Diskussion um Prämie – In Schweden erfüllten Impf-Gutscheine ihren Zweck
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Diskussion um PrämieIn Schweden erfüllten Impf-Gutscheine ihren Zweck

Hierzulande kommt der Vorschlag von 50-Franken-Gutscheinen schlecht an. Eine neue Studie aus dem Ausland zeigt jedoch, dass finanzielle Anreize funktionieren können – mit einem kleinen Unterschied.

von
Patrick McEvily
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Seit Ende September gibt es in Schweden, wie auch in den anderen skandinavischen Staaten, keinerlei Schutzmassnahmen mehr gegen das Coronavirus.

Seit Ende September gibt es in Schweden, wie auch in den anderen skandinavischen Staaten, keinerlei Schutzmassnahmen mehr gegen das Coronavirus.

via REUTERS
Die Impfquote im Land liegt gemäss der Plattform Our World in Data bei 65 Prozent. In der Schweiz beträgt die Anzahl vollständig geimpfter Personen 59 Prozent.

Die Impfquote im Land liegt gemäss der Plattform Our World in Data bei 65 Prozent. In der Schweiz beträgt die Anzahl vollständig geimpfter Personen 59 Prozent.

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Trotz der relativ hohen Impfquote konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer breit angelegten Studie einen Anstieg der Impfungen erkennen, nachdem ungeimpften Personen finanzielle Anreize versprochen wurden.

Trotz der relativ hohen Impfquote konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer breit angelegten Studie einen Anstieg der Impfungen erkennen, nachdem ungeimpften Personen finanzielle Anreize versprochen wurden.

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Darum gehts

  • Eine neue Studie aus Schweden belegt, dass finanzielle Anreize für eine Corona-Impfung ihr Ziel erreichen.

  • Um vier Prozentpunkte erhöhte bereits eine minimale Zahlung von 21 Franken die Impfbereitschaft.

  • Anders als in der Schweiz zahlen die Schweden jedoch die geimpfte Person direkt. Die Idee der 50-Franken-Gutscheine für Vermittler dürfte hierzulande weiterhin keine Chance haben.

Diese Studie dürfte noch einmal etwas Brisanz in die Diskussion rund um 50-Franken-Gutscheine für die erfolgreiche Vermittlung von Ungeimpften bringen. Gemäss einer Gruppe internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler reichen schon kleine Beträge aus, um ungeimpfte Personen dazu zu bringen, sich impfen zu lassen. In Feldversuchen in Schweden hätten bereits 21 Franken ihr Ziel erreicht. Dies berichten die Tamedia-Zeitungen.

Vergangene Woche hatte der Bundesrat den Kantonen die Idee zur Konsultation unterbreitet, dass Gutscheine im Wert von 50 Franken zum Einsatz kommen, die an Personen vergeben werden, die jemand anderes von der Impfung überzeugt haben. Die meisten Kantone zeigten sich jedoch wenig begeistert von der Idee und lehnten sie diese Woche ab.

Forscher bezahlten Geimpfte direkt und ohne Umweg über Vermittler

Die Studie mit Beteiligung von Forschenden aus mehreren Ländern, darunter auch der Schweiz, war in der Fachzeitschrift Science erschienen. Die Expertinnen und Experten hatten an über 8000 Personen untersucht, wie sich ein finanzieller Anreiz von 21 Franken auf deren Impfbereitschaft auswirkte. Anders als in der Schweiz wurde das Geld dabei jedoch direkt an die neu geimpfte Person bezahlt und nicht an eine Vermittlerin oder einen Vermittler.

Und tatsächlich: Gegenüber der Gruppe derjenigen Personen, die keine Prämie für die Impfung erhielten, schlossen die «Bezahlten» um vier Prozentpunkte besser ab. Gemäss den Expertinnen und Experten hatten Geschlecht, Einkommen und das Alter der Teilnehmenden keinen Einfluss auf die Ergebnisse.

Geld funktioniert dabei besser als andere Überzeugungsmittel (sogenannte «Nudges»). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten nämlich auch, ob die Bereitschaft zur Impfung steigt, wenn Probanden dazu aufgefordert wurden, jemanden in ihrem Umfeld zu nennen, den sie durch ihre Impfung schützen könnten. Hiesige Expertinnen und Experten nehmen die Nachrichten aus Schweden positiv auf. Florian Schneider von der Universität Zürich, der an der Studie mitgearbeitet hat, erklärt: «Die Ergebnisse relativieren die Befürchtungen, dass finanzielle Belohnungen kontraproduktiv wirken und Unentschlossene von der Impfung abhalten könnten, indem sie etwa Misstrauen schürten.»

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