Weniger Strassenlärm: In Zürich gibts noch viel mehr Tempo-30-Zonen
Aktualisiert

Weniger StrassenlärmIn Zürich gibts noch viel mehr Tempo-30-Zonen

Der Zürcher Stadtrat will noch auf viel mehr Strassen Tempo 30 einführen als bislang bekannt. Grund dafür ist eine Einsprache des VCS. Bei den Bürgerlichen läuten die Alarmglocken.

von
rom
Auf der Nordbrücke in Wipkingen soll künftig Tempo 30 gelten.

Auf der Nordbrücke in Wipkingen soll künftig Tempo 30 gelten.

Um den Strassenlärm für Anwohner wie vom Bund gefordert bis März 2018 zu reduzieren, hat der Zürcher Stadtrat im Frühling 2012 entschieden, in diversen Quartieren und auf verschiedenen Achsen Tempo 30 einzuführen. Nun ist eine erste grosse Tranche definiert und im Tagblatt der Stadt Zürich vom Mittwoch publiziert.

Künftig sollen Autolenker auf rund 40 Strecken langsamer fahren müssen – unter anderem auf diesen:

• Löwenstrasse, Teilstück Sihlporte bis Löwenplatz (Kreis 1)

• Albisstrasse, Teilstück Tannenrauch- bis Seestrasse (Kreis 2)

• Schaufelbergstrasse (Kreis 3)

• Nordstrasse/Nordbrücke, Teilstück Stampfenbach- bis Guthirtstrasse (Kreise 6 und 10)

• Hegibachstrasse, Teilstück Hegibach- bis Klusplatz (Kreis 7)

• Hornbachstrasse, Seefeld- bis Bellerivestrasse (Kreis 8)

• Baslerstrasse (Kreis 9)

• Zehntenhausstrasse (Kreis 11)

• Saatlenstrasse (Kreis 12)

Brisant dabei: Im Gegensatz zu den ursprünglichen Plänen sind im Kreis 2 noch diverse zusätzliche Strassenabschnitte dazugekommen. Darunter beispielsweise die Butzen- und die Seestrasse. Grund dafür ist eine Einsprache des VCS Zürich gegen das ursprüngliche Konzept. «Es freut uns sehr, dass der Stadtrat die Kritik aufgenommen hat», sagt Markus Knauss, Geschäftsführer des VCS Zürich. Die Stadt wird in den kommenden Monaten auch alle anderen Stadtkreise noch genauer unter die Lupe nehmen. «Ich gehe davon aus, dass weitere Tempo-30-Abschnitte dazukommen werden», so Knauss.

Auch VBZ-Busse betroffen

Unter den im Tagblatt publizierten Strassen sind auch welche, auf denen VBZ-Trolleybusse verkehren, wie etwa auf der Nord- und der Hegibachstrasse. Diese müssten in Zukunft auch mit 30 km/h fahren. «Das ist mit der VBZ abgesprochen und überall dort möglich, wo die Zeitverluste deswegen nicht allzu gross sind», sagt Heiko Ciceri, Sprecher der Dienstabteilung Verkehr.

Mit der Publikation hat am Mittwoch die 30-tägige Einsprachefrist begonnen. Berechtigt sind nur jene, die eine Betroffenheit geltend machen können – beispielsweise Anwohner. «Es gibt aber immer wieder solche, die bloss angeben, ihr Arbeitsweg führe dort durch – mit dieser Begründung sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Einsprache eher gering», sagt Ciceri.

Wo sich niemand gegen die Pläne wehrt, kann die Stadt Tempo 30 in rund zwei Monaten einführen – mit der entsprechenden Signalisation. Ciceri rechnet aber da und dort mit Verzögerungen wegen Einsprachen.

SVP plant Einsprachen

Dafür sorgen will SVP-Fraktionschef Mauro Tuena: «Wir werden die Liste genau prüfen und mit Anwohnern, die sich dagegen wehren, Kontakt aufnehmen.» Die Einsprachen werde man etwa damit begründen, dass Tempo 30 statt 50 punkto Lärmreduktion gar nicht viel bringt. «Das sind bloss drei Dezibel – fürs menschliche Ohr kaum hörbar.» Die SVP werde alles unternehmen, um solche Verkehrsschikanen an unsinnigen Orten zu verhindern. Er denkt dabei etwa an die Löwenstrasse. «Da wohnt kaum jemand, der sonstige Lärm von Passanten ist viel höher.» Dass die Stadt noch viel mehr Tempo-30-Zonen plant, als bisher bekannt war, wundert ihn nicht: «Erklärtes Ziel von Rot-grün ist es ja, den motorisierten Individualverkehr zu verteufeln und so einen wesentlichen Faktor einer funktionierenden Volkswirtschaft kaputt zu machen.»

Auch FDP-Fraktionschef Roger Tognella sagt: «Wir werden mit unseren Juristen abklären, wie wir allenfalls dagegen vorgehen können.» Die Stadt argumentiere stets mit dem Lärm – dabei nehme es etwa die SBB mit Lärmsanierungen auch nicht immer so genau. «Da würden wir gerne wissen, was denn eigentlich rechtsmässig ist.»

Weitere Publikation bis Ende Jahr

Sicher ist: Bis Ende Jahr will der Stadtrat weitere geplante Tempo-30-Zonen bekannt geben und im Tagblatt publizieren. Ihm schwebt auch vor, dass nachts dereinst auf dem ganzen Stadtgebiet Tempo 30 gelten soll. Ausserdem soll auf Abschnitten mit Tempo 80 nur noch 60 gefahren werden dürfen.

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