Aktualisiert 31.01.2013 07:19

Massive Zunahme

In SBB-Zügen wird mehr gepöbelt und gestohlen

Anspucken, drohen, stehlen: 2012 haben Diebstähle in SBB-Zügen um 20 Prozent zugenommen, Gewalt gegen Reisende gar um 70 Prozent. Die SBB reagieren darauf mit mehr Bahnpolizisten.

von
rom
Wegen mehr Diebstählen und Gewalt setzt die SBB mehr Bahnpolizisten ein.

Wegen mehr Diebstählen und Gewalt setzt die SBB mehr Bahnpolizisten ein.

Die Zahlen des neusten SBB-Sicherheitsrapports sind erschreckend: Letztes Jahr registrierten die SBB 9000 Diebstähle an Reisenden, wie die «SRF-Rundschau» berichtet. Das sind 20 Prozent mehr als 2011. SBB-Sprecher Stephan Wehrle führt dies in erster Linie auf spezialisierte Diebesbanden aus Nordafrika und Osteuropa zurück. Diese schlagen nicht nur immer öfter zu – auch ihre Maschen werden immer dreister. So schlitzen sie etwa die Hosen von schlafenden Passagieren auf, um an Handys zu kommen.

Auch Tätlichkeiten gegen Zugbegleiter haben zugenommen – von 200 auf 240. Damit diese überhaupt noch Ticketkontrollen durchführen können, muss die Bahn sie deshalb auf zahlreichen Strecken mit zwei Sicherheitsleuten beschützen. Den krassesten Anstieg gab es aber bei der Zahl der Tätlichkeiten gegen Reisende: Sie stieg von 100 auf 170 – ein Plus von 70 Prozent. «Die steigende Gewaltbereitschaft macht nicht Halt vor den Zugstüren», sagt Harry Wessner, Kommandant der SBB-Bahnpolizei, in der «Rundschau». Immer mehr Übergriffe hätten mit Alkoholkonsum zu tun.

Die SBB hofft, die steigende Gewalt und die Diebesbanden mit mehr Sicherheitskräften in den Griff zu kriegen. Personenverkehrs-Chefin Jeannine Pilloud baute die Bahnpolizei letztes Jahr bereits um 40 zusätzliche Stellen aus. Sie sagt: «Ich hoffe, dass wir in Zukunft weniger Gewalt und Eskalation verzeichnen.»

Kurt Schreiber*, Diebstähle und Gewalt in SBB-Zügen haben massiv zugenommen. Wie überrascht sind Sie?

Ich finde es schlimm. Vor allem die Tätlichkeiten gegen Reisende, leider eine Zeiterscheinung. Wer heutzutage jemandem sagt, er solle die Schuhe vom Sitz nehmen, riskiert bereits eine Schlägerei.

Bei Diebstählen stecken oft Banden aus Nordafrika und Osteuropa dahinter. Wie soll man dies stoppen?

Das kann die SBB nicht allein, da ist die Politik gefordert. Die Schweiz muss bei Ausschaffungen härter durchgreifen.

Die SBB haben bei ihrer Polizei aufgestockt. Reicht das?

Ich befürchte nein, doch noch mehr zusätzliches Personal könnte erneut höhere Ticketpreise zur Folge haben.

Was raten Sie jenen, die sich nicht mehr in Züge getrauen?

In leeren Zügen abends zu anderen Personen sitzen, statt in ein eigenes Abteil.

*Kurt Schreiber ist Präsident von Pro Bahn

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