24.08.2017 20:31

KooperationIn Tschernobyl helfen Streuner den Forschern

Nach dem GAU im Atomkraftwerk mussten die eilig Evakuierten vieles zurücklassen, auch ihre Vierbeiner. Um sie kümmert man sich jetzt endlich.

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Am 26. April 1986 kam es in dem ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl zur Kernschmelze. Der Reaktor Block 4 explodierte und radioaktiver Staub verbreitete sich. Die Region gilt bis heute als unbewohnbar.

Am 26. April 1986 kam es in dem ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl zur Kernschmelze. Der Reaktor Block 4 explodierte und radioaktiver Staub verbreitete sich. Die Region gilt bis heute als unbewohnbar.

epa/ho
Davon lassen sich aber die von den einstigen Bewohnern der heutigen Sperrzone zurückgelassenen Hunde und deren Nachkommen nicht beirren. Rund 1000 streunen heute rund um das Kraftwerk.

Davon lassen sich aber die von den einstigen Bewohnern der heutigen Sperrzone zurückgelassenen Hunde und deren Nachkommen nicht beirren. Rund 1000 streunen heute rund um das Kraftwerk.

/Sean Gallup
Das Problem: Die streunenden Hunde stellen für die Menschen, die sich in der Sperrzone blicken lassen, ein grosses Gesundheitsrisiko dar. Denn viele von den Vierbeinern haben sich bei den Wildtieren mit dem Tollwut verursachenden Lyssa -Virus infiziert.

Das Problem: Die streunenden Hunde stellen für die Menschen, die sich in der Sperrzone blicken lassen, ein grosses Gesundheitsrisiko dar. Denn viele von den Vierbeinern haben sich bei den Wildtieren mit dem Tollwut verursachenden Lyssa -Virus infiziert.

Instagram.com/animalproj

Seit der Kernschmelze im Atomkraftwerk Tschernobyl ist rund um den explodierten Reaktorblock 4 kaum noch etwas los: Ausser den Arbeitern, die die gigantische Schutzhülle für das Kraftwerk erbauten und nun unterhalten, ein paar Touristen und Wissenschaftlern begegnet man hier kaum jemandem.

Statt Menschen tummeln sich in der Sperrzone jede Menge Tiere: wilde Bären, Wölfe, Luchse und Elche, aber auch rund 1000 Hunde.

Sie stammen von den Vierbeinern ab, welche die rund 130'000 evakuierten Menschen, die damals im Umkreis von 30 Kilometern um das Kernkraftwerk lebten, zurückgelassen haben.

Hunde könnten Menschen mit Tollwut infizieren

Das Problem: Die streunenden Hunde stellen für die Menschen, die sich in der Sperrzone aufhalten, ein grosses Gesundheitsrisiko dar. Denn viele von den Vierbeinern haben sich bei den Wildtieren mit Tollwut infiziert.

Damit das Virus nicht zu den Menschen gelangt, haben Forscher der Tierschutzorganisation Vier Pfoten und die amerikanische NGO Clean Futures Fund das Projekt «Dogs of Chernobyl» ins Leben gerufen. Dessen Ziel ist es, die Tiere medizinisch zu versorgen und zu impfen, damit von ihnen keine Ansteckungsgefahr mehr ausgeht.

Ziemlich hartes Hundeleben

Ausserdem vorgesehen: eine Kastration der Hunde. Damit «erreichen wir zusätzlich die langfristige Reduzierung der Streunerhunde-Population», teilt Vier Pfoten mit. Das sei wichtig, denn durch Nahrungsmangel und extrem kalte Winter stünden die Überlebenschancen von Jahr zu Jahr schlechter.

Tatsächlich werden die wilden Hunde in Tschernobyl maximal sechs bis acht Jahre alt, wie es von Seiten des CFF heisst: Das deute darauf hin, dass das Leben in der Sperrzone ziemlich hart sei. Zum Vergleich: Normalerweise beträgt die Lebenserwartung von Hunden zehn bis dreizehn Jahre.

Eine Hand wäscht die andere

Ganz uneigennützig handeln die Vertreter des Projekts aber nicht – nach der Prozedur arbeiten die Hunde ihnen nämlich zu. So werden sie von den Forschern mit Sensoren ausgestattet, die sowohl die Position der Tiere als auch die jeweils auf sie wirkende Strahlendosis messen.

Die so gewonnenen Daten sollen mehr Aufschluss über die in der Gegend noch vorhandene Radioaktivität geben als es bisher möglich war, heisst es.

Um ihre Arbeit auch in Zukunft fortsetzen zu können, haben die Verantwortlichen auf Gofundme.com eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Von den anvisierten 80'000 Dollar haben sie bereits rund 18'000 Dollar zusammen.

Tschernobyls vergessene Hunde

Nach dem GAU im Atomkraftwerk mussten die eilig Evakuierten Vieles zurücklassen, auch ihre Vierbeiner. Um sie wird sich jetzt endlich gekümmert. (Clean Futures Fund)

Den Hunden helfen, damit sie einem helfen: Das ist die Idee hinter dem Projekt «Dogs of Chernobyl». (Video: Clean Futures Fund)

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