Von «Hölle auf Erden» bis «Disneyland» - In welches Gefängnis kommt Ghislaine Maxwell für den Rest ihres Lebens?
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Von «Hölle auf Erden» bis «Disneyland»In welches Gefängnis kommt Ghislaine Maxwell für den Rest ihres Lebens?

Nach dem Urteil wegen Sexhandels droht der Britin Ghislaine Maxwell eine jahrelange Haftstrafe. Für das US-Justizministerium ist es nun an der Zeit, den passenden Knast für die Epstein-Komplizin auszuwählen.

von
Karin Leuthold
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Nach fünftägigen Beratungen hat ein Geschworenengericht in New York die Britin Ghislaine Maxwell am 29. Dezember 2021 wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch durch den Finanzier Jeffrey Epstein in fünf von sechs Anklagepunkten schuldig gesprochen.

Nach fünftägigen Beratungen hat ein Geschworenengericht in New York die Britin Ghislaine Maxwell am 29. Dezember 2021 wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch durch den Finanzier Jeffrey Epstein in fünf von sechs Anklagepunkten schuldig gesprochen.

AFP
Bei der Bekanntgabe des Urteils wirkte Maxwell hinter einem schwarzen Mund-Nasen-Schutz emotionslos. Auf einen der Anklagepunkte steht eine Haftstrafe von bis zu 40 Jahren. 

Bei der Bekanntgabe des Urteils wirkte Maxwell hinter einem schwarzen Mund-Nasen-Schutz emotionslos. Auf einen der Anklagepunkte steht eine Haftstrafe von bis zu 40 Jahren.

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Maxwell droht eine jahrzehntelange Gefängnisstrafe.

Maxwell droht eine jahrzehntelange Gefängnisstrafe.

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Darum gehts

  • Die Vertraute des verstorbenen US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, ist wegen Sexhandels mit Minderjährigen schuldig gesprochen worden.

  • Auf Sexhandel mit Minderjährigen stehen bis zu 65 Jahre Gefängnis.

  • In welchem Gefängnis wird sie wohl ihre lange Strafe absitzen müssen?

Seit eineinhalb Jahren sitzt Ghislaine Maxwell in einer kleinen Gefängniszelle in Brooklyn - am Mittwoch sprach ein New Yorker Geschworenengericht die 60-Jährige des Sexhandels mit Minderjährigen für schuldig. Die langjährige Vertraute des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein wird womöglich den Rest ihres Lebens im Gefängnis verbringen. Die Frage ist nun, wo.

Eines ist ziemlich sicher: Es wird nicht «Camp Cupcake» sein, das Frauengefängnis von Alderson in West Virginia, das für seine minimale Sicherheit und den bequemen Bedingungen bekannt ist. Die Anstalt bekam im 2004 den Spitznamen, weil dort die berühmte US-amerikanische Moderatorin und Fernsehköchin Martha Stewart untergebracht war. «Camp Cupcake» ist nicht von Stacheldraht umgeben, die Gefangenen dürfen frei herumlaufen, Freizeitaktivitäten ausüben und sogar freie Tage beziehen.

Wohl nicht ins «Orange is the New Black»-Gefängnis

Aber Maxwell wird nicht so viel Glück haben, vermutet Justin Paperny gegenüber dem Portal «Bloomberg». Paperny ist ein Experte im Thema, in seiner Firma berät er Menschen, die eine Gefängnisstrafe antreten müssen. Denn bei der langen Haftstrafe, die ihr droht - US-Medien spekulieren von 40 bis zu 65 Jahren - wird Maxwell wohl eher in einem Gefängnis mit mittlerer Sicherheitsstufe gebracht.

Sollte Maxwell allerdings eine mildere Strafe erhalten, könnte sie in dem Bundesgefängnis in Danbury, Connecticut, landen. Diese Anstalt ist aufgrund der US-Serie «Orange is the New Black» bekannt geworden, weil Autorin Piper Kerman dort ihre Strafe absass.

Höhere Sicherheitsstufe für prominente Insassen

Fragt man einen Experten wie Jack Donson, der mehr als 23 Jahre lang bei der Verwaltung der Bundesgefängnisse (Bureau of Prisons) gearbeitet hat, ist das eher unwahrscheinlich. Einen berühmten Sträfling wie Ghislaine Maxwell werde man sehr wahrscheinlich in eine sichere Einrichtung abseits einer Grossstadt einweisen, meint Donson.

Insassen in Einrichtungen mit höherer Sicherheitsstufe sitzen in der Regel in Zellen und nicht in Zimmern und unterliegen strengeren Sicherheitsvorkehrungen. In diesen Gefängnissen werden Personen untergebracht, die wegen schwererer Straftaten verurteilt wurden, längere Haftstrafen verbüssen und eher zu Gewalttätigkeit neigen, erklärt Donald Murphy, Sprecher des Bureau of Prisons zu «Bloomberg».

Vom Paradies zur «Hölle auf Erden»

Egal, wohin Ghislaine ihre Strafe verbüssen muss, im Vergleich zum Bundesgefängnis in Sunset Park in Brooklyn, wo sie sich derzeit noch befindet, wird es laut Paperny «Disneyland» sein. Das Metropolitan Detention Center (MDC) in der Nähe von New York hält der Experte für «das wohl schlimmste und schmutzigste Gefängnis des Landes».

Bei früheren Untersuchungen hatten Ermittler festgestellt, dass MDC-Gefangene geschlagen, vergewaltigt und unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten wurden. Maxwell zum Beispiel beschwerte sich darüber, dass sie in Einzelhaft gehalten werde, unter 24-stündiger Überwachung stehe und jede Nacht alle paar Stunden geweckt werde. Ihr Aufenthalt dort beschrieb sie «die Hölle auf Erden».

Verständlich, wenn man es mit dem 156 Hektar grossen Anwesen in New Hampshire vergleicht, in dem sie vor ihrer Verhaftung wohnte. Oder ihrem Haus in New York City, das 2016 für rund 15 Millionen Dollar verkauft wurde. Oder ihrem Haus im schicken Londoner Stadtteil Belgravia, das erst im letzten August für 1,75 Millionen britische Pfund (umgerechnet 2,16 Millionen Franken) verkauft wurde, um Anwaltskosten für den Prozess in den USA zu decken.

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Hier findest du Hilfe:

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