Aktualisiert 14.06.2008 19:27

WahnsinnIn verdreckter Kammer 18 Jahre eingesperrt

Im Fall einer Italienerin, die von ihrer eigenen Familie wegen eines unehelichen Kindes 18 Jahre lang eingekerkert wurde, steht die Polizei vor vielen ungeklärten Fragen. Die 47-jährige hauste in einem verwahrlosten Zimmer.

Nach italienischen Medienberichten vom Samstag versuchen die Ermittler, den Vater des mittlerweile 17-jährigen Sohn der eingesperrten Frau zu identifizieren. Ausserdem werde untersucht, ob der Sohn wusste, dass die im selben Haus in einer völlig verdreckten Kammer hausende Frau seine Mutter war.

Polizisten hatten die 47-Jährige am Freitag in einem kleinen Dorf in der süditalienischen Region Kampanien befreit, nachdem ein anonymer Anrufer die Behörden informiert hatte.

Wegen Schwangerschaft eingesperrt

Die Familie aus der ländlichen Gegend Santa Maria Capoua Verde sperrte die Frau nach ersten Ermittlungsergebnissen 1990 ein, als sie die Schwangerschaft Unverheirateten entdeckten.

Ihre heute 54-jährige Schwester und der 44-jährige Bruder wurden am Freitag festgenommen, die 80-jährige Mutter wegen ihres Alters unter Hausarrest gestellt.

Aus Strafe oder Scham?

Allen dreien wird Freiheitsberaubung und Misshandlung vorgeworfen. Laut der Zeitung «Corriere della Sera» war zunächst unklar, ob die Familie die Tochter als Strafe für das uneheliches Kind oder aus Scham über die Geburt einsperrte.

Die misshandelte Frau wurde am Samstag in der psychiatrischen Abteilung eines Spitals in Neapel behandelt. Bei ihrer Befreiung war sie nach Polizeiangaben in einem verwahrlosten und entsetzlich schmutzigen Zustand.

Sie sei verwirrt, könne kaum laufen und scheine jeden Kontakt mit der Aussenwelt verloren zu haben, teilte die Polizei mit. Unklar sei noch, ob sie bereits vor ihrer Gefangenschaft psychisch krank gewesen sei.

Geld vom Staat

Nach Berichten der Nachrichtenagentur Ansa kassierte die Familie seit mehreren Jahren staatliche Unterhaltszahlungen für die eingesperrte Tochter.

Die Familie habe das Geld benutzt, um ihr Zigaretten zu kaufen und die Schulgebühren des Sohnes zu bezahlen. Der 17-Jährige wurde laut «Corriera della Sera» inzwischen zu einem Onkel gebracht.

(sda)

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