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Nati-Neuling Kienzle«In Schaffhausen kennt mich niemand»

Vom Eishockey-Brachland Schaffhausen über Zürich und Lugano in die Nati. Verteidiger Lorenz Kienzle (26) ist einer von elf Neulingen am Wochenende am Deutschland-Cup.

von
Marcel Allemann

Lorenz Kienzle, Sie kommen aus der Handball-Hochburg Schaffhausen. Weshalb wurden Sie Eishockeyaner?

Die Eltern wollten mich zunächst ins Handball oder ins Fussball schicken, aber dort wurde ich damals für zu jung befunden. Beim EHC hatten sie dagegen zu wenige Spieler und boten mir an, ins Training zu kommen. Später spielte ich parallel dazu noch Fussball, entschied mich dann aber für Eishockey, weil es mir mehr Spass machte.

Sie sind mit Bestimmtheit der einzige NLA-Spieler aus Schaffhausen.

Davon gehe ich aus. Früher gab es jedoch noch Michael Diener. Schaffhausen ist eben kein Eishockey-Kanton, das interessiert dort niemanden.

Wie kamen Sie von Schaffhausen weg und wurden zum gestandenen Hockeyspieler?

Ich war in der Schaffhausen-Thurgau-Auswahl und hatte danach die Möglichkeit, für den HC Thurgau zu spielen. In den Novizen klopfte dann die ZSC-Organisation an und machte mir einen Wechsel nach Zürich schmackhaft.

Später erkämpften Sie sich beim ZSC einen Platz, zogen aber 2010 nach Lugano weiter. Was war der Grund?

Ich bildete damals mit Radoslav Suchy das erste Verteidigerpaar. Doch ich wusste, dass Severin Blindenbacher nach Zürich zurückkehren würde und es für mich dann schwierig wäre. Da kam das Angebot von Lugano, das mir gegenüber signalisierte, mit Jungen arbeiten zu wollen, gerade recht. Es war der ideale Zeitpunkt, mal etwas Neues zu sehen.

Und in Lugano konnten Sie sich gut entwickeln und Jahr für Jahr steigern.

Zunächst war es sehr schwierig. Ich musste damals unter Larry Huras ziemlich auf die Zähne beissen und fand mich auch einige Male auf der Tribüne wieder. Das war zwar bitter, aber auch ein Reifungsprozess, der mir für den weiteren Weg nicht schadete.

Nimmt man Sie mittlerweile in Schaffhausen als Hockey-Star wahr?

Nein, überhaupt nicht. Mich kennt dort praktisch niemand. Höchstens meine Eltern werden gelegentlich von Bekannten auf mich angesprochen.

Nun erhielten Sie erstmals ein Aufgebot für die Nati – wohl als erster Schaffhauser überhaupt. Welchen Stellenwert hat das für Sie?

Für Schaffhausen vermutlich nicht so einen grossen, für mich dagegen ist es eine riesige Ehre. Ich habe grosse Freude, werde mein Bestes geben und bin natürlich topmotiviert.

Was haben Sie sich für Ihre Premiere am Deutschland-Cup vorgenommen?

Gleich zu spielen wie in Lugano, so wie ich das kann – und dabei Spass zu haben.

Denken Sie bereits weiter als an den Deutschland-Cup bezüglich Ihrer Nati-Karriere?

Nein, das wäre frech und nicht angebracht. Ich nehme dieses Wochenende Spiel für Spiel, Einsatz für Einsatz und werde es geniessen.

Die Intensität und das Tempo werden ein wenig höher sein als in der NLA. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Ich denke, darauf kann man sich gar nicht vorbereiten. Ich werde dann auf dem Eis sehen, was abgeht, und dann gilt es mitzuziehen. Ich kenne es noch von der Juniorennationalmannschaft: Die ersten Einsätze muss man sich ein wenig durchbeissen und danach kommt es dann schon gut.

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