Irak: «In unserem Büro herrscht tiefe Trauer»
Aktualisiert

Irak«In unserem Büro herrscht tiefe Trauer»

Einen Tag nach den verheerendsten Anschlägen in Bagdad seit mehr als zwei Jahren haben massive Sicherheitsvorkehrungen das öffentliche Leben weitgehend lahmgelegt. Wegen umfassender Polizeikontrollen staute sich der Verkehr stellenweise kilometerlang. Die Bevölkerung lebt in Angst und Trauer.

von
Barbara Surk
AP

Die Zahl der Toten stieg derweil auf mindestens 155, wie die Behörden am Montag mitteilten. Verletzt wurden den jüngsten Angaben zufolge rund 500 Menschen. Überall in Bagdad fanden Begräbnisfeierlichkeiten für die Opfer statt.

«In unserem Büro herrscht heute tiefe Trauer», erklärte eine Angestellte des Provinzrats, dessen Gebäude eines der Angriffsziele vom Sonntagmorgen war. «Wir sind heute voller Angst zur Arbeit gekommen», fügte ein Beamter des Kulturministeriums hinzu, das in unmittelbarer Nähe der Anschlagsorte liegt. «Wir fragen uns alle, wie die Bomben so unkontrolliert vor die Regierungsgebäude gelangen konnten.»

Diese Frage beschäftigte zweifellos auch die Ermittler. Generalmajor Kassim al Mussawi räumte ein, dass die Selbstmordattentäter mit ihren Autobomben Sicherheitskontrollen passiert haben dürften. Nach seinen Angaben enthielt der Lieferwagen, der vor dem Justizministerium explodierte, rund 1000 Kilogramm Sprengstoff. Im zweiten Fahrzeug, das vor der Provinzverwaltung in die Luft flog, waren 700 Kilogramm Sprengstoff deponiert. Die Bomben waren laut Al Mussawi unter den Sitzen versteckt.

Al-Maliki kündigt harte Strafen an

Hinter den beiden Selbstmordanschlägen, die sich am Sonntag binnen einer knappen Minute im morgendlichen Berufsverkehr ereigneten, wurden sunnitische Aufständische vermutet. Es wurde befürchtet, dass die Gewalt vor der für Mitte Januar geplanten Parlamentswahl weiter zunehmen könnte. Ministerpräsident Nuri al-Maliki kündigte eine harte Bestrafung all derjenigen an, «die im Lande Chaos verbreiten, den politischen Prozess untergraben und die Parlamentswahlen verhindern wollen».

Es waren die blutigsten Anschläge seit August 2007, als Autobomben fast 500 Dorfbewohner der jesidischen Minderheit im Norden des Iraks in den Tod rissen. Dem davor schwersten Anschlag in Bagdad fielen im April 2007 insgesamt 183 Menschen zum Opfer, überwiegend Schiiten.

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