Studie zur Sicherheit: In Schweizer Städten gibts künftig mehr Zoff
Aktualisiert

Studie zur SicherheitIn Schweizer Städten gibts künftig mehr Zoff

Der Schweizer Städteverband hat untersucht, wie sicher die urbanen Zentren im Jahr 2025 sein werden. Die zunehmende Anonymität führt zu mehr Gewalt und Krawall – aber es gibt auch Hoffnung.

von
Simon Hehli
Schweizer Städte wie Zürich locken viele neue Einwohner an - das bringt nicht nur Vorteile mit sich.

Schweizer Städte wie Zürich locken viele neue Einwohner an - das bringt nicht nur Vorteile mit sich.

In der Stadt leben liegt im Trend: Das zeigen steigende Bevölkerungszahlen. Der Basler Soziologieprofessor Ueli Mäder ist überzeugt, dass auch in den nächsten Jahren noch mehr Leute in die Städte strömen werden: Dort seien die Wege kurz, Arbeit und Wohnen lägen nahe zusammen. «Zudem sind die Städte kulturell vielfältig. Das macht sie auch in Zukunft besonders attraktiv.»

Dass der Boom der Zentren auch seine Schattenseiten hat, zeigt der neue Bericht des Schweizer Städteverbands. Die Studie prophezeit, wie die Sicherheit der Städte im Jahr 2025 aussehen wird. Aus ökologischen Gründen kommt es zu einer weiteren Verdichtung der Innenstädte. Zunehmender öffentlicher Verkehr, ein wachsendes Freizeitangebot und Rund-um-die-Uhr-Dienstleistungen: Das alles kollidiert mit dem Bedürfnis der Bewohner nach Ruhe.

Anonymität und Frust = Gewalt

Die Autoren der Studie warnen zudem vor einer steigenden Gewaltbereitschaft. Ein Grund dafür sei eine wachsende soziale Ungleichheit: Wer keinen Job oder nur eine schlecht bezahlte Arbeit hat, ist frustriert – und schlägt tendenziell eher zu oder demoliert Bushaltestellen, so die Logik.

Zu dieser Entwicklung trägt nicht nur der Alkoholkonsum, sondern auch die zunehmende Anonymität bei: Wer kennt denn in einer Stadt wie Zürich, die voller Zuzüger ist, noch die Menschen in seinem Quartier? So sinke die gesellschaftliche Solidarität, befürchten die Studienautoren.

Soziologe Mäder wehrt sich aber gegen zu viel Schwarzmalerei. Die neue Freiheit des Einzelnen sei zwar super, bringe aber auch Einsamkeit mit sich. Das spürten heute viele. «Von daher dürfte die Bereitschaft wieder zunehmen, soziale Beziehungen verbindlicher zu leben. Und zwar im Gegensatz zu früher aus freien Stücken.» Ein Beispiel für neue Formen von Gemeinschaft in den Städten sieht Mäder im florierenden Urban Gardening.

Littering als grösstes Problem

Die Autoren der Studie befürchten jedoch nicht nur einen Anstieg der Sachbeschädigungen und Gewaltdelikte. Auch Drohungen an die Adresse von Beamten und Behörden würden zunehmen, weil der Respekt gegenüber Amtspersonen sinke. Belästigungen durch Betteln, Pöbeleien oder «Schnorren» sowie Störungsanfälligkeit der komplexen Strom- und Kommunikationsnetze sind weitere Unannehmlichkeiten, auf die sich Stadtbewohner des Jahres 2025 einstellen müssen.

Das grösste Problem aus Sicht der Städte wird aber das Littering sein. «Natürlich kommt durch Littering niemand direkt zu Schaden», räumt Renate Amstutz, Direktorin des Städteverbandes (SSV), ein. «Aber verschmutzte Städte führen zu einem Gefühl von Unsicherheit im öffentlichen Raum. Darum müssen wir dieses Thema sehr ernst nehmen.» Soziologe Mäder hält das eher für eine Stellvertreterdiskussion: «Natürlich nervt Littering. Aber die grösseren Probleme sind doch die vielen Abgase und der Sondermüll.»

Angst-Orte ausmerzen und Jugendgewalt bekämpfen

Die Städte belassen es nicht dabei, die Probleme zu benennen, sondern legen auch konkrete Lösungsansätze vor. Sie wollen Veranstalter von Grossanlässen dazu verpflichten, die Kosten für die Abfallentsorgung zu übernehmen. Eine bessere soziale Durchmischung der Quartiere und das Ausmerzen von «Angst-Orten» – etwa dunkeln Unterführungen oder verschmutzten Plätzen – sollen die Kriminalitätsrate senken. Mit Kontakt- und Beratungsstellen wollen die Städte die häusliche Gewalt eindämmen. Und mit einer engeren Zusammenarbeit zwischen Polizei, Rettungskräften und Schulbehörden gegen die Jugendgewalt vorgehen.

So, dass sich die Bewohner der Schweizer Städte auch im Jahr 2025 sicher fühlen können.

Breit abgestützte Studie

Die Studie «Sichere Schweizer Städte 2025» hat der Städteverband gemeinsam mit dem Forschungsbüro «Firma Ernst Basler Partner» sowie 33 Pilotstädten erarbeitet. Neben der Analyse künftiger Gefährdungslagen soll den Städten auch «ein Instrumentarium zum Erarbeiten eigener Sicherheitskonzepte in die Hand gegeben werden.» (hhs)

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