich ein Apfel hält den Doktor fern.» Diesen Gesundheitstipp hat Maria Ceymann, Doktorandin an der Forschungsanstalt Agroscope in Wädenswil, genauer unter die Lupe genommen. Sie untersuchte verschiedene Apfelsorten auf ihren Gehalt an Polyphenolen – das sind Substanzen, die von Pflanzen als Farb- und Geschmackstoffe sowie zur Abwehr von Fressfeinden und Anlockung von Bestäubern gebildet werden. Im Körper des Menschen haben sie eine gesundheitsfördernde Wirkung (siehe Info-Box).

Ceymann untersuchte rund 50 in der Schweiz wirtschaftlich bedeutsame Apfelsorten. Resultat: Die Unterschiede im Gehalt von Polyphenolen sind von Sorte zu Sorte gross. Am meisten enthalten die Tafeläpfel Discovery, Schneiderapfel und Boskoop. Fast viermal mehr als die Sorten Nicoter und Braeburn. Der beliebteste Schweizer Apfel, Gala, bewegt sich im oberen Mittelfeld. Der weitaus gesündeste Apfel ist aber ausgerechnet einer, der zum Essen schlicht zu sauer ist: der Mostapfel. Most trinken hilft aber leider nicht. Denn viele Polyphenole bleiben beim Pressen auf der Strecke.

«Zwar ist der Polyphenolgehalt von Spinat oder Orangen höher als derjenige von Äpfeln», sagt Ceymann. Aber sie gibt zu bedenken, dass Äpfel gleich vier verschiedene Typen aus dieser Substanzgruppe in einer Kombination enthalten, wie sie sonst in keinem anderen Lebensmittel vorkommt. «Und wenn man den Polyphenolgehalt mit der Portionengrösse vergleicht, die man verzehrt, ist der Apfel der optimale Gesundmacher.»

Gut gegen viele Krankheiten

Polyphenole wirken als Antioxidantien, das heisst, sie fangen so genannte freie Radikale ab – jene kurzlebigen Moleküle, die überall und ständig neu gebildet werden, sich chemisch aggressiv verhalten und dadurch andere Moleküle im Organismus schädigen. Mit freien Radikalen werden zahlreiche chronische Erkrankungen sowie der Alterungsprozess generell in Zusammenhang gebracht.

Bei einigen Polyphenolen ist der gesundheitsfördernde Effekt nachgewiesen: Sie helfen bei Entzündungen, Allergien und Gefässablagerungen. Versuche mit Zellen legen sogar eine krebshemmende Wirkung nahe. Zwar ist noch nicht klar, welche Polyphenole gegen welche Krankheiten helfen. Aber gewisse Zusammenhänge sind eindeutig: Wer viel Obst und Gemüse isst, reduziert das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und einige Krebskrankheiten.

Gesunde Hitparade

Nahrungsmittel / Mittel / Min. / Max.

Orangen / 278 / 8 / 337

Spinat / 248 / 32 / 483

Äpfel / 201 / 66 / 430

Bananen / 154 / 11 / 231

Aprikosen / 133 / 133 / 133

Grapefruit / 121 / 29 / 145

Karotten / 57 / 8 / 156

Polyphenolgehalt (in Milligramm pro 100 Gramm frische Früchte)

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