«Hitting Mung»: Ist das Südkoreas verrücktester Wellness-Trend?
Immer die gleiche Aussicht, ohne Natur? «Hitting Mung» will Abhilfe schaffen mit eigens dafür kreierten Orten. 

Immer die gleiche Aussicht, ohne Natur? «Hitting Mung» will Abhilfe schaffen mit eigens dafür kreierten Orten.

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Verrückter Wellness-TrendIn Südkorea zahlen Menschen, um aus dem Fenster zu schauen

Endlich mal abschalten: In Seoul boomen Orte, die «Hitting Mung» anbieten. Das Konzept ist einfach – ungestört sein, gegen Bezahlung.

von
Geraldine Bidermann

Mitten in der hektischen südkoreanischen Hauptstadt steht das «Green Lab Café», ein Tea House mit schönem Ausblick auf den nahegelegenen Seoul-Forest-Park. Beim Eingang steht ein Schild: Keine Smartphones, Kinder und Schuhe erlaubt. Drinnen stehen Liegen und minimalistische Tische bereit, coole Hintergrundmusik oder lebhaftes Schwatzen sind nicht zu hören – es herrscht absolute Stille.

«Hitting Mung» erobert die Grossstadt

Für ein kleines Eintrittsgeld von etwa acht Franken wird man zu einer Liege geleitet. Dort geniesst man während ein bis zwei Stunden die Aussicht schweigend und ohne Ablenkung. Nur Bücher oder Notizhefte können auf Anfrage bestellt werden, dazu gibt es Grüntee und erfrischende Snacks. Das Konzept des Cafés beruht auf einem einzigen Ziel: Entspannen, zur Ruhe kommen und absolut gar nichts tun.

Dieser Wunsch scheint in einer sich immer schneller drehenden Welt zu wachsen. In Südkorea boomen Orte, an denen oben beschriebenes «Hitting Mung» praktiziert wird. Der Begriff heisst übersetzt etwa so viel wie: Komplettes mentales Wegdriften und Erholung im «Nichts».

Auch südkoreanische Kinos bieten «Hitting Mung»-Sessions an. Menschen, die vor dem hektischen Alltag flüchten wollen, treffen sich hier, um gemeinsam und in absoluter Stille Aufnahmen eines flackernden Lagerfeuers oder von vorbeiziehenden Wolken anzuschauen.

Was gibt es Beruhigenderes als den Anblick eines gemütlichen Lagerfeuers?

Was gibt es Beruhigenderes als den Anblick eines gemütlichen Lagerfeuers?

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Übernachtungen ohne WiFi

Auf der Ganghwa-Insel, vor der Westküste Südkoreas, findet sich ein weiterer Ort, der auf «Hitting Mung» spezialisiert ist. In einem schlicht eingerichteten Hotel können Zimmer ohne Wifi, dafür mit Blick auf die Natur gebucht werden.

Aus dem Fenster schauen zur Entspannung – geht das nicht auch daheim? In Zeiten von zunehmendem Stress und Homeoffice fällt es offenbar vielen schwer, daheim einfach mal nichts zu tun, ohne an den unerledigten Korb Wäsche oder die nächsten Tasks im Büro zu denken.

Der Besitzer des Green Lab Cafés sagt gegenüber der «Washington Post», wie schwer es war, bei der Eröffnung kurz vor der Pandemie sein Café zu füllen. Absolutes Nichtstun sei in Südkorea für viele nach wie vor mit Scham behaftet, aber Besserung sei in Sicht. «Heute sind die drei täglichen Zeit-Slots jeweils super schnell ausgebucht – wir müssen regelmässig Leute an der Tür ohne Reservation abweisen.»

Würdest du dafür bezahlen, einfach mal nichts zu machen und aus dem Fenster zu schauen?

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