In Simbabwe wird neu ausgezählt

Aktualisiert

In Simbabwe wird neu ausgezählt

Zwei Wochen nach den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Simbabwe hat die Wahlkommission eine teilweise Neuauszählung der Stimmen angeordnet. Damit stellte sie den Sieg der Opposition bei der Parlamentswahl in Frage.

Die Stimmzettel von 23 der landesweit 210 Wahlbezirke müssten neu ausgezählt werden, sagte Wahlkommissionschef George Chiweshe in einem Interview mit der staatlichen Sonntagszeitung «Sunday Mail».

Betroffen seien die Stimmen für die Präsidentschafts-, Parlaments- und Senatswahlen. Es gebe «vernünftige Gründe» anzunehmen, dass die Stimmzettel in den betroffenen Bezirken falsch ausgezählt worden seien.

Die Neuauszählung beruht laut Chiweshe auf fristgerechten Beschwerden der Regierungspartei ZANU-PF in 22 Fällen und der oppositionellen Bewegung für einen demokratischen Wandel (MDC) in einem Fall. In den letzten Tagen waren mindestens 15 Mitarbeiter der Zentralen Wahlkommission wegen Wahlbetrugs festgenommen worden.

Wahlsieg in Frage gestellt

Die Anordnung zur Neuauszählung betrifft 18 Bezirke, in denen nach bisherigem Ergebnis die MDC den Sieg davongetragen hatte, und fünf Bezirke, die demnach die ZANU-PF gewann. Mit ihrer Entscheidung stellt die Wahlkommission den von ihr verkündeten Sieg der MDC bei der Parlamentswahl in Frage.

Schliesslich benötigt die ZANU-PF von Präsident Robert Mugabe nur neun zusätzliche Parlamentssitze, um ihre Mehrheit zu behalten. Nach bisherigem amtlichen Ergebnis errang die MDC 109 der 210 Parlamentssitze und die ZANU-PF 97.

Vorwurf des Wahlbetrugs

Das Staatsfernsehen warf der MDC am Samstag umfassenden Wahlbetrug vor. Die MDC habe als Wahlhelfer eingesetzte Lehrer bestochen, damit diese ihre Ergebnisse bei den Wahlen schönen, berichtete das Sprachrohr der Regierung unter Berufung auf ein geheimes Papier.

Darin soll MDC-Generalsekretär Tendai Biti die Manipulationen detailliert beschrieben haben. MDC-Sprecher Nelson Chamisa wies den Bericht jedoch zurück.

«Dieses Dokument hat nichts mit der MDC zu tun, das ist ein Dokument, das vollständig von der ZANU-PF verfasst wurde», sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Es handle sich um «Winkelzüge», die die Veröffentlichung der Ergebnisse der Präsidentschaftswahl weiter verzögern sollten.

Das amtliche Ergebnis der Präsidentschaftswahl steht zwei Wochen nach dem Urnengang immer noch nicht fest. MDC-Kandidat Morgan Tsvangirai hatte sich bereits zum Sieger erklärt, der seit 1980 herrschende Mugabe besteht hingegen auf eine Stichwahl.

(sda)

Deine Meinung