China: In Urumqi brodelt es weiter

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ChinaIn Urumqi brodelt es weiter

Zwei Monate nach den schweren Unruhen in der westchinesischen Provinz Xinjiang ist es in der Hauptstadt Urumqi laut Berichten von Augenzeugen erneut zu Protesten gekommen. Hunderte oder gar tausende Han-Chinesen protestierten dort gegen die Regionalregierung und beklagten einen Zerfall von Recht und Ordnung in der Stadt.

Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua bestätigte, dass sich an einigen Orten in Urumqi Menschen versammelt hätten, um die Behörden aufzufordern, ihre Sicherheit zu gewährleisten. Hintergrund seien Berichte über Angriffe auf Bewohner mit Injektionsnadeln. Die Polizei habe wegen solcher Attacken 15 Verdächtige festgenommen, hiess es bei Xinhua. Näheres zu den Angriffen wurde nicht genannt.

Am 5. Juli waren bei schweren Ausschreitungen zwischen muslimischen Uiguren und Sicherheitskräften mindestens 184 Menschen getötet und 1680 weitere teils schwer verletzt worden. Nach Regierungsangaben waren die meisten Todesopfer Han-Chinesen, Sprecher der Uiguren bezweifelten das. Den Behörden zufolge handelte es sich bei den Toten um 137 Han-Chinesen, 46 Uiguren und einen Angehörigen der Hui, einer weiteren muslimischen Minderheit. Ein Bewohner Urumqis sprach dagegen von mehr als 100 getöteten Uiguren.

Dialog abgelehnt

Die Uiguren-Führerin Rebiya Kadeer rief die chinesische Regierung am Dienstag in einer Rede vor dem Menschenrechtsausschuss des Europaparlaments in Brüssel erneut zum Dialog auf, um die Lage der muslimischen Minderheit in der Volksrepublik zu verbessern.

Kadeers Gesprächsangebot wurde zurückgewiesen. «Kadeer ist nicht berechtigt, mit der chinesischen Führung zu sprechen», sagte die Sprecherin der Provinzregierung, Hou Hanmin, am Donnerstag der staatlichen Zeitung «Global Times». Pekings Umgang mit ethnischen Fragen sei eine «rein innere Angelegenheit».

Die chinesischen Behörden werfen Kadeer vor, die blutigen Unruhen zwischen Uiguren und Han-Chinesen in Xinjiang Anfang Juli angezettelt zu haben. Viele der acht Millionen Uiguren in Xinjiang beklagen sich seit Jahrzehnten über religiöse, politische und kulturelle Unterdrückung durch die chinesische Führung. (sda/dapd)

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